ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: M. Maschek Pinova Capital

Wie kann sich die Private Equity-Branche erneuern?

Dazu 3 Fragen an Marko Maschek

PINOVA Capi­tal
Foto: M. Maschek Pinova Capital
3. Juni 2015

Die Private Equity-Indus­­trie scheint auf der Stelle zu treten, es gibt derzeit mehr secon­dary Deals als Exits an Stra­te­gen. Immer dingen­der wird für die Bran­che ist die Notwen­dig­keit, das Private Equity-Geschäfts­­­mo­­dell in seiner aktu­el­len Form zu erneu­ern. So sind drei Vier­tel der euro­päi­schen Umfra­ge­teil­neh­mer einer Roland Berger-Studie (Euro­pean Private Equity Outlook 2015) zum ersten Mal der Meinung, daß ihr Geschäfts­mo­dell nicht mehr zeit­ge­mäß ist. Das Konzept reiner Finanz­be­tei­li­gun­gen funk­tio­niere heute nicht mehr. Um erfolg­reich zu agie­ren, müßten Inves­to­ren ihre Port­fo­lio­un­ter­neh­men aktiv managen.


Dazu 3 Fragen an Part­ner bei PINOVA Capi­tal in München

1. Die Private Equity-Indus­trie scheint auf der Stelle zu treten, es gibt derzeit mehr secon­dary Deals als Exits an Stra­te­gen. Was braucht es Ihrer Meinung nach, damit sich der Sektor inno­va­tiv wandeln und erneu­ern kann?

Derzeit liegt die Deal–Aktivität im Secon­dary Bereich in Deutsch­land bei über 60%. Das sind Trans­ak­tio­nen, bei denen sowohl Käufer als auch Verkäu­fer von Unter­neh­men aus der Betei­li­gungs­ka­pi­tal­in­dus­trie kommen. Ich halte das für eine unge­sunde Entwick­lung, die uns lang­fris­tig scha­den wird. Man kann natür­lich argu­men­tie­ren, dass auch mit diesen Trans­ak­tio­nen Geld verdient wird. Solange das der Fall sei, so die Befür­wor­ter dieses Modells, ist das in Ordnung.

Leider grei­fen diese Argu­mente zu kurz, weil die Zahlen eine andere Spra­che spre­chen. Die Halte­dau­ern stei­gen und die Rendi­ten gehen zurück. Das Problem ist, dass es im Markt zu wenige Trans­ak­tio­nen gibt. Ich bin in diesem Jahr 18 Jahre im Geschäft. Aus meiner Wahr­neh­mung ist der Markt in den letz­ten 2 Deka­den, bis auf die Verzer­rung der „Neuer Markt“-Zeit, nicht gewach­sen, die Anzahl der Teil­neh­mer, mit prall gefüll­ten Taschen aber schon. Die Indus­trie hat sich in dieser Zeit stark insti­tu­tio­na­li­siert, alles geht, selbst im Small Cap Bereich, fast nur noch über Auktio­nen. Das ist nicht gut für uns, weil Trans­pa­renz und Prozesse die Rendi­ten drücken.

Was also können wir tun? Hier gibt es keine einfa­che Antwort. Ich glaube, wir müssen als Indus­trie unser Geschäfts­mo­dell funda­men­tal ändern, wenn wir lang­fris­tig erfolg­reich sein wollen. Wir sehen das bereits im Markt. – Die Tech­no­lo­gie schrei­tet unauf­halt­sam fort, denken wir an die Digi­ta­li­sie­rung, die alles erfasst, vom Medi­en­gi­gan­ten bis zum Small- Cap Maschi­nen­bauer. Wir müssen uns damit ausein­an­der­set­zen und wesent­li­che Tech­no­lo­gie­trei­ber nicht nur verste­hen, sondern Maßnah­men zur Ausnut­zung der sich daraus erge­ben­den Chan­cen in unse­ren Betei­li­gungs­un­ter­neh­men konse­quent umset­zen. Das Glei­che gilt natür­lich auch für die damit verbun­de­nen Risiken.

Dazu brau­chen wir ande­res Perso­nal und andere Netz­werke als die, die wir es bisher gewohnt waren. Wenn man in Chan­cen denkt, war es in den letz­ten zwei Deka­den noch nie so span­nend wie heute. Aller­dings müssen wir den Mut haben, unser Geschäfts­mo­dell grund­le­gend zu über­ar­bei­ten. Wir müssen uns mehr zutrauen und unter­neh­me­ri­scher werden. Wer das schafft, wird auch in den nächs­ten 2 Deka­den ein prospe­rie­ren­des PE-Geschäft betrei­ben und Inves­to­ren über­zeu­gen können.

2. PINOVA Capi­tal bietet verschie­dene Eigen­ka­pi­tal-Lösun­gen für Small­caps. Indus­trie-Sekto­ren stehen bei PINOVA im Fokus? Welche Allein­stel­lungs­merk­male hat PINOVA?

