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FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: U. Hinrichs | BVK

Wie kann man optimale Voraussetzung für mehr Private Equity und Venture Capital in Deutschland schaffen

Dazu 3 Fragen an U. Hinrichs

BVK
Foto: U. Hinrichs | BVK
12. Novem­ber 2013

Nicht nur in Deutsch­land gibt es derzeit einen Grün­der­boom. Grün­­der-Camps werden freu­qi­en­tiert wie nie. Große Unter­neh­men wie z.B. IBM veran­stal­ten Grün­der­tage und wollen in junge Unter­neh­men inves­tie­ren. Junge Unter­neh­mer suchen drin­gend Inves­to­ren. Leider geht die die Summe der VC- und PE-Inves­t­­ments zurück anstatt zu stei­gen. Sowohl im Früh­fi­nan­zie­rungs­sta­dium als auch bei Wachs­tums­fi­nan­zie­run­gen. — Warum gibt zuwe­nig PE- und VC-Fonds in Deutsch­land und was wären die opti­ma­len Voraus­set­zun­gen für ein wachs­tum dieser Industrie?


Dazu 3 Fragen an Geschäfts­füre­rin des Bundes­ver­band Deut­scher Kapi­tal­be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten (BVK) in Berlin

1. Was bräuchte es, damit die Anzahl der PE bzw. VC-Fonds in Deutsch­land steigt?

s braucht exzel­lente Rahmen­be­din­gun­gen für Betei­li­gungs­ka­pi­tal in allen Berei­chen und ein klares poli­ti­sches Bekennt­nis in diese Rich­tung. Wünschens­wert wäre eigent­lich eine eigene gesetz­li­che Rege­lung für die Bran­che, ein Private Equity-Gesetz, das es ja in ande­ren Ländern gibt. Das ist aller­dings derzeit nicht absehbar.

Als BVK sehen wir daher mehrere Maßnah­men als notwen­dig an, wie beispiels­weise steu­er­li­che Anreize, die Inves­to­ren mobi­li­sie­ren, mehr öffent­li­che Inves­ti­tio­nen der KfW und der Förder­ban­ken in Betei­li­gungs­ka­pi­tal. Notwen­dig wäre außer­dem ein Umden­ken in Sachen Umsatz­be­steue­rung der Fonds und in Bezug auf die Steu­er­trans­pa­renz von VC-Fonds. Hier fordern wir eine gesetz­li­che Rege­lung, die keine unge­recht­fer­tigte Bevor­zu­gung schafft, aber Benach­tei­li­gun­gen beseitigt.

2. Wie kann die Regie­rung diese Entwick­lung fördern und vereinfachen?

Es wäre in jedem Fall wünschens­wert, dass die neue Bundes­re­gie­rung davon absieht, Steu­ern zu erhö­hen. Ermu­ti­gend sind die Andeu­tun­gen aus den Verhand­lun­gen, die wir in Bezug auf eine mögli­che steu­er­li­che Förde­rung von jungen KMU, die inten­siv in Forschung und Entwick­lung inves­tie­ren, hören. Damit würde ein rich­ti­ger und wich­ti­ger Impuls für den Inno­va­ti­ons­stand­ort Deutsch­land gesetzt, den auch führende Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler einfor­dern. Wir sehen diese Förde­rung in Ergän­zung zu der gängi­gen projekt­ori­en­tier­ten Förde­rung. Eine weitere steu­er­po­li­ti­sche Facette sehen wir bei der Frage der so genann­ten Verlust­vor­träge bei inno­va­ti­ven Grün­dun­gen, sofern ein VC-Fonds zur Kapi­tal­erhö­hung in das Unter­neh­men einsteigt. Aus unse­rer Sicht ist diese Rege­lung schlicht kontra­pro­duk­tiv. Wir sind als Verband den von der Poli­tik einge­schla­ge­nen Weg der Regu­lie­rung über die AIFM-Richt­li­nie mitge­gan­gen und haben uns dabei aktiv und erfolg­reich im Sinne der Bran­che in die Diskus­sion einge­bracht. Die Poli­tik sollte jetzt ihrer­seits handeln und das notwen­dige Steu­er­an­pas­sungs­ge­setz zu Richt­li­nie sehr zügig auf den Weg brin­gen, damit zu Beginn des kommen­den Jahres eine verläss­li­che Rechts­grund­lage besteht. 

3. Wo sehen Sie nicht nur die größ­ten Poten­ziale, sondern auch effi­zi­en­tes­ten Vorgehensweisen?

Poten­ziale für Betei­li­gungs­ka­pi­tal bzw. Wagnis­ka­pi­tal gibt es mehr als genug. Die Rahmen­be­din­gun­gen können entwe­der brem­sen oder einen Schub geben. Aber gerade in Zeiten nied­ri­ger Zinsen einer­seits und auch einer dyna­mi­schen Wirt­schafts­ent­wick­lung in Deutsch­land, im Vergleich zum rest­li­chen Europa ande­rer­seits, bewe­gen wir uns in einem Umfeld, das inso­fern attrak­tiv ist. Verges­sen wir nicht, dass Betei­li­gungs­ka­pi­tal große Chan­cen gerade auch für den Mittel­stand eröff­net, wenn man daran denkt, dass viele Betriebe aufgrund der demo­gra­phi­schen Entwick­lung in den kommen­den Jahren hände­rin­gend eine Nach­folge in der Unter­neh­mens­füh­rung benö­ti­gen werden.

Es gilt auch, weiter­hin daran zu arbei­ten, die inter­na­tio­nale Durch­schlags­kraft des deutsch­spra­chi­gen Private-Equity-Raums, also in Koope­ra­tion mit Öster­reich und der Schweiz, der so genann­ten DACH-Region, zu verste­ti­gen. Wenn wir an den Export­markt denken, brau­chen wir hier Co-Invest­ments. Was die Vorge­hens­weise anbe­langt, wird der BVK weiter­hin konti­nu­ier­lich zwei exis­ten­zi­elle Elemente für seine Mitglie­der erfül­len: Erstens die stra­te­gi­sche Kommu­ni­ka­tion mit den poli­ti­schen Entschei­dungs­trä­gern auf allen Ebenen und zwei­tens das Werben für Betei­li­gungs­ka­pi­tal und seine Möglich­kei­ten auf dem Wirtschaftsmarkt.

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