ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: Christian Plangger

Tech made in DACH ist nach wie vor Weltklasse

Dazu 3 Fragen an Christian Plangger

Nord­wind Growth, München
Foto: Chris­tian Plangger
12. August 2026

Deutsch­land gehört bei Welt­klas­se­pa­tente zu den fünf inno­va­tivs­ten Ländern welt­weit. In Europa ist Deutsch­land sogar führend, insbe­son­dere bei Tech­no­lo­gien für vernetzte Mobi­li­tät und Ener­gie­ef­fi­zi­enz. Um inno­va­tive Unter­neh­men und Tech­no­lo­gien zu fördern, sind unter ande­rem ein besse­rer Tech­no­lo­gie­trans­fer, mehr Wagnis­ka­pi­tal und Inves­to­ren sowie ein inte­grier­ter euro­päi­scher Kapi­tal­markt notwen­dig. — Dazu 3 Fragen an Chris­tian Plang­ger, Part­ner and Co-Foun­­der at Nord­wind Growth, München.

1. Wodurch zeich­nen sich die Unter­neh­men aus, in die Sie investieren?

Wir konzen­trie­ren uns auf span­nende Tech­no­lo­gie-Unter­neh­men mit einem Umsatz zwischen 3 und 10 Millio­nen Euro. Diese liegen unter­halb der Schwelle, die für die klas­si­schen Invest­ment­ban­ken und Wachs­tums­in­ves­to­ren attrak­tiv ist. Viele dieser Unter­neh­men zeich­nen sich dadurch aus, dass sie orga­nisch, ohne exter­nes Kapi­tal gewach­sen sind, also „boot­strap­ped“. Somit muss­ten sie immer sehr cash-effi­zi­ent arbei­ten. Häufig haben sie gemein­sam, dass aus einem ursprüng­lich service­ori­en­tier­ten Geschäft sehr nahe an den Bedürf­nis­sen ihrer Kunden einzig­ar­tige, inno­va­tive Tech­no­lo­gien entwi­ckelt wurden, die im Lauf der Zeit zur eigent­li­chen Kern­tech­no­lo­gie des Unter­neh­mens heran­ge­wach­sen sind. Die jewei­lige Tech­no­lo­gie unse­rer Port­fo­lio­un­ter­neh­men ist dabei immer markt­füh­rend und verfügt über einzig­ar­tige und vertei­dig­bare Wettbewerbsvorteile.

Oft handelt es sich um Unter­neh­men, die bislang kaum oder gar keinen Kontakt zu M&A‑Beratern oder Inves­to­ren­öko­sys­tem haben. Manche wollen eigent­lich keine Inves­to­ren an Bord holen und wollen „der Herr im eige­nen Haus sein“. Die meis­ten öffnen sich für exter­nes Kapi­tal aus priva­ten Grün­den, wie etwa Heirat oder Haus­bau, oder weil die Grün­der über den nächs­ten großen Schritt nach­den­ken und dafür einen Finanz­part­ner suchen.

Ein gutes Beispiel ist Pimcore: Das Unter­neh­men war ursprüng­lich eine Digi­ta­l­agen­tur, die im Zuge ihrer Kunden­pro­jekte eine Soft­ware­lö­sung entwi­ckelt hat. Diese zählt heute zu den welt­weit am weites­ten verbrei­te­ten und führen­den Master Data Manage­ment Platt­for­men. Das Team wollte eigent­lich ihre Agen­tur konzen­trie­ren und hat deshalb die Soft­ware Open Source gestellt, aller­dings alle Lizenz­recht und das Recht der Kommer­zia­li­sie­rung behal­ten. Dann verlang­ten die Nutzer plötz­lich auch Service­ver­träge – daraus ist ein neues Geschäfts­mo­dell entstan­den. Wir haben 2022 inves­tiert und die Entwick­lung einer revo­lu­tio­nä­ren, KI-getrie­be­nen kommer­zi­el­len Version von Pimcore geför­dert. Seit­her hat das Unter­neh­men fast jedes Jahr seinen Umsatz verdop­pelt und erwirt­schaf­tet signi­fi­kante zwei­stel­lige Umsatz und ist profi­ta­bel. Zu den Kunden von Pimcore zählen einige der größ­ten Fortune500 Unternehmen.

