Welche Finanzierungen dem Mittelstand jetzt helfen
Bis zum Ende des Jahres 2025 suchen laut KfW-Nachfolgemonitor rund 215.000 mittelständische Unternehmen einen Nachfolger. Bis Ende 2028 streben rund 532.000 der insgesamt 3,84 Millionen Mittelständler eine Nachfolge an. Doch gibt es inzwischen mehr Unternehmer, die eine Stilllegung ernsthaft erwägen oder bereits konkret planen. Der Grund dafür: Es findet sich kein Nachfolger für das eigene Haus. Das wiederum kann daran liegen, dass das bestehende Geschäftsmodell überholt oder wichtige Investitionen in die Zukunft versäumt worden sind. Für Nachfolger ist dann selbst ein sehr niedriger Kaufpreis zu hoch, weil die anstehenden Investitionen eine Übernahme unattraktiv machen. Dabei gibt es interessante Optionen, genau dieses Problem rechtzeitig anzugehen.
Die Möglichkeit einer Mezzanine-Finanzierung wird dabei oft übersehen. Eine Mezzanine-Finanzierung erlaubt es unter anderem, notwendige Investitionen oder den Ausstieg eines Gesellschafters zu finanzieren. Den Geschäftsführern (und Mitgesellschaftern) von Votronic zum Beispiel, einem führenden Hersteller von Elektronik für Reisemobile und Sonderfahrzeuge, ist es dank Mezzanine möglich gewesen, die Anteile des Mitgesellschafters VR Equitypartner zu übernehmen. Nun sind sie Alleineigentümer.
Der relativ lange Finanzierungszeitrahmen von fünf bis sieben Jahren gibt ausreichend Zeit, sodass, z. B., die Auszahlung des Altgesellschafters das Unternehmen nicht überfordert. Je nach Ausgestaltung kann Mezzanine in der Bilanz als Eigen- oder Fremdkapital verbucht werden. — Trotz Eigenkapital-Charakter erhält der Mezzanine-Geber keine typischen
Mitbestimmungsrechte. Zugleich ist Mezzanine gegenüber klassischem Fremdkapital nachrangig. Das heißt, der Mezzanine-Finanzierer geht in ein höheres Risiko. Entsprechend wird dieses Mehrrisiko durch einen höheren Zinssatz abgegolten, der typischerweise (niedrig) zweistellig ist. Von den Mehrkosten für Mezzanine sollten sich Unternehmen nicht abschrecken lassen. Durch den variablen Charakter geht der Mezzanine-Geber mit ins unternehmerische Risiko; sein Ertrag wächst mit der positiven Entwicklung des Unternehmens. Andererseits steigt durch Mezzanine auch der Kapitalpuffer für die Fremdkapitalgeber.
Private Equity kommt häufig zum Einsatz, wenn sich etwa kein familieninterner Nachfolger findet und ganz bewusst eine Beteiligungsgesellschaft mit ihrer Expertise und Finanzierungskraft in den Gesellschafterkreis aufgenommen werden soll.
Mezzanine und Eigenkapital eignen sich beide sehr gut für Investitionen, die eine erfolgreiche Nachfolge erleichtern. Um Perspektiven für die nächste Generation zu eröffnen, brauchen Unternehmen Wachstumschancen auch für die kommenden Jahre. Wer mit Investitionen Antworten auf die bestehenden Schwierigkeiten geben kann, stärkt die eigene Resilienz auch gegenüber heute noch nicht absehbaren Herausforderungen. Etwa Optimierung von Lieferketten und Handelsunsicherheiten, Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung, neue Wachstumschancen heben, Investitionen in Nachhaltigkeit und Energie-Einsparungen.
Seit Jahren erfreuen sich auch „alternative“ Finanzierungsinstrumente wie Leasing und Factoring steigender Nachfrage. Allerdings sind diese stark von der individuellen Unternehmenssituation oder dem Investitionsziel abhängig.
Christian Futterlieb ist Managing Partner und Geschäftsführer bei der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft VR Equitypartner. In dieser Rolle verantwortet er das Dealsourcing und die Beteiligung an Mittelstandsunternehmen sowie den Bereich Marketing. Seine Laufbahn bei VR Equitypartner begann er 2006 als Investmentmanager bei der Vorgängergesellschaft DZ Equity Partner. 2008 wurde er Mitglied der Geschäftsleitung und 2014 Geschäftsführer. Vor seinem Einstieg bei VR Equitypartner betreute er als Projektleiter und Prokurist in der Transaktionsberatung von PricewaterhouseCoopers (PwC) international tätige Mandanten.
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