ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

Aktuelle spannende Branchen im Bereich Corporate Finance

Dazu 3 Fragen an Fabian Schmidt

Sonn­tag Corpo­rate Finance
Foto: Fabian Schmidt
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11. Mai 2022

Die aktu­el­len poli­ti­schen Ereig­nisse berüh­ren fast alle Berei­che der Wirt­schaft. Auch der Bereich der Unter­neh­mens­trans­ak­tio­nen. In welchen Berei­chen die Corpo­rate Finance-Bran­che nun neue Aufga­ben findet und Akti­vi­tä­ten entwickelt.


Dazu 3 Fragen an Fabian Schmidt, Part­ner bei Sonn­tag Corpo­rate Finance in Wetzlar

1. Was unter­schei­det sonn­tag corpo­rate finance von Ihren Mitbewerbern?

Unser Geschäft bei sonn­tag corpo­rate finance wird von Manda­ten auf der Verkaufs­seite domi­niert — rund 85%. Wir arbei­ten bran­chen­un­ab­hän­gig und konzen­trie­ren uns strikt auf den deut­schen Mittel­stand. Hier gibt es eine große Zahl etablier­ter Unter­neh­men der “Old Economy”, die mit der Nach­fol­ge­frage konfron­tiert sind, aber auch eine beträcht­li­che Zahl jünge­rer Unter­neh­men mit tech­no­lo­gie­ba­sier­ten Geschäfts­mo­del­len, die sich in der Skalie­rungs­phase befinden.

Bei etablier­ten Unter­neh­men schla­gen wir die Brücke zwischen dem inha­ber­ge­führ­ten, mittel­stän­di­schen Unter­neh­men und den Private Equity Inves­to­ren. Wir verste­hen uns als Bera­ter unse­rer Kunden und als Vermitt­ler von Geschäf­ten für beide Seiten. Vor allem unser diskre­ter Ansatz wird von unse­ren Kunden, die oft Markt­füh­rer in ihrer Nische sind, geschätzt und bildet die Basis für Vertrauen im weite­ren Prozess.

Bei jungen Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men ist es in den von uns betreu­ten Bieter­ver­fah­ren uner­läss­lich, dass der Corpo­rate-Finance-Bera­ter neben seiner Exper­tise auch eine gewisse Affi­ni­tät zum Geschäfts­mo­dell und zur Einzig­ar­tig­keit des Kunden­un­ter­neh­mens hat. Hier nutzen wir das Know-how unse­rer Teams und brin­gen die breite akade­mi­sche Ausbil­dung unse­rer Mitar­bei­ter ein, die nicht selten eine Kombi­na­tion aus Natur- oder Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten und Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten oder M&A‑Hintergrund ist. Gerade diese Verschmel­zung von Metho­den aus verschie­de­nen Diszi­pli­nen bringt dem Kunden oft den entschei­den­den Mehr­wert für sein Projekt.

Das ausge­prägte Vertrauen von High-Tech-Unter­neh­men in den Small-Cap-Sektor spie­gelt sich auch in unse­rer Trans­ak­ti­ons­his­to­rie wider: Ange­fan­gen bei der Lade­tech­nik für Elek­tro­fahr­zeuge über Unter­neh­men der mecha­ni­schen Bear­bei­tung, die an die Gren­zen der physi­ka­li­schen Möglich­kei­ten des Prozes­ses gehen, bis hin zu Laser­an­wen­dun­gen für den Einsatz in der Forschung oder im Hoch­leis­tungs­be­reich zählen zu unse­ren jüngs­ten Projek­ten. — In den Berei­chen, in denen wir über ein hohes Maß an Bran­chen­kennt­nis verfü­gen, fungie­ren wir auch als Bera­ter auf der Käuferseite.

2. In welchen Berei­chen sehen Sie viel Bewe­gung? Treten bestimmte Bran­chen jetzt in den Fokus?

Der Markt für Fusio­nen und Über­nah­men ist derzeit mehr wider­sprüch­li­chen Einflüs­sen ausge­setzt als je zuvor. Neue Akteure treten in den Markt ein, und der Peit­schen­ef­fekt im Gefolge der Corona-Pande­mie führte 2021 zu einem Höchst­stand auf dem M&A‑Markt. Das gilt auch für unser Segment.

