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3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: Fiona Köckler

Besseres Sourcing, bessere Deals: Wie KI Private Equity und M&A verändert

Dazu 3 Fragen an Fiona Köckler

Grata in London
Foto: Fiona Köckler
17. Juni 2026

Künst­li­che Intel­li­genz verän­dert die Art, wie Private Equity Fonds und M&A Bera­ter Targets iden­ti­fi­zie­ren, bewer­ten und anspre­chen, grund­le­gend und irrever­si­bel. Wer über die rich­ti­gen Daten zur rich­ti­gen Zeit verfügt und KI als stra­te­gi­schen Hebel versteht, kommt als erster zum Zuge. Die ande­ren kommen dann zu spät. — Dazu 3 Fragen an Fiona Köck­ler, Head of DACH bei Grata in London.

1. Wie verän­dert Künst­li­che Intel­li­genz die Iden­ti­fi­ka­tion und Bewer­tung von Targets im Private Equity-Umfeld?

Wer heute poten­ti­elle Targets noch so iden­ti­fi­ziert wie vor fünf Jahren, verliert bereits. – Früher bedeu­tete Deal Sourcing vor allem manu­elle Recher­che, endlose Spreadsheets und Analys­ten, die Stun­den damit verbrach­ten, Unter­neh­mens­da­ten zusam­men­zu­tra­gen, die am Ende nur die Basis für eine erste Einschät­zung liefer­ten. Heute können KI-gestützte Systeme Millio­nen von Unter­neh­men gleich­zei­tig scree­nen und Finanz­kenn­zah­len, Wachs­tums­kur­ven, Mitar­bei­ter­ent­wick­lung und Web-Signale in Echt­zeit zu einem dyna­mi­schen Unter­neh­mens­pro­fil verdich­ten. Ich habe mit Fonds gear­bei­tet, die ihren initia­len Scree­ning-Prozess von mehre­ren Tagen auf wenige Stun­den redu­ziert haben, ohne dabei an Tiefe zu verlie­ren, sondern im Gegen­teil mit einer deut­lich besse­ren Tref­fer­quote bei der Vorqualifizierung.

Es exis­tie­ren bereits KI-Agen­ten, die nicht nur analy­sie­ren, sondern eigen­stän­dig Work­flows ausfüh­ren: Daten zusam­men­füh­ren, CRM-Einträge aktua­li­sie­ren, Prio­ri­sie­run­gen anpas­sen, ohne dass ein Mensch jeden Schritt ansto­ßen muss. Invest­ment­teams verbrin­gen dadurch weni­ger Zeit damit, Rese­ar­cher zu spie­len, und haben mehr Zeit das zu tun, wofür sie wirk­lich ausge­bil­det sind. Die Pipe­line wächst, aber wert­volle Zeit fließt dort­hin, wo sie den größ­ten Nutzen brin­gen: in die rich­ti­gen Gesprä­che mit den rich­ti­gen Unternehmern.

2. Wie kann KI dabei helfen, Off-Market-Oppor­tu­ni­ties früher zu erken­nen als der Wettbewerb?

Off-Market-Deals sind der heilige Gral im Private Equity, und genau hier entfal­tet KI ihren entschei­den­den Vorteil. –  Nur 6% aller Due Dili­gen­ces werden geclo­sed, häufig weil man nicht die erste Person im Raum war oder mit dem falschen Unter­neh­men gespro­chen hat. Gleich­zei­tig werden rund 43% aller inves­tier­ba­ren Unter­neh­men nie entdeckt, und bei 56% aller Deals gibt es gerade einmal ein bis drei poten­zi­elle Käufer. Der Markt ist also weit weni­ger effi­zi­ent als er wirkt.

Der Schlüs­sel liegt in Seller-Intent-Signa­len: Wenn ein Unter­neh­mer beginnt, seine Nach­folge intern zu disku­tie­ren, wenn ein Unter­neh­men Inves­ti­tio­nen syste­ma­tisch zurück­fährt, wenn sich im Führungs­team etwas verän­dert, sind das schwa­che Signale, die manu­ell kaum zu erfas­sen sind, algo­rith­misch aber sehr wohl. Wer diese Signale zuerst “liest”, führt das erste Gespräch, lange bevor ein M&A‑Berater manda­tiert wird, lange bevor ein struk­tu­rier­ter Prozess beginnt. Und das erste Gespräch gewinnt über­pro­por­tio­nal oft, weil es noch kein Bieter­feld gibt, sondern nur Vertrauen. In Gesprä­chen mit Fonds, die diesen Ansatz heute schon konse­quent umset­zen, beob­achte ich immer wieder dasselbe: Es geht nicht darum, mehr Targets zu kontak­tie­ren, sondern die rich­ti­gen im rich­ti­gen Moment zu errei­chen. – KI über­nimmt das Erken­nen. Der Mensch über­nimmt das Gespräch.

