ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: Benjamin Jungbluth

Risiko-Governance bei alternativen Investments

Dazu 3 Fragen an Benjamin Jungbluth

BDO Finan­cial Service Wealth & Asset Manage­ment in Frank­furt a. M.
Foto: Benja­min Jungbluth
3. Juni 2026

In den vergan­ge­nen Jahren haben verschie­dene insti­tu­tio­nelle Inves­to­ren, darun­ter Pensi­ons­kas­sen, Versor­gungs­werke und andere Alters­vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen, teil­weise erheb­li­che Wert­be­rich­ti­gun­gen, Abschrei­bun­gen und Verluste im Zusam­men­hang mit alter­na­ti­ven Invest­ments verzeich­net. — Wie können solche Verluste bei insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren entste­hen? Welche Bedeu­tung haben neben der quan­ti­ta­ti­ven Steue­rung von Markt‑, Kredit‑, Liqui­­di­­täts- und Kapi­tal­an­for­de­rungs­ri­si­ken insbe­son­dere die zugrunde liegen­den Prozesse, Kontrol­len und Gover­­nance-Struk­­tu­­ren im Manage­ment alter­na­ti­ver Invest­ments? — Dazu 3 Fragen an Benja­min Jung­bluth, Part­ner bei BDO Finan­cial Service Wealth & Asset Manage­ment in Frank­furt a. M.

1. Scha­dens­fälle bei ange­spro­che­nen insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren sind kein Einzel­fall mehr. Woher kommt das? Wie kann man dem entge­gen wirken?

Scha­dens­fälle bei insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren sind häufig nicht allein auf Markt­ver­wer­fun­gen zurück­zu­füh­ren. In vielen Fällen tref­fen komplexe alter­na­tive Invest­ments auf unzu­rei­chende Gover­nance-Struk­tu­ren, mangelnde Trans­pa­renz, Schwä­chen in der Due Dili­gence oder eine unzu­rei­chende laufende Risi­ko­über­wa­chung. Mit zuneh­men­der Allo­ka­tion in Private Markets stei­gen die Anfor­de­run­gen an Daten-Quali­tät, Bewer­tungs­pro­zesse und unab­hän­gige Kontroll­funk­tio­nen erheblich.

Erfolg­rei­che Inves­to­ren zeich­nen sich daher nicht nur durch eine profes­sio­nelle Kapi­tal­an­lage, sondern vor allem durch robuste Governance‑, Risiko- und Kontroll­struk­tu­ren aus. Entschei­dend sind klare Verant­wort­lich­kei­ten, ein wirk­sa­mes Three-Lines-of-Defense-Modell sowie eine regel­mä­ßige unab­hän­gige Über­prü­fung der Invest­ment- und Risi­ko­pro­zesse. Nur durch das Zusam­men­spiel von Exper­tise, Trans­pa­renz und wirk­sa­mer Gover­nance lassen sich lang­fris­tig nach­hal­tige Rendi­ten erzie­len und uner­war­tete Scha­dens­fälle vermeiden.