Wir sehen bei unse­ren Projek­ten die klas­si­schen Konso­li­die­rungs­ten­den­zen, vor allem im Bereich der Old Economy. Stei­gende Cash-Bestände bei Private-Equity-Inves­to­ren, akti­vere M&A‑Bemühungen von Unter­neh­men und unge­löste Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen bei inha­ber­ge­führ­ten Unter­neh­men fördern die Konso­li­die­rung in besetz­ten Branchen.

Abseits der Old Economy beob­ach­ten wir in unse­rem Segment auch ein verstärk­tes Aufkom­men von Trans­ak­tio­nen im High-Tech-Sektor. Neben dem Sektor der Kommu­ni­ka­ti­ons- und Kolla­bo­ra­ti­ons­soft­ware, der durch Corona in allen Unter­neh­mens­grö­ßen floriert, werden tech­no­lo­gie­ge­trie­bene Trans­ak­tio­nen auch in Berei­chen voran­ge­trie­ben, die nicht im Fokus der allge­mei­nen Öffent­lich­keit und der Medien stehen. Die Unter­neh­men sehen sich zuneh­mend nach Unter­neh­men mit tech­no­lo­gi­schem Vorsprung um, die als Keim­zelle oder exter­ner Impuls­ge­ber für ihre eige­nen Forschungs- und Entwick­lungs­an­stren­gun­gen dienen können und deren Produkte sich über bestehende Struk­tu­ren skalie­ren lassen. Es liegt auf der Hand, dass diese Unter­neh­men regel­mä­ßig höher bewer­tet werden als andere Unter­neh­men mit gerin­ger Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung. Gleich­zei­tig treibt das gestie­gene Kauf­in­ter­esse in diesen Fällen auch die Gesamt­zahl der Trans­ak­tio­nen bei den Small Caps an.

Es wäre aber sicher zu kurz gegrif­fen, Trans­ak­tio­nen mit hoch­spe­zia­li­sier­ten Unter­neh­men im Small Cap zu betrach­ten und daraus Bran­chen- oder Sektor­t­rends abzu­lei­ten. Aber hoch­spe­zia­li­sierte Dienst­leis­ter, Unter­neh­men mit eige­nen Produk­ten und hoher Wert­schöp­fung sind derzeit begehrte Ziele und profi­tie­ren von hohen Bewertungen.

3. a) Wer sind Ihre Kunden oder Ihre Investoren?

Wir von sonn­tag corpo­rate finance zeich­nen uns dadurch aus, dass wir uns auf Verkaufs­pro­zesse für kleine und mitt­lere Unter­neh­men konzen­trie­ren — genau genom­men auf das kleinste Segment im Small Cap. Hier liegt das Volu­men der reali­sier­ten Trans­ak­tio­nen in der Regel bei bis zu 100 Mio. EUR, regel­mä­ßig jedoch unter 50 Mio. EUR.

Auf der Käufer­seite vertre­ten wir sowohl Single-Family-Offices als auch Private-Equity-Inves­to­ren und Unter­neh­men. Alle genann­ten Kandi­da­ten wählen uns aufgrund unse­rer bishe­ri­gen Erfah­run­gen aus und profi­tie­ren dabei von unse­rer hohen tech­no­lo­gi­schen Kompe­tenz und Sensi­bi­li­tät für die mittel­stän­di­schen Ziel­un­ter­neh­men, die sich insbe­son­dere in späte­ren Verhand­lungs­pha­sen auszahlt. In der Regel bringt der Inves­tor bereits fundierte M&A‑Expertise und ‑Erfah­rung mit, was die Rele­vanz der von uns erwar­te­ten und über­nom­me­nen Neben­rolle als Vermitt­ler für den erfolg­rei­chen Deal weiter unterstreicht.

