ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

DOs und DON’Ts bei Verhandlungen mit VC-Investoren

Dazu 3 Fragen an Mauritz von Einem

ARQIS Rechtsanwälte, München
Foto: Mauritz von Einem
16. Januar 2020

Start-ups und Unternehmen in der Wach­s­tum­sphase sind auf eine Finanzierung durch externe Kapi­tal­ge­ber angewiesen. Eine solche Finanzierung wird aufgrund des beson­deren Risiko­pro­fils regelmäßig als Eigenkap­i­tal oder mittels eigenkapitalähnlicher Finanzierun­gin­stru­mente ausgestal­tet sein. Finanzierungs­ge­ber und ‑nehmer soll­ten – trotz im Grund­satz unter­schiedlicher Inter­essen – das gemein­same Ziel haben, verlässliche „Part­ner“ zu sein und mit gleich­laufenden Inter­essen das Unternehmen gemein­sam zum Erfolg zu führen.

1. Welche Konstel­la­tio­nen beste­hen bei den Parteien bei Inve­storen-Verhand­lun­gen?

Im Rahmen eines Eigenkap­i­tal­in­vest­ments versucht ein Investor die Kondi­tio­nen des eige­nen Engage­ments in eine Unternehmung zu maximieren, v.a. über die Para­me­ter niedrige Bewer­tung, Zusicherung von finanziellen Sonder­rechten, wie z.B. Liquidationspräferenzen und nicht monetäre Sonder­rechte, wie z.B. Zustim­mungser­fordernisse oder Beiratssitze. Gründer versuchen naturgemäß ihre eigene Posi­tion vor allem über eine Maximierung der Bewer­tung und eine Beschränkung von Mitspracherechten zu opti­mieren.

In der Praxis lässt sich beobachten, dass es in vielen Finanzierungsrun­den von jungen, schnell wach­senden Unternehmen oft eine Partei mit einer klar überwiegenden Verhand­lungs­macht gibt und deshalb nicht unbe­d­ingt mit der anderen Seite auf „Augenhöhe“ verhan­delt. Wird diese Verhand­lungs­macht bei der Begründung der typis­cher­weise als Minder­heits­beteili­gung ausgestal­teten VC-Beteili­gung aber zu stark ausgenutzt, so stellt sich nicht selten ein gegenläufiger Effekt ein und das Ziel eines Inter­es­sen­gle­ich­laufs wird verfehlt. Die Parteien verfallen in einen Modus der vermeintlichen Opti­mierung von Partiku­lar­in­ter­essen, was selten zum Wohl des Unternehmens und am Ende aller Beteiligten ist. Vor diesem Hinter­grund soll­ten beide Parteien von Beginn an ein Inter­esse daran haben, angemessene, faire und trans­par­ente Kondi­tio­nen und Para­me­ter für eine gute und profes­sionelle Zusam­me­nar­beit zu vere­in­baren.

2. Welche Empfehlun­gen haben Sie für Grün­der bei den Verhand­lun­gen mit Inve­storen?

Kern einer erfol­gre­ichen Finanzierungsrunde und oft auch eines erfol­gre­ichen Wach­s­tums ist eine solide Vorbere­itung auf Seiten des Unternehmen. Die Bewer­tung ist ein zentraler Para­me­ter für den Umfang der wirtschaftlichen Teil­habe des Investors am zu finanzieren­den Unternehmen. Hier ist eine real­is­tis­che Selbsteinschätzung des Gründerteams drin­gend anger­aten. Die vertraglichen Regelun­gen soll­ten angemessene monetäre Vorrechte für die Inve­storen bein­hal­ten. — Meilen­steine können als Zwis­chen­schritte und interne wie externe Kontrollpunkte ein wichtiger Teil einer Finanzierungsvere­in­barung sein und zu gegebe­nen Zeit­punk­ten zu einer sinnvollen Bestand­sauf­nahme dienen. Neben monetären Sonder­rechten sind Infor­ma­tions- und Mitspracherechte ein weit­eres zentrales Element der VC-Finanzierung. Auch in diesem Bere­ich gilt, dass eine adäquate und ausge­wo­gene Ausgestal­tung der Rechte das Unternehmen posi­tiv begleiten und die Entwick­lung befördern kann.

3. Welche Maßnah­men können dabei insbeson­dere hilfre­ich sein für die Günder?

Ein angemessenes laufendes Report­ing und eine Buch­hal­tung, die up-to-date ist, soll­ten eine Selbstverständlichkeit sein. Die Gründer soll­ten auch von vorn­herein keinen Zweifel an der IP (Intel­lec­tual Prop­erty) Situ­a­tion des Unternehmens aufkom­men lassen.

Freilich sind bei der konkreten Ausgestal­tung der Para­me­ter der Beteili­gung zahlre­iche von in Details unter­schiedlichen Ausgestal­tun­gen möglich, die von der indi­vidu­ellen Verhand­lungs­macht und ‑geschick, Infor­ma­tion­sasym­me­trie und indi­vidu­ellen Einschätzungen und Erfahrungs­stand der Beteiligten bestimmt werden. — Ziel sollte es sein, klare, faire, auch umset­zbare und dem Entwick­lungs­stand des Unternehmens angemessene Regelun­gen zu imple­men­tieren, die die Unternehmensen­twick­lung posi­tiv begleiten.

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