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3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: Quirin Herz

Das europäische Defense-Tech-Ökosystem als neue Anlageklasse für Private Equity

Dazu 3 Fragen an Quirin Herz

Hensoldt AG in München
Foto: Quirin Herz
28. Januar 2026

Private Equity verliert seine Scheu vor Defen­seTech. Mittel­stän­di­sche Unter­neh­men, die seit Jahr­zehn­ten, auch die Vertei­di­gungs­in­dus­trie bedie­nen, rücken jetzt in den Fokus von Investoren.


Dazu 3 Fragen an Quirin Herz, Corpo­rate Venture bei der Hensoldt AG in München

1. Wie sieht die neue Reali­tät der euro­päi­schen Vertei­di­gung aus?

Jahr­zehn­te­lange Unter­in­ves­ti­tio­nen, die Prio­ri­sie­rung von Effi­zi­enz über Kapa­zi­tät und eine Fokus­sie­rung auf wenige, hoch­kom­plexe Waffen­sys­teme (in Teilen für dedi­zierte Auslands­ein­satz-Szena­rien) hatten zu einer indus­tri­el­len Land­schaft geführt, die weder die notwen­dige Produk­ti­ons­menge noch die erfor­der­li­che Geschwin­dig­keit für eine adäquate Reak­tion aufwies. Dieser Weck­ruf löste eine vertei­di­gungs­po­li­ti­sche und bundes­haus­halt­li­che Reak­tion aus, die in Deutsch­land land­läu­fig als „Zeiten­wende“ bekannt wurde, ein Begriff, der die tief­grei­fende stra­te­gi­sche Neuaus­rich­tung Euro­pas tref­fend beschreibt. Die Erkennt­nis, dass Frie­den und Stabi­li­tät, als ulti­ma­ti­ves Funda­ment unse­rer frei­heit­lich demo­kra­ti­schen und sozia­len Markt­wirt­schaft, nicht länger als selbst­ver­ständ­lich ange­se­hen werden können, hat zu einem Para­dig­men­wech­sel in den Vertei­di­gungs­haus­hal­ten und der Indus­trie­po­li­tik des gesam­ten Konti­nents geführt.

Die welt­wei­ten Mili­tär­aus­ga­ben erreich­ten im Jahr 2024 einen neuen Rekord­wert von 2.718 Milli­ar­den US-Dollar, wobei Europa der Haupt­trei­ber dieses Anstiegs war. Die Mili­tär­aus­ga­ben des Konti­nents stie­gen um 17 % auf 693 Milli­ar­den US-Dollar. Einzelne Länder verzeich­ne­ten noch drama­ti­schere Zuwächse: Die Bundes­re­pu­blik erreichte 88,5 Milli­ar­den US-Dollar (77,6 Milli­ar­den Euro) an Mili­tär­aus­ga­ben und stieg damit vom sieb­ten auf den vier­ten Platz im globa­len Ranking der Rüstungs­aus­ga­ben auf. Diese Entwick­lung spie­gelt sich im gesam­ten NATO-Bünd­nis wider.

2. Warum sind Inves­ti­tio­nen in den Vertei­di­gungs­sek­tor so attraktiv?

Für Private Equity-Inves­to­ren, deren Inves­ti­ti­ons­mo­delle und Struk­tu­ren, die grund­sätz­lich auf einem Inves­ti­ti­ons­ho­ri­zont von fünf bis zehn Jahren ausge­legt sind, schafft diese Vorher­seh­bar­keit staat­li­cher Ausga­ben im Vertei­di­gungs­sek­tor ein außer­ge­wöhn­lich stabi­les Investitionsumfeld.

Der Sektor Defense-Tech in Europa hat sich von einer von ethi­schen Beden­ken, regu­la­to­ri­schen Hürden und gerin­gen Kapi­tal­flüs­sen gepräg­ten Nische zu einer stra­te­gi­schen Kern-Anla­ge­klasse für Private Equity entwi­ckelt. Die Konver­genz aus lang­fris­tig gesi­cher­ten staat­li­chen Ausga­ben, einem funda­men­ta­len Para­dig­men­wech­sel in der mili­tä­ri­schen Doktrin und Abschre­ckung sowie einem sich wandeln­den ESG-Narra­tiv schafft ein „Once-in-a-Generation“-Investitionsfenster.

Für Inves­to­ren, die bereit sind, die Komple­xi­tät des Sektors zu meis­tern, bieten sich außer­ge­wöhn­li­che Chan­cen, an der tech­no­lo­gi­schen Moder­ni­sie­rung der euro­päi­schen Sicher­heit und Vertei­di­gung zu parti­zi­pie­ren und signi­fi­kante Wert­schöp­fung zu generieren.

3. Welche Fakto­ren spie­len hier sonst noch eine Rolle?

Eine entschei­dende Rolle spie­len Netz­werke und auch die stra­te­gi­sche Positionierung.

Der Erfolg im Vertei­di­gungs­sek­tor ist weni­ger alleine eine Frage des Kapi­tals als viel­mehr des „intel­li­gen­ten Kapi­tals“. PE-Fonds, die in Defen­seTech inves­tie­ren wollen, müssen aktiv stra­te­gi­sche Netz­werke zu Regie­run­gen, Mili­tärs, Rüstungs­kon­zer­nen und Tech­no­lo­gie-Clus­tern aufbauen und pfle­gen. Die Einstel­lung von ehema­li­gen hoch­ran­gi­gen Mili­tärs, Beam­ten aus Beschaf­fungs­be­hör­den oder Mana­gern von Rüstungs­un­ter­neh­men als Bera­ter, Venture Part­ner oder Aufsichts­rats­mit­glie­der für Port­fo­lio­un­ter­neh­men kann hier einen entschei­den­den Wett­be­werbs­vor­teil schaffen.

 

Quirin Herz ist ein renom­mier­ter Inves­tor mit einem Fokus auf die Sekto­ren Defense und Deep Tech. Bei der HENSOLDT AG etablierte er erfolg­reich das Corpo­rate Venture-Capi­tal-Programm, mit dem Ziel, durch gezielte Inves­ti­tio­nen in Start-ups externe Inno­va­tio­nen syste­ma­tisch zu erschlie­ßen und stra­te­gi­sche Part­ner­schaf­ten für den Konzern zu initiieren.

Seine beruf­li­che Lauf­bahn begann im Invest­ment­ban­king, bei Deut­sche Bank und Merrill Lynch in New. Nach seinem Master-Abschluss an der ESB Busi­ness School war er an der stra­te­gi­schen Neuaus­rich­tung und opera­ti­ven Wert­stei­ge­rung von drei Port­fo­lio-Unter­neh­men der renom­mier­ten  euro­päi­schen Invest­ment­ge­sell­schaft Equis­tone Part­ners Europe betei­ligt. In der Vertei­di­gungs­in­dus­trie kombi­niert er heute seine umfas­sende Exper­tise in den Berei­chen Finan­zen, Stra­te­gie und Tech­no­lo­gie. Er wurde vom Maga­zin „Grün­der­szene“ als eine der zehn prägends­ten Köpfe der deut­schen Defence-Tech Start-up Szene ausge­zeich­net. 

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