Trends bei Finanzinvestoren — nicht nur im Fußball
Grundsätzlich zeichnet sich am Markt eine langsame Erholung ab, auch wenn große Exits eher auf sich warten lassen, wobei die Zahl der Secondary Transaktionen (Sponsor-to-Sponsor) weiterhin zunimmt. Schwierigkeiten bei der Einwerbung von Fremdfinanzierungen dürfte dabei eine Rolle spielen. So liegt der Marktanteil der Private-Debt-Fonds bei DACH- Finanzierungen laut einer Studie von Houlihan Lokey aktuell schon bei 61 Prozent und dürfte ggf. noch weiter steigen, weil sich Landesbanken und Geschäftsbanken weiter aus dem Markt zurückziehen.
Ein weiterer Punkt ist die Unsicherheit und die teilweise stark abweichenden Perspektiven von Käufer- und Verkäuferseite bei der Bewertung von Software-Portfolios, die sich erst langsam wieder annähern. Viele von Private-Equity-Fonds erworbene Software-Assets wurden zu Spitzenbewertungen (2021–2022) mit hohem Fremdkapitaleinsatz getätigt. Durch KI wird und wurde die Nachhaltigkeit dieser SaaS-Geschäftsmodelle erheblich in Frage gestellt.
Was die Branchen betrifft, lassen sich bereits seit einiger Zeit folgende Trends erkennen: Gesundheitswesen und der TIC-Sektor (Testing, Inspection, Certification) gehören weiter zu den beständigsten, weil widerstandsfähigsten “Lieblingsbranchen” von Private Equity. — Professional Services (u.a. Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Vermögensverwaltung) bieten neue Betätigungsfelder, auch wenn die Politik und die Berufskammern regulatorisch (Stichwort: Fremdbesitzverbot) gegenhalten. Langfristig dürfte sich diese Blockadehaltung aufgrund der Nachfolgeproblematik vor allem bei kleineren Praxen, die noch dazu aufgrund der Digitalisierungserfordernisse erhöhten Kapitalbedarf haben, aber nicht rechtfertigen lassen.
Neu dazu gekommen sind „Trendbranchen“ wie Cybersecurity und Defense- hier wird man noch sehen, wie sich der Markt entwickelt.
Buy & Build liegt weiterhin klar im Trend und wird mittlerweile auch von großen Investoren ins Visier genommen. So hat zB EQT ‑zusammen mit Silver Lake und Nestlé- IVC Evidensia aufgebaut, den größten europäischen Roll-Up im Bereich Veterinärmedizin für Haustiere – mit über 2.300 Tierkliniken in 19 Ländern und mehr als 60 Standorten in Deutschland und teilweise sehr kleinteiligen Einzel-Akquisitionen.
Multiple Arbitrages allein, d.h. die Erhöhung des Transaktions-Multiples der gesamten Plattform durch Einzel-Add-Ons- sind nicht mehr der alleinige Werttreiber. Eine entscheidende Rolle spielt auch hier die Value Creation durch den Einsatz von KI, sowohl auf Einzel-Portfolio- als auch Holding-Ebene. Diese tritt neben die „klassischen“ Werttreiber wie Kosten- und Umsatzsynergien bzw. Cross-Selling. Insgesamt sind die Anforderungen der Käuferseite an die Integrationsqualität erheblich gestiegen und werden dies auch weiter tun.
Auch beim Buy & Build stellt sich die Einwerbung von Fremdfinanzierung als herausfordernd dar; erst ab einer kritischen Umsatz- bzw. Ergebnisgröße der Plattform sind Finanzierungen für die meisten Finanzierer überhaupt denkbar und auch hier hat Private-Debt auch aufgrund der tieferen Marktkenntnis in der Regel die Nase vorn.
Auf europäischer Ebene sind Private Equity-Investoren längst zu einem festen Bestandteil der Fußballlandschaft geworden, so zB in Italien: Neun von 20 Serie-A-Klubs sind in der Hand nordamerikanischer Investoren. In England dominieren Investoren-geführte Klubs längst das Bild – ob Manchester, London oder Chelsea (Übernahme mit PE-Beteiligung).
Deutschland bildet dabei die strukturelle Ausnahme, wobei das zentrale Hindernis für Finanzinvestoren die 50+1‑Regel des DFB ist: Gliedert ein Verein seine Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft aus, muss die Mehrheit der Stimmrechte beim Mutterverein und damit bei dessen Mitgliedern verbleiben. Ein Investor kann also Kapitalanteile erwerben, aber keine Stimmrechtsmehrheit und damit keine operative und strategische Kontrolle, um den Wert zu steigern und nach einigen Jahren gewinnbringend zu verkaufen; die Entscheidungsgewalt über zentrale Fragen der Geschäftsführung bleibt immer beim Verein und seinen Mitgliedern. Einige Ausnahmen, die die Regel bestätigen: Die Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg genießen historischen Bestandsschutz — trotz der Mehrheitskontrolle durch den jeweiligen Konzern; der RB Leipzig umgeht die Regel faktisch durch eine sehr restriktive Vereinsmitgliedschaft (im Jahr 2024 nur 23 stimmberechtigte Mitglieder).
Weil ein Direktinvestment versagt ist, verlagert sich das PE-Interesse (nicht nur) in Deutschland auf Liga-Ebene: So hat die DFL im Jahr 2023 einen Bieterprozess für einen Teilverkauf der internationalen Medienrechte gestartet, an dem sich mehrere internationale Private-Equity-Firmen (u. a. CVC) beworben haben – ein zunächst gescheiterter Versuch, der aber wohl weiterverfolgt wird.
Dr. Gabor Mues berät in sämtlichen Fragen zu Unternehmenstransaktionen mit dem Fokus auf Private Equity und Finanzierung. Weitere Schwerpunkte seiner Tätigkeit bilden die Beratung bei Buy-and-Build-Transaktionen, Restrukturierung von Finanzierungen im Bereich Distressed M&A und der Begleitung von Family Offices.
Dr. Gabor Mues ist Gründungspartner von FMDH. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Berufserfahrung, davon acht Jahre als Partner in einer führenden M&A/Corporate-Boutique. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in München, Berlin (FU), Potsdam (Dr. jur.) und Oxford (Magister Juris) wurde er 2004 als Rechtsanwalt zugelassen. — https://fmdh.law