Wie der Turnaround 2026 finanzierungsseitig gelingen kann
Aufgrund der Bedrohungen, die mit der Zollpolitik und auch den internationalen Kriegen einhergehen, schwinden bei zahlreichen Unternehmen die finanziellen Reserven. Hinzu kommen die allgemeine Kaufzurückhaltung, Kostensteigerungen und Strukturprobleme. Trotz oder gerade wegen finanzieller Schwierigkeiten und Risiken, müssen sich zahlreiche Unternehmen tiefgreifend verändern, um wettbewerbsfähig zu bleiben und am Markt bestehen zu können. Oftmals müssen sie ihre Geschäftsmodelle grundlegend anpassen, um veränderten Marktbedingungen, neuen Kundenanforderungen und den allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklungen gerecht zu werden.
Da viele Betriebe selbst nicht mehr über die Mittel oder die operative Kraft verfügen, eine Neuausrichtung allein zu realisieren, werden Einstiege von Investoren über Distressed‑M&A‑Prozesse beliebter. Solche Transaktionen stellen oft die letzte realistische Möglichkeit dar, einen wirtschaftlich angeschlagenen Betrieb ganz oder in Teilen zu erhalten – meist unter erheblichem Zeit- und Handlungsdruck. Allerdings wird der Verkauf sanierungsbedürftiger Unternehmen zunehmend schwieriger.
Damit ein Turnaround gelingt – egal, ob außergerichtlich und größtenteils aus eigener Kraft, während der Insolvenz oder im Rahmen eines Distressed‑M&A‑Prozesses – braucht es nicht nur Mut und Durchhaltevermögen, sondern vor allem ausreichend und zuverlässige liquide Mittel. Diese vorzuhalten, ist allerdings in derartigen Umbruchphasen für Unternehmen oft schwer. Schließlich berichten 43 Prozent der befragten Firmen in der Konjunktur-Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer von einer problematischen Finanzlage. Viele haben unter anderem mit Liquiditätsengpässen und Forderungsausfällen zu kämpfen. Selbst wenn Kreditinstitute prinzipiell offen für eine Unterstützung sind, erweist sich der klassische Bankenapparat in Turnaround-Situationen häufig als zu schwerfällig. Ein Unternehmen in der Neuaufstellung braucht schnell verlässliche Zusagen, um Vertrauen im Markt zu erhalten und operative Stabilität zurückzugewinnen. Gerade im Turnaround lohnt sich der Blick auf alternative Finanzierungsformen.
Unternehmen mit substanziellem Anlage- oder Umlaufvermögen – etwa Maschinen, Fahrzeuge, Produktionsanlagen, Immobilien oder Warenbestände – können über Modelle wie Asset Based Credit oder Sale & Lease Back Kapital freisetzen. Statt auf Bonität setzen diese Lösungen auf Vermögenswerte – und greifen daher auch in Krisen.
Sie eignen sich sowohl für Unternehmen in vorsorglicher Restrukturierung als auch für solche, die sich in einem gerichtlichen Sanierungsverfahren befinden. Die gewonnene Liquidität kann unmittelbar für strategisch überlebenswichtige Maßnahmen genutzt werden.
Die kurz- bis mittelfristige Spezialfinanzierung Asset Based Credit eignet sich besonders für produzierende Betriebe, Händler und Dienstleister. Diese können sowohl ihr Umlauf- als auch ihr mobiles Anlagevermögen als Sicherheit einsetzen. Die Finanzierungsvolumina bewegen sich typischerweise im Bereich von 400.000 bis fünf Millionen Euro. Häufig genutzte Vermögensgegenstände sind Maschinen und Produktionsanlagen, Fahrzeuge, Sachwerte, Bestände aus Handels- und Fertigwarenlagern sowie Immobilien. — Das Finanzierungsmodell zählt zur sogenannten Opportunity Finance, da es vielseitig einsetzbar ist – auch in Sondersituationen wie vor, während oder nach einem Turnaround.
Sale & Lease Back (SLB) ist eine Spezialform des Leasings, die als reine Innenfinanzierung auch in Turnaround-Situationen funktioniert. Dabei verkauft ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen fünf und 250 Millionen Euro sein werthaltiges, mobiles Anlagevermögen – etwa aus dem Maschinen‑, Anlagen- oder Fuhrpark – an einen Finanzierungspartner und least es direkt zurück. Der laufende Betrieb muss dabei nicht unterbrochen werden: Die Vermögenswerte bleiben im Unternehmen und können ohne Einschränkung weiter genutzt werden. Durch SLB meist die Eigenkapitalquote verbessert, was positive Effekte auf das Bonitäts-Rating haben kann. In Turnaround-Phasen stärkt das die Verhandlungsposition gegenüber Banken.
Carl-Jan von der Goltz ist Gründer der Maturus Finance GmbH, einer bankenunabhängigen Finanzierungsgesellschaft für neue Wege in der Unternehmensfinanzierung. Der Finanzdienstleister unterstützt mittelständische Produzenten, die ihre Finanzierungsstruktur durch strategische Ergänzungen zur Bankverbindung ausbauen wollen. Finanzierungslösungen werden ab einem Volumen von 400.000 Euro und bis zu 15 Millionen Euro (Zeitwert der Maschinen) angeboten. Dies entspricht in der Regel Umsatzgrößen der Unternehmen von circa 5 Millionen Euro bis 250 Millionen Euro.