2. Welche Hürden beob­ach­ten Sie bei Ihren Investments?

Es gibt durch­aus einige Hürden. Es ist es nicht ganz einfach diese Unter­neh­men zu finden, da sie meist nicht durch profes­sio­nale M&A‑Berater beglei­tet werden. Meist stehen keine gut aufbe­rei­te­ten Infor­ma­tio­nen zur Verfü­gung. Unser Team muss sich somit auf Basis von Rohda­ten und eige­nen Recher­chen ein Bild vom Unter­neh­men machen. Eine weitere Heraus­for­de­rung ist es, wenn das Manage­ment­team nicht von einem erfah­re­nen M&A‑Anwalt beglei­tet wird, sondern vom Anwalt des Vertrau­ens, der in solchen Trans­ak­tio­nen aber keine Erfah­rung hat. Hier ist ein prag­ma­ti­scher und offe­ner Zugang gefragt.
Wir bieten zum Beispiel an, die Due Dili­gence gemein­sam mit unse­rem Team zu gestal­ten. Zusätz­lich vermit­teln wir Kontakt zu Mana­gern aus unse­ren Port­fo­lio­un­ter­neh­men, damit sich das Grün­der-Team direkt über deren Erfah­run­gen mit uns austau­schen kann, bevor es eine Entschei­dung trifft.

3. Ist Tech­no­lo­gie made in DACH + Europe immer noch Weltklasse?

Wir haben uns bewusst auf den deutsch­spra­chi­gen Raum spezia­li­siert – und die Antwort ist ein klares Ja. In unse­rem Port­fo­lio finden sich einige Beispiele: Enpul­sion ist ein in Wien ansäs­si­ger euro­päi­scher Markt­füh­rer für elek­tri­sche, ionen­ba­sierte Satel­li­ten­an­triebe. Enpul­sion entwick­lete diese einzig­ar­tige und welt­weit führende Tech­no­lo­gie und verfügt bereits über mehr als 300 funk­tio­nie­rende Systeme im Weltall.

Ein ande­res Port­fo­lio­un­ter­neh­men, brain­suite, entwi­ckelt Deep-Tech-Lösun­gen im Bereich Künst­li­che Intel­li­genz für die Maxi­mie­rung von Marke­ting-Mate­ria­lien. Zu den Kunden von brain­suite gehö­ren die welt­weit größ­ten Fortu­n­e500-Unter­neh­men, die teil­weise mehrere Milli­ar­den an Marke­ting­aus­ga­ben mittels der brain­suite-Tech­no­lo­gie opti­mie­ren lassen. – Ein span­nen­des Unter­neh­men ist auch der Erfin­der der 3D-gedruck­ten Brille, einer der Kern­tech­no­lo­gien für Smart Glas­ses. – Ein letz­tes Beispiel ist das Cyber­se­cu­rity-Unter­neh­men DriveLock. Eines der ersten Unter­neh­men, das ein soge­nann­tes Small Language Model (SLM) im Cyber­se­cu­rity-Bereich entwi­ckelte. Mitt­ler­weile vertrauen diverse NATO-Armeen, Regie­run­gen, globale Indus­trie­un­ter­neh­men auf die Tech­no­lo­gie von DriveLock. – Solche Beispiele zeigen: Tech Made-in-DACH und Europe ist nach wie vor Welt­klasse – und genau deshalb für uns als Inves­to­ren so attraktiv.

 

Chris­tian Plang­ger ist Part­ner und Mitgrün­der von Nord­wind Growth.  Er ist auf Wachs­tums­in­ves­ti­tio­nen in Tech­no­lo­gie-Unter­neh­men im deutsch­spra­chi­gen Raum spezia­li­siert. Zuvor arbei­tete Chris­tian Plang­ger in der Geschäfts­füh­rung verschie­de­ner Port­fo­lio­ge­sell­schaf­ten bekann­ter Private Equity Inves­to­ren und lebt in München.

Nord­wind Growth ist eine unab­hän­gige, in München ansäs­sige Invest­ment­ge­sell­schaft, die in wachs­tums­starke Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz inves­tiert. Aktu­ell aus seinem Fund mit einem Volu­men von 145 Mio. €. Übli­che Equity Tickets liegen zwischen 10 und 25 Mio. Euro. — www.nordwindgrowth.de

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