ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: David Gilli

Carve-outs im Aufwind: Wann sich die Ausgliederung für den Mittelstand lohnt

Dazu 3 Fragen an David Gilli

PINOVA in München
Foto: David Gilli
23. Septem­ber 2026

Die deut­sche Wirt­schaft steht unter Anpas­sungs­druck. Viele Konzerne konzen­trie­ren sich zuneh­mend auf ihr Kern­ge­schäft und tren­nen sich von Geschäfts­be­rei­chen, die zwar erfolg­reich sind, aber nicht mehr zur stra­te­gi­schen Ausrich­tung passen. Für eigen­stän­dige Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men eröff­net dieser Schritt oft erheb­li­che Wachs­tums­chan­cen. Worauf es bei einer erfolg­rei­chen Verselbst­stän­di­gung ankommt und wo derzeit die größ­ten Poten­ziale liegen, erläu­tert David Gilli, Part­ner bei PINOVA in München, im FYB-Interview.

1. PINOVA konzen­triert sich bei seinen Invest­ments auf Carve-outs und Nach­fol­ge­lö­sun­gen vor allem im Indus­trial-Tech-Segment mit Fokus auf geschäfts­kri­ti­sche Nischen. Welche Verän­de­run­gen bzw. Heraus­for­de­run­gen stel­len Sie derzeit fest?

PINOVA inves­tiert als verläss­li­cher Part­ner in profi­ta­ble B2B-Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men im deutsch­spra­chi­gen Mittel­stand mit Umsät­zen zwischen 10 und 50 Millio­nen Euro. In diesem Segment beob­ach­ten wir aktu­ell eine deut­li­che Zunahme von Carve-out-Oppor­tu­ni­tä­ten. Viele Konzerne über­prü­fen ihre Port­fo­lios kriti­scher als noch vor eini­gen Jahren und tren­nen sich von Geschäfts­be­rei­chen, die zwar erfolg­reich und profi­ta­bel sind, aber nicht mehr zum stra­te­gi­schen Kern passen.

Für uns sind das oft beson­ders span­nende Situa­tio­nen. Denn hinter diesen Ausglie­de­run­gen stehen häufig Unter­neh­men mit erfah­re­nen Teams, tech­no­lo­gisch führen­den Produk­ten und lang­jäh­ri­gen Kunden­be­zie­hun­gen. Der opera­tive Weg in die Eigen­stän­dig­keit ist anspruchs­voll. IT-Systeme, Prozesse und Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren müssen aus dem Konzern­ver­bund heraus­ge­löst und neu aufge­stellt werden. Gleich­zei­tig entste­hen dadurch enorme Chan­cen. Das Manage­ment gewinnt unter­neh­me­ri­schen Hand­lungs­spiel­raum zurück, Entschei­dun­gen werden schnel­ler getrof­fen und stra­te­gi­sche Initia­ti­ven konse­quen­ter umge­setzt. Genau darin liegt häufig der Ausgangs­punkt für die nächste Wachstumsphase.

2. Ist Deutsch­land ein attrak­ti­ver Stand­ort für Carve-outs? Wie beur­tei­len Sie die aktu­elle Wirtschaftssituation?

Deutsch­land und die DACH-Region gehö­ren aus unse­rer Sicht weiter­hin zu den attrak­tivs­ten Indus­trie­stand­or­ten Euro­pas. Die öffent­li­che Debatte konzen­triert sich derzeit stark auf wirt­schaft­li­che Heraus­for­de­run­gen. Wir erle­ben jedoch täglich, wie viel Inno­va­ti­ons­kraft, tech­no­lo­gi­sches Know-how und indus­tri­elle Substanz in mittel­stän­di­schen Unter­neh­men steckt.

