ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

Minderheitsbeteiligungen bei Familienunternehmen

Dazu 3 Fragen an Dr. Steffen Oppenländer

Milbank
Foto: Dr. Stef­fen Oppen­län­der
19. Septem­ber 2018

Private Equity-Inve­­s­toren beteili­gen sich zunehmend als Minder­heits­ge­sellschafter an größeren Fami­lienun­ternehmen. Beispiele sind etwa der Einstieg von Carlyle bei Schön Kliniken oder die Beteili­gung von EQT an Otto Bock. Ein derar­tiger Zusam­men­schluss birgt für Unternehmen und Finanz­in­vestor Chan­cen. Insbeson­dere der oftmals unter­schiedliche zeitliche Invest­men­tho­r­i­zont von Altge­sellschaftern und Finanz­in­ve­storen verlangt dabei beson­dere Kreativ­ität bei der Vertrags­gestal­tung.

1. Welche Motive haben Fami­lienun­ternehmen, einen Private Equity-Investor aufzunehmen?

Auss­chlaggebend für die Aufnahme eines Finanz­in­vestors sind typis­cher­weise mittel­fristige Unternehmen­sziele, für deren Umset­zung sich das Unternehmen bzw. seine Gesellschafter die Unter­stützung eines profes­sionellen Investors sich­ern wollen. Dies kann etwa der Gang an die Börse sein, dessen Erfol­gschan­cen durch oper­a­tive Verbesserun­gen maximiert werden sollen. Andere mittel­fristige Ziele können die inter­na­tionale Expan­sion oder das Wach­s­tum durch Zukäufe sein. In all diesen Fällen können Finanz­in­ve­storen mit ihrer Transak­tion­ser­fahrung und ihrem breiten Netzw­erk an Indus­trie-Experten einen wesentlichen Beitrag leis­ten. Daneben können auch finanzielle Sonder­be­las­tun­gen die Suche nach einem Finanz­in­vestor auslösen, etwa zur Finanzierung einer Abfind­ung an einen auss­chei­den­den Gesellschafter. — Typis­cher­weise steht aber weniger der Aspekt der Erlös­gener­ierung als das Ziel der Unternehmensfor­ten­twick­lung unter Beibehal­tung der Kontrolle des Unternehmers bzw. der Unternehmer­fam­i­lie im Mittelpunkt.

2. Welche Themen stellen sich typis­cher­weise beim Einstieg als Minder­heits­ge­sellschafter?

Wie bei jedem Unternehmen­skauf müssen die Parteien sich auch bei einer Minder­heits­beteili­gung über die Erwerb­s­be­din­gun­gen, einschließlich Verkäufer­garantien und ‑freis­tel­lun­gen, verständi­gen. Hier steckt angesichts der gemein­samen Fort­führung des Unternehmens ein nicht zu unter­schätzen­des Risikopo­ten­tial. Denn die Geltend­machung von Ansprüchen etwa wegen Verlet­zung von Verkäufer­garantien belastet regelmäßig das Verhält­nis zwis­chen den Parteien und kann dadurch eine erfol­gre­iche gemein­same Forten­twick­lung des Unternehmens gefährden. Die Absicherung etwaiger Garantieansprüche mit Hilfe einer sog. W&I Versicherung kann dafür eine elegante Lösung sein.

Daneben stehen regelmäßig die Mitspracherechte des Finanz­in­vestors und die Möglichkeit, einen Ausstieg aus der Beteili­gung (sog. Exit) zu initi­ieren, im Mittelpunkt der Verhand­lun­gen. Zentrales Thema bei den Mitspracherechten ist dabei oftmals das Budget. Der Finanz­in­vestor wird hier zumin­d­est auf ein Vetorecht beste­hen, wenn das vorgeschla­gene Budget wesentlich von dem der Transak­tion zugrun­deliegen­den Busi­ness Plan abwe­icht. Daneben wird der Investor vor allem bei der Beset­zung der Geschäfts­führung ein Mitspracherecht verlan­gen.

3. Welche Konse­quen­zen brin­gen Mitspracherechte für das Unternehmen mit sich?

Zunächst einmal müssen die Parteien sich über den Umfang der Mitspracherechte verständi­gen. Diese hängen natür­lich ganz wesentlich von der Höhe der Beteili­gung im Einzelfall ab. Geset­zliche Leit­mo­tive, insbeson­dere die typis­che Sper­rmi­norität von 25%, können dabei allen­falls Ausgangspunkt für die Diskus­sio­nen bieten. Natür­lich hängt das Verhand­lungsergeb­nis auch von der Wettbe­werb­ssi­t­u­a­tion ab. Sind mehrere Bieter im Rennen, wird es den Altge­sellschaftern eher gelin­gen, reduzierte Mitsprachrechte durchzuset­zen. Daneben stellt sich die Frage der Rechts­fol­gen eines Mitspracherechts, insbeson­dere von Vetorechten. Ober­stes Ziel muss es dabei im Inter­esse aller Beteiligter sein, eine fort­ge­set­zte gegen­seit­ige Block­ade zu vermei­den. Deshalb gilt es, angemessene Mech­a­nis­men zu finden, um Vetorechte zu überkom­men. Finanz­in­ve­storen werden dabei regelmäßig eine sogen­nante Put-Option anstreben, das heißt die Pflicht der Altge­sellschafter, bei anhal­tenden Mein­ungsver­schieden­heiten zu zentralen Themen auf Verlan­gen des Finanz­in­vestors dessen Beteili­gung zu erwer­ben. Ein solches Recht wiederum wird für Unternehmen und Altge­sellschafter im Hinblick auf die damit verbun­de­nen finanziellen Belas­tun­gen nur unter beson­deren Umstän­den akzept­abel sein.

 

Über Dr. Stef­fen Oppen­län­der

Stef­fen Oppen­län­der ist Mitglied der Prax­is­gruppe Corpo­rate bei MILBANK in München. Er betreut Private Equity Fonds und Unternehmen bei komplexen nationalen und gren­züber­schre­i­t­en­den Investi­tio­nen, Über­nah­men und Joint Ventures. Neben der Transak­tion­sar­beit berät Stef­fen Oppen­län­der Fami­lienun­ternehmer und ‑unternehmen, insbeson­dere zu Fragen rund um die Nach­folge.

 

 

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