ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: Peter Alexander Rapp

Krise als Chance

Dazu 3 Fragen an Peter Alexander Rapp

Part­ner bei Board Xperts GmbH in Frank­furt a. M.
Foto: Peter Alex­an­der Rapp
15. Juli 2026

Krisen­zei­ten führen dazu, dass gesell­schaft­li­che, wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Posi­tio­nen neu bewer­tet oder verscho­ben werden. Warum die aktu­el­len Heraus­for­de­run­gen für Aufsichts­räte und Beiräte von Fami­li­en­un­ter­neh­men eine neue Heran­ge­hens­weise erfor­dern, welche Kompe­ten­zen sie jetzt brau­chen und warum die Gene­ra­­tio­­nen-Erbfolge nicht dazu gehört. — Dazu 3 Fragen an Peter Alex­an­der Rapp, Part­ner bei Board Xperts in Frank­furt mit Fokus auf Fami­li­en­un­ter­neh­men, insbe­son­dere in den Berei­chen Fast Moving Consu­mer Goods sowie Sports, Fashion & Life­style, Medien und Handel.

1. Warum ist Krise gut?

Um Verän­de­run­gen anzu­sto­ßen, kann es eigent­lich gar nicht genug Krise geben. Die aktu­elle Gleich­zei­tig­keit drän­gen­der Themen bringt eine beson­dere Häufung von Proble­men mit sich: geopo­li­ti­sche Span­nun­gen, die Märkte und Liefer­ket­ten erschüt­tern, rasante Fort­schritte bei künst­li­cher Intel­li­genz, ein eska­lie­ren­der Fach­kräf­te­man­gel und die Umbrü­che durch die Ener­gie­wende. Für Aufsichts­räte und Beiräte bedeu­tet das: höhere Anfor­de­run­gen an ihre Quali­fi­ka­tion, eine tiefere Beschäf­ti­gung mit aktu­el­len Themen und eine inten­si­vere Zusam­men­ar­beit mit Vorstand oder Geschäftsführung.

Inha­ber, Vorstände und Geschäfts­füh­rer müssen Aufsichts­räte und Beiräte profes­sio­nell zusam­men­set­zen. Es reicht nicht mehr, den Rotary-Freund oder den lang­jäh­ri­gen Steu­er­be­ra­ter in den Beirat zu holen. Die aktu­el­len Poly-Krisen erzwin­gen zum Glück ein schnel­les Umden­ken. – Fami­li­en­un­ter­neh­men nehmen eine beson­dere Rolle in der deut­schen Wirt­schaft ein. Die Fami­lie ist oft eng ins opera­tive Geschäft einge­bun­den – das schafft Chan­cen, birgt aber auch Risi­ken. Unter­schied­li­che Meinun­gen inner­halb der Fami­lien oder der Fami­li­en­stämme können Entschei­dun­gen beein­flus­sen und Konflikte zwischen Gesell­schaf­tern und Unter­neh­men auslö­sen. Gleich­zei­tig prägen lang­fris­ti­ges Denken über Gene­ra­tio­nen hinweg und der Wunsch nach finan­zi­el­ler Unab­hän­gig­keit die Unternehmenskultur.

2. Welche Kompe­ten­zen benö­tigt der Beirat eines Familienunternehmens?

In Fami­li­en­un­ter­neh­men zählt vor allem eines: die persön­li­che Passung der Beirats­mit­glie­der zu Unter­neh­mern oder Eigen­tü­mern. Vertrauen, Inte­gri­tät und die Fähig­keit, auch schwie­rige Themen respekt­voll anzu­spre­chen, sind hier ebenso wich­tig wie fach­li­che Exper­tise. Wer Erfah­rung mit den Struk­tu­ren von Fami­li­en­un­ter­neh­men hat, versteht die Dyna­mik zwischen Eigen­tü­mer­fa­mi­lie, Manage­ment und Gesell­schaf­tern – und agiert erfolg­rei­cher als der reine Fach­spe­zia­list ohne diesen Hintergrund.