Gerade der aktu­elle Anpas­sungs­druck führt dazu, dass Konzerne ihre Port­fo­lios hinter­fra­gen und Geschäfts­be­rei­che neu ausrich­ten. Dadurch kommen Unter­neh­men auf den Markt, die unter norma­len Markt­be­din­gun­gen häufig gar nicht verfüg­bar wären. Wir sehen diese Entwick­lung daher nicht als Zeichen von Schwä­che, sondern als Chance für unter­neh­me­ri­sche Neuan­fänge. — Viele dieser Unter­neh­men verfü­gen bereits über starke Markt­po­si­tio­nen, hoch­spe­zia­li­sierte Produkte und eine tiefe Veran­ke­rung in den Wert­schöp­fungs­ket­ten ihrer Kunden. Erhal­ten sie die notwen­dige unter­neh­me­ri­sche Frei­heit und den rich­ti­gen stra­te­gi­schen Fokus, können sie ihr Poten­zial oft deut­lich besser entfal­ten als zuvor inner­halb eines großen Konzern­ver­bunds. Am Ende entschei­den nicht Schlag­zei­len über den Erfolg eines Unter­neh­mens, sondern tech­no­lo­gi­sche Kompe­tenz, Markt­po­si­tion und die Quali­tät der Menschen, die es führen.

3. In welchen Indus­trien sehen Sie derzeit inter­es­sante Chan­cen? Beispiels­weise in der Automobilindustrie?

Wir denken weni­ger in klas­si­schen Bran­chen­ka­te­go­rien als in tech­no­lo­gi­schen Stär­ken und nach­hal­ti­gen Wett­be­werbs­vor­tei­len. Deshalb suchen wir gezielt nach spezia­li­sier­ten Indus­trial-Tech-Unter­neh­men mit einer star­ken Markt­po­si­tion und hoher Rele­vanz für ihre Kunden.

Beson­ders inter­es­sant sind für uns Unter­neh­men aus den Berei­chen High-Tech Compon­ents, Inno­va­tive Mate­ri­als und Smart Systems. Uns begeis­tern soge­nannte mission-criti­cal Produkte und Tech­no­lo­gien, ohne die indus­tri­elle Prozesse nicht funk­tio­nie­ren würden. Dass Carve-outs hier ideale Wachs­tums­platt­for­men bieten, zeigen zwei unse­rer erfolg­rei­chen Betei­li­gun­gen: VTI Ventil Tech­nik als Spezia­list für hoch­prä­zise Kompo­nen­ten in anspruchs­vol­len Indus­trie- und Gasan­wen­dun­gen sowie Nexburg im stark wach­sen­den Smart-Systems-Bereich für Cyber­se­cu­rity und kriti­sche Infrastrukturen.

Ein wesent­li­cher Vorteil solcher Ausglie­de­run­gen liegt darin, dass bereits ein einge­spiel­tes Manage­ment-Team, etablierte Kunden­be­zie­hun­gen und funk­tio­nie­rende Prozesse vorhan­den sind. Dadurch kann die stra­te­gi­sche Weiter­ent­wick­lung unmit­tel­bar nach dem Closing begin­nen. Gleich­zei­tig setzt die neu gewon­nene Eigen­stän­dig­keit oft eine beein­dru­ckende Dyna­mik frei. Letzt­lich bleibt Private Equity ein People’s Busi­ness. – Die besten Ergeb­nisse entste­hen dort, wo starke Teams die Chance nutzen, ein Unter­neh­men eigen­stän­dig weiter­zu­ent­wi­ckeln und auf die nächste Stufe zu heben.

 

David Gilli ist Part­ner und seit Juni 2018 bei PINOVA. In seiner Rolle betreut er aktu­ell die Betei­li­gun­gen ASUTEC, AT Sensors, detax, NEUROMEDEX sowie xSuite und zeich­nete zuvor für den erfolg­rei­chen Verkauf von Ecoroll und Sill Optics mitver­ant­wort­lich. Sein Fokus liegt auf Wachs­tums­fi­nan­zie­run­gen, Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen und Carve-outs in mittel­stän­di­sche Indus­trial Tech-Unter­neh­men sowie deren Entwick­lung von Nischen­markt­füh­rern zu inter­na­tio­na­len Champions.

Vor seinem Einstieg bei PINOVA arbei­tete David als Tran­sac­tion Mana­ger für ein Port­fo­lio­un­ter­neh­men von Perm­ira und war zuvor als Senior Consul­tant in der Deals Stra­tegy Group bei Price­wa­ter­hous­e­Coo­pers (PwC) mit Fokus auf Due Dili­gen­ces für Private Equity Fonds tätig. David hat Banking and Finance (M.A. HSG) und Betriebs­wirt­schafts­lehre (B.A. HSG) der Univer­si­tät St. Gallen studiert.

david.gilli@pinovacapital.com

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