PINOVA bietet flexi­ble Eigen­ka­pi­tal­lö­sun­gen für hoch­in­no­va­tive Small Caps, wobei wir bis zu 15 Millio­nen Eigen­mit­tel einset­zen können. Größere Trans­ak­tio­nen komplet­tie­ren unsere Inves­to­ren. Wir konzen­trie­ren und auf solche Indus­trie­seg­mente angeht, in denen die deut­sche Wirt­schaft welt­weit führend ist: Medi­zin­tech­nik, Umwelt­tech­no­lo­gien, neue Mate­ria­lien, Chemie sowie Auto­mo­tive. Wir haben darüber hinaus Betei­li­gun­gen an Soft­ware und E‑Commerce Unter­neh­men. Hier gibt es Nischen, in denen deut­sche Unter­neh­men TOP sind, auch wenn das Inter­net und Soft­ware von den Ameri­ka­nern domi­niert werden.

Wir sehen in unse­rem Tech­no­lo­gie­fo­kus ein Allein­stel­lungs­merk­mal von PINOVA. Neben gestan­de­nen Kauf­leu­ten beschäf­ti­gen wir Tech­no­lo­gen, Elek­tro­tech­ni­ker, Maschi­nen­bauer und Infor­ma­ti­ker, was in unse­rem Segment eher unüb­lich ist. Unsere jungen Leute kommen oft mit zwei Studi­en­gän­gen, davon eine tech­ni­sche Diszi­plin. Das hilft uns selbst Exper­ten zu werden, um vom Manage­ment  unse­rer Port­fo­lio- Unter­neh­men die nötige Akzep­tanz zu bekommen.

Dieser Ansatz soll auch beim Exit Früchte tragen. Oft lernen wir im Zuge unse­res Port­fo­lio­ma­nage­ment-Ansat­zes stra­te­gi­schen Käufer kennen und können einen Dialog in Gang setzen. Wir hoffen dadurch bessere Rendi­ten gene­rie­ren zu können. Die ersten Indi­ka­tio­nen haben wir aber bereits.

3. Sie wollen der Forschung und ihren Ergeb­nis­sen den Weg in die Wirt­schaft ebnen. Dazu haben Sie u.a. bei der Ameri­can Cham­ber of Commerce (München) ein neues Format ins Leben geru­fen: an soge­nann­ten ‘Kamin­a­ben­den’ stel­len Sie in einem Inter­view vor Publiku

Ich will Tech­no­lo­gie erleb­bar machen. Meine Eltern waren Tech­ni­ker, ich selbst habe Elek­tro­tech­nik und Infor­ma­tik studiert und vor meiner Karriere im VC/PE als Program­mie­rer und Produkt­ent­wick­ler in der Indus­trie gear­bei­tet. Ich versu­che meinen drei Kindern Tech­no­lo­gie nahe­zu­brin­gen, damit sie gute Karrie­re­chan­cen haben.

Bei Amcham wurde ich gebe­ten, ein neues Format einzu­füh­ren, weil es bei unse­ren bishe­ri­gen Veran­stal­tun­gen um grosse Unter­neh­men geht. Mit der neuen Veran­stal­tungs­reihe „Hidden Cham­pi­ons“ arbeite ich mit dem Gast des Abends spon­tan, ohne Skript oder Präsen­ta­ti­ons­ma­te­rial. Die Inter­ak­tion des Publi­kums ist nicht nur gewünscht, sondern ein Eckpfei­ler des Konzepts. Mit unserm Gast tauchen wir ein in die Welt der klei­nen, inno­va­ti­ven klei­nen Tech­no­lo­gie­fir­men, viel­leicht die Global Player der Zukunft, die unse­ren Lebens­stan­dard sichern.

Eine weitere Moti­va­tion für das Projekt war ein Persön­li­ches. Wir verdie­nen mit German Engi­nee­ring und deut­scher Tech­no­lo­gie sehr gutes Geld. Die Ambi­va­lenz und, schlim­mer noch Tech­no­pho­bie, in großen Teilen der Bevöl­ke­rung tun mir in der Seele weh. Ich war fast 2 Jahr­zehnte inter­na­tio­nal unter­wegs. Ich kenne keine führende Wirt­schafts­na­tion mit einem so ausge­präg­ten Tech­no­lo­gie­un­ver­ständ­nis wie Deutsch­land. Wir müssen der Öffent­lich­keit die Vorzüge von neuen Tech­no­lo­gien erklä­ren, dürfen aber die Nega­tiv­sei­ten nicht verschwei­gen. Wenn ich mit dem Format ein klei­nes biss­chen zum Verständ­nis und zur Akzep­tanz von neuen Tech­no­lo­gien beitra­gen kann, hätte sich der Einsatz gelohnt.

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