Risiko-Governance bei alternativen Investments
Schadensfälle bei institutionellen Investoren sind häufig nicht allein auf Marktverwerfungen zurückzuführen. In vielen Fällen treffen komplexe alternative Investments auf unzureichende Governance-Strukturen, mangelnde Transparenz, Schwächen in der Due Diligence oder eine unzureichende laufende Risikoüberwachung. Mit zunehmender Allokation in Private Markets steigen die Anforderungen an Daten-Qualität, Bewertungsprozesse und unabhängige Kontrollfunktionen erheblich.
Erfolgreiche Investoren zeichnen sich daher nicht nur durch eine professionelle Kapitalanlage, sondern vor allem durch robuste Governance‑, Risiko- und Kontrollstrukturen aus. Entscheidend sind klare Verantwortlichkeiten, ein wirksames Three-Lines-of-Defense-Modell sowie eine regelmäßige unabhängige Überprüfung der Investment- und Risikoprozesse. Nur durch das Zusammenspiel von Expertise, Transparenz und wirksamer Governance lassen sich langfristig nachhaltige Renditen erzielen und unerwartete Schadensfälle vermeiden.
Die entscheidende Frage ist häufig nicht, ob Risiken vorhanden waren, sondern ob diese rechtzeitig erkannt, richtig bewertet und wirksam gesteuert wurden. Zwar verfügen viele institutionelle Investoren über etablierte Risikomodelle und teilweise auch über Versicherungsdeckungen für bestimmte Pflichtverletzungen von Organen oder Dienstleistern, diese schützen jedoch nicht vor wirtschaftlichen Fehlentscheidungen oder Marktverlusten. Ebenso ist die Rolle des Wirtschaftsprüfers als Abschlussprüfer klar von der Verantwortung der Geschäftsführung, des Vorstands und der Aufsichtsgremien abzugrenzen. Die Abschlussprüfung beurteilt die Ordnungsmäßigkeit von Prozessen und Berichterstattung, übernimmt jedoch nicht die laufende Steuerung von Investment- und Geschäftsrisiken. In der Praxis zeigt sich, dass weniger ein Mangel an Modellen als vielmehr Defizite in Governance, Transparenz, Datenqualität, unabhängiger Kontrolle und kritischer Hinterfragung von Annahmen zu erheblichen Schäden führen können. — Erfolgreiche Organisationen kombinieren daher quantitative Risikomodelle mit einer starken Governance, klaren Verantwortlichkeiten und einer kontinuierlichen Überwachung ihrer alternativen Investments.
Für Private Equity-Gesellschaften und deren Portfoliounternehmen haben verschärfte Risiko- und Governance-Anforderungen institutioneller Investoren spürbare Auswirkungen. Investoren erwarten heute deutlich mehr Transparenz hinsichtlich Bewertung, Liquiditätsplanung, ESG-Faktoren, operativer Risiken und der Wertschöpfungsstrategie eines Investments. Dadurch steigen die Anforderungen an Reporting, Datenqualität und Governance-Strukturen sowohl auf Fonds- als auch auf Portfolio-Unternehmensebene. Gleichzeitig profitieren professionelle Private Equity-Häuser von dieser Entwicklung, da sie durch robuste Prozesse und transparente Steuerungsmodelle leichter Zugang zu institutionellem Kapital erhalten. Insbesondere in einem Marktumfeld mit höheren Zinsen und zunehmender regulatorischer Komplexität werden belastbare Risiko- und Kontrollstrukturen zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor.
Die Gewinner werden jene Private Equity-Manager und Portfolio-Unternehmen sein, die neben Renditepotenzial auch Transparenz, Nachvollziehbarkeit und institutionelle Governance-Standards überzeugend nachweisen können. Letztlich entwickelt sich Risiko-Governance damit von einer regulatorischen Anforderung zu einem zentralen Werttreiber für Fundraising, Unternehmensbewertungen.
Benjamin Jungbluth ist Partner bei BDO Deutschland und verantwortet den Advisory-Bereich Wealth & Asset Management. — Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in der Finanzdienstleistungsbranche berät er führende Asset Manager und institutionelle Investoren zu strategischen Transformationen, Private Markets, Digitalisierung und regulatorischen Fragestellungen. — Als Trusted Advisor unterstützt er Vorstände und Geschäftsführungen bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle und der nachhaltigen Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.