2. Welche herr­schen­den Risi­ko­mo­delle werden im Markt angewendet?

Die entschei­dende Frage ist häufig nicht, ob Risi­ken vorhan­den waren, sondern ob diese recht­zei­tig erkannt, rich­tig bewer­tet und wirk­sam gesteu­ert wurden. Zwar verfü­gen viele insti­tu­tio­nelle Inves­to­ren über etablierte Risi­ko­mo­delle und teil­weise auch über Versi­che­rungs­de­ckun­gen für bestimmte Pflicht­ver­let­zun­gen von Orga­nen oder Dienst­leis­tern, diese schüt­zen jedoch nicht vor wirt­schaft­li­chen Fehl­ent­schei­dun­gen oder Markt­ver­lus­ten. Ebenso ist die Rolle des Wirt­schafts­prü­fers als Abschluss­prü­fer klar von der Verant­wor­tung der Geschäfts­füh­rung, des Vorstands und der Aufsichts­gre­mien abzu­gren­zen. Die Abschluss­prü­fung beur­teilt die Ordnungs­mä­ßig­keit von Prozes­sen und Bericht­erstat­tung, über­nimmt jedoch nicht die laufende Steue­rung von Invest­ment- und Geschäfts­ri­si­ken. In der Praxis zeigt sich, dass weni­ger ein Mangel an Model­len als viel­mehr Defi­zite in Gover­nance, Trans­pa­renz, Daten­qua­li­tät, unab­hän­gi­ger Kontrolle und kriti­scher Hinter­fra­gung von Annah­men zu erheb­li­chen Schä­den führen können. — Erfolg­rei­che Orga­ni­sa­tio­nen kombi­nie­ren daher quan­ti­ta­tive Risi­ko­mo­delle mit einer star­ken Gover­nance, klaren Verant­wort­lich­kei­ten und einer konti­nu­ier­li­chen Über­wa­chung ihrer alter­na­ti­ven Investments.

3. Wie wirken sich diese Verfah­rens­wei­sen aus auf Private Equity-Unter­neh­men oder auf Direkt-Inves­ti­tio­nen der Institutionellen)?

Für Private Equity-Gesell­schaf­ten und deren Port­fo­lio­un­ter­neh­men haben verschärfte Risiko- und Gover­nance-Anfor­de­run­gen insti­tu­tio­nel­ler Inves­to­ren spür­bare Auswir­kun­gen. Inves­to­ren erwar­ten heute deut­lich mehr Trans­pa­renz hinsicht­lich Bewer­tung, Liqui­di­täts­pla­nung, ESG-Fakto­ren, opera­ti­ver Risi­ken und der Wert­schöp­fungs­stra­te­gie eines Invest­ments. Dadurch stei­gen die Anfor­de­run­gen an Report­ing, Daten­qua­li­tät und Gover­nance-Struk­tu­ren sowohl auf Fonds- als auch auf Port­fo­lio-Unter­neh­mens­ebene. Gleich­zei­tig profi­tie­ren profes­sio­nelle Private Equity-Häuser von dieser Entwick­lung, da sie durch robuste Prozesse und trans­pa­rente Steue­rungs­mo­delle leich­ter Zugang zu insti­tu­tio­nel­lem Kapi­tal erhal­ten. Insbe­son­dere in einem Markt­um­feld mit höhe­ren Zinsen und zuneh­men­der regu­la­to­ri­scher Komple­xi­tät werden belast­bare Risiko- und Kontroll­struk­tu­ren zu einem wesent­li­chen Wettbewerbsfaktor.

Die Gewin­ner werden jene Private Equity-Mana­ger und Port­fo­lio-Unter­neh­men sein, die neben Rendi­te­po­ten­zial auch Trans­pa­renz, Nach­voll­zieh­bar­keit und insti­tu­tio­nelle Gover­nance-Stan­dards über­zeu­gend nach­wei­sen können. Letzt­lich entwi­ckelt sich Risiko-Gover­nance damit von einer regu­la­to­ri­schen Anfor­de­rung zu einem zentra­len Wert­trei­ber für Fund­rai­sing, Unternehmensbewertungen.

 

Benja­min Jung­bluth ist Part­ner bei BDO Deutsch­land und verant­wor­tet den Advi­sory-Bereich Wealth & Asset Manage­ment. — Mit mehr als 25 Jahren Erfah­rung in der Finanz­dienst­leis­tungs­bran­che berät er führende Asset Mana­ger und insti­tu­tio­nelle Inves­to­ren zu stra­te­gi­schen Trans­for­ma­tio­nen, Private Markets, Digi­ta­li­sie­rung und regu­la­to­ri­schen Frage­stel­lun­gen. — Als Trus­ted Advi­sor unter­stützt er Vorstände und Geschäfts­füh­run­gen bei der Weiter­ent­wick­lung ihrer Geschäfts­mo­delle und der nach­hal­ti­gen Stär­kung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.

Benjamin.Jungbluth@bdo.de

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