Auf der Inves­to­ren­seite über­schnei­det sich das Spek­trum mit den Zeichen auf der Käufer­seite, aber MBI-Inves­to­ren erschei­nen hier auch als poten­zi­elle Inves­to­ren in klei­ne­ren Trans­ak­tio­nen. Unsere strikte Ausrich­tung auf das Small-Cap-Segment bedingt auch die Auftei­lung der Trans­ak­tio­nen. So waren wir beispiels­weise nur für etwa 20 % der grenz­über­schrei­ten­den Inbound-Trans­ak­tio­nen verant­wort­lich, die jedoch über 40 % unse­res gesam­ten Trans­ak­ti­ons­vo­lu­mens ausmachen.

PE-Inves­to­ren neigen dazu, immer klei­nere Unter­neh­men für Inves­ti­tio­nen in Betracht zu ziehen. Diese Unter­neh­men bieten ein enor­mes Wert­stei­ge­rungs­po­ten­zial in Bezug auf die Nutzung des opera­ti­ven Poten­zi­als, erfor­dern aber auch ein größe­res opera­ti­ves Enga­ge­ment seitens des Inves­tors. Wir gehen davon aus, dass ange­sichts der stump­fen Klin­gen der Finanzar­bi­trage oder der finan­zi­el­len Restruk­tu­rie­rung die Nutzung des opera­ti­ven Poten­zi­als weiter­hin ein wich­ti­ger Hebel sein wird und dass das Wachs­tum und die Profes­sio­na­li­sie­rung der Inves­to­ren im Small-Cap-Bereich anhal­ten werden.

3. b) Hat die aktu­elle poli­ti­sche Situa­tion (Thema Ukraine) Auswir­kun­gen auf Ihre Tätigkeit? 

Gene­rell ist fest­zu­stel­len, dass die klei­ne­ren Unter­neh­men stär­ker von der Entwick­lung der Gesamt­wirt­schaft abge­kop­pelt sind. In unse­rem Unter­neh­men sind zum Beispiel Trans­ak­ti­ons­pro­jekte weni­ger direkt von den wirt­schaft­li­chen Folgen des Krie­ges gegen die Ukraine betrof­fen. Dennoch sind selbst uns als Deal Enab­ler die Hände gebun­den, wenn ein Ziel­un­ter­neh­men mit einer vom Stahl­preis domi­nier­ten Brut­to­marge unter Druck steht. — In ande­ren Fällen schla­gen sich die wirt­schaft­li­chen Folgen des Krie­ges gegen die Ukraine noch nicht in den Büchern nieder, werden sich aber früher oder später auf die Leis­tung der Unter­neh­men auswirken.

Über Fabian Schmidt

Fabian Schmid ist Part­ner bei sonn­tag corpo­rate finance. Nach Statio­nen bei der Schunk-Gruppe und Bosch Ther­mo­tech­nik wech­selte er zur Sonn­tag-Gruppe. Seit 2018 ist Schmidt Gesell­schaf­ter und Proku­rist der Toch­ter­ge­sell­schaft Nach­fol­ge­kon­tor und im Zuge eines Manage­ment-Buy-outs 2021 Gesell­schaf­ter der Unter­neh­mens­gruppe Sonn­tag. Durch seine akade­mi­sche und beruf­li­che Erfah­rung aus natio­na­len und inter­na­tio­na­len Trans­ak­tio­nen ist Schmidt ein ausge­wie­se­ner Experte in den Berei­chen Tech­no­lo­gie, Maschi­nen­bau und Produktion.

Darüber hinaus betreute Fabian Schmidt M&A‑Projekte im Auftrag von Banken und börsen­no­tier­ten Konzer­nen sowie von Private-Equity-Inves­to­ren und Family Offices. Das Aufga­ben­spek­trum reicht von der Entwick­lung und Umset­zung von Akqui­si­ti­ons­stra­te­gien über die Prüfung von Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten bis hin zum Verkauf von Unter­neh­mens­tei­len. Zuletzt hat Herr Schmidt bei der folgen­den Trans­ak­tion bera­ten: Active Fiber Systems an Trumpf.

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