3. Wie verän­dert KI die Wett­be­werbs­dy­na­mik im M&A- und Private-Equity-Sourcing und welche Daten sind künf­tig entschei­dend für erfolg­rei­ches Deal Sourcing?

Nicht alle Daten sind gleich. Es gibt eine grund­le­gende Intel­li­gence Layer, also öffent­li­che Regis­ter­da­ten, Firm­o­gra­fien und Basis­kenn­zah­len, auf die heute fast jeder Zugriff hat. Diese schafft Orien­tie­rung, aber keinen Vorsprung mehr. Darüber liegen exklu­sive Daten­sätze aus Part­ner­schaf­ten, Offline-Quel­len die nicht digi­tal erfasst sind, proprie­täre Signale aus Nischen­märk­ten. Hier beginnt echte Diffe­ren­zie­rung. Die entschei­dende Ebene aber sind Seller-Intent-Daten: Signale, die zeigen, wann ein Unter­neh­mer mental bereit ist, über eine Trans­ak­tion nach­zu­den­ken. Zu diesen Daten hat schlicht nicht jeder Zugang, und genau darin liegt der struk­tu­relle Vorteil.

Paral­lel dazu verän­dert sich die Arbeits­in­fra­struk­tur selbst. KI-Agen­ten führen repe­ti­tive Sourcing-Work­flows heute bereits eigen­stän­dig aus. Die nächste Stufe sind MCP-Verbin­dun­gen, also offene Proto­kolle, die es KI-Syste­men erlau­ben, direkt mit ande­ren Tools zu kommu­ni­zie­ren, ohne manu­elle Zwischen­schritte. Konkret bedeu­tet das: CRM, Daten­platt­for­men und Kommu­ni­ka­ti­ons­tools tauschen Infor­ma­tio­nen auto­ma­tisch aus, sodass ein Signal aus einer Quelle sofort im rich­ti­gen Kontext landet.

Viele Teams in PE und M&A haben sich dabei unbe­merkt in einen Zustand von „inves­ti­ga­tive debt” manö­vriert. Sie verbrin­gen einen Groß­teil ihrer Zeit damit, Infor­ma­tio­nen zu sammeln, zu pfle­gen und aufzu­be­rei­ten, anstatt das zu tun, wofür sie wirk­lich da sind: Deals zu machen, Vertrauen aufzu­bauen, Entschei­dun­gen zu tref­fen. Der eigent­li­che Wett­be­werbs­vor­teil der nächs­ten Jahre liegt nicht darin, wer die meis­ten Daten hat, sondern wer KI so einsetzt, dass mensch­li­che Kommu­ni­ka­tion, Urteils­ver­mö­gen und Leader­ship genau dort zum Einsatz kommen, wo sie den größ­ten Unter­schied machen.

 

Fiona Köck­ler ist Head of DACH bei Grata (London), dem Private Intel­li­gence-Arm von Data­site. Zuvor war sie Teil des DACH-Teams von Valu8 Company Intel­li­gence, bevor das Unter­neh­men von Data­site akqui­riert wurde. Grata ist stra­te­gi­scher Daten- und KI-Part­ner für PE-Fonds, M&A‑Berater und Invest­ment­ban­ken im Bereich Target- und Buyer-Iden­ti­fi­ca­tion sowie Market Intel­li­gence.Vor ihrer Tätig­keit im Privat Markets-Umfeld machte Fiona Koeck­ler umfas­sende Erfah­run­gen in der Außen­po­li­tik, Geopo­li­tik und bei globa­len Invest­ment­stra­te­gien. Sie arbei­tete für die Candid Foun­da­tion, einen Think-Tank und Projekt-Hub in Berlin, sowie an Projek­ten des Deut­schen Auswär­ti­gen Amts und der EU mit Bezug auf den Nahen Osten und Afrika. Als unab­hän­gige Bera­te­rin war sie unter ande­rem für das Centre for Finance and Secu­rity (CFS) am Royal United Services Insti­tute (RUSI) in London sowie für ein RUSI / NATO im Bereich digi­tale Währun­gen und CBDCs tätig.

Fiona Köck­ler erwarb zwei Bache­lor of Arts an der Ludwig-Maxi­mi­li­ans-Univer­si­tät München und schloss einen Master of Arts in Inter­na­tio­nal Rela­ti­ons am King’s College London ab. Sie wurde mit dem Principal’s Global Leader­ship Award des King’s College ausge­zeich­net und war Stipen­dia­tin des NATO Science for Peace and Secu­rity Programme.

fiona.koeckler@grata.com | https://www.linkedin.com/in/fiona-koeckler/

 

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