Ein weite­res Problem: Nur wenige Inha­ber denken früh­zei­tig oder stra­te­gisch über ihre Nach­folge nach oder verknüp­fen dieses Vorha­ben mit lang­fris­ti­gen Zielen. Diese muti­gen Nach­fol­ge­ent­schei­dun­gen sind emotio­nal und brau­chen Zeit. Wer zögert, verpasst den Top-Kandi­da­ten von extern. Erbfolge per se bedeu­tet nicht unbe­dingt Quali­fi­ka­tion oder Kompe­tenz. Eigen­tü­mer müssen sich fragen: Könnte der Junior ohne den Nach­na­men auch in einem ande­ren Unter­neh­men Vorstand werden?

Noch immer fehlt in vielen Kontroll­gre­mien der Fami­li­en­un­ter­neh­men spezi­fi­sches Fach­wis­sen, doch das ändert sich. Finanz­kennt­nisse, M&A‑Erfahrung und ein inter­na­tio­na­les Netz­werk gehö­ren inzwi­schen zur Grund­aus­stat­tung eines Beirats. Die größ­ten Defi­zite zeigen sich daher nicht in klas­si­schen Kontroll­the­men, sondern in zukunfts­re­le­van­ten Berei­chen wie Stra­te­gie, Kunden­ori­en­tie­rung, Inno­va­tion, Digi­ta­li­sie­rung und KI.

3. Verlie­ren Fami­li­en­un­ter­neh­men beim Thema KI den Anschluss?

Konzerne haben erkannt, dass KI nicht nur Effi­zi­enz stei­gert, sondern auch Wachs­tum und Inno­va­tion antreibt. Fami­li­en­un­ter­neh­men hinken hier oft hinter­her. Viele Unter­neh­men sind in tradi­tio­nel­le­ren, weni­ger digi­ta­li­sier­ten Bran­chen tätig. Ist der Inha­ber skep­tisch gegen­über neuer Tech­no­lo­gie, verzö­gern sich Inno­va­tio­nen und Entschei­dun­gen zwangs­läu­fig. Dabei könn­ten Fami­li­en­un­ter­neh­men dank kürze­rer Entschei­dungs­wege KI-Projekte schnel­ler umset­zen und neue Anwen­dun­gen zügi­ger testen.

 

Über Peter Alex­an­der Rapp

Peter Alex­an­der Rapp berät Gesell­schaf­ter und Unter­neh­mer bei stra­te­gi­schen Perso­nal­ent­schei­dun­gen. Sein Fokus liegt auf Fami­li­en­un­ter­neh­men, insbe­son­dere in den Berei­chen Fast Moving Consu­mer Goods sowie Sports, Fashion & Life­style, Medien und Handel. Neben der Beset­zung von Aufsichts­rä­ten, Beirä­ten und der Vermitt­lung von Bran­chen­ex­per­ten bei Board Xperts berät er als Part­ner der Perso­nal­be­ra­tung XELLENTO Execu­tive Search auch Mittel­stands- und Fami­li­en­un­ter­neh­men bei der Beset­zung der ersten und zwei­ten Ebene. 

Seit 2004 widmet sich Peter Alex­an­der Rapp der Perso­nal­be­ra­tung. Bei Russell Reynolds Asso­cia­tes und Hofmann Consul­tants Execu­tive Search besetzte er eine Reihe von Top-Manage­ment-Posi­tio­nen. Seine Manage­ment-Erfah­rung in den Berei­chen Fast Moving Consu­mer Goods, Sports, Fashion & Life­style, Medien und Handel prägt heute seine Beratungsschwerpunkte. 

www.board-xperts.com

Das Unter­neh­mens­pro­fil von Board Xperts finden Sie in der FYB 2026-Ausgabe in Kapi­tel 11.

 

 

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