ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

Wachstum mit Private Equity oder einer Unternehmensanleihe?

Dazu 3 Fragen an U. Kolb

BRIDGEPOINT
Foto: U. Kolb | BRIDGEPOINT
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3. Septem­ber 2013

Private Equity, Unter­neh­mens­an­leihe und Bank­kre­dit — die Unter­neh­men haben die Wahl. Anlei­hen werden gerade bei mittel­stän­di­schen Unter­neh­men derzeit immer belieb­ter. Damit stehen Private Equity-Anbie­­ter und andere Inves­to­ren durch­aus in einem gewis­sen Konkur­renz­ver­hält­nis. Während es sich bei Private Equity meis­tens um Eigen­ka­pi­tal­ge­ber handelt, dreht es sich bei Anlei­hen um die Aufnahme eines Kredites.


Dazu 3 Fragen an Chair­man von BRIDGEPOINT in Frank­furt am Main

1. Man hat den Eindruck, Unter­neh­men ziehen immer öfter eine Firmen­an­leihe statt einem Private Equity-Inves­tor in Erwä­gung. Wie ist Ihre Wahr­neh­mung? Stehen die beiden Finan­zie­rungs­al­ter­na­ti­ven in Konkur­renz zueinander?

Die beiden Finan­zie­rungs­al­ter­na­ti­ven – Firmen­an­leihe und Private Equity — stehen grund­sätz­lich nicht in Konkur­renz zuein­an­der. Die Firmen­an­leihe, die eine Art der Fremd­fi­nan­zie­rung darstellt, steht eher in Konkur­renz zur Bank­fi­nan­zie­rung als tradi­tio­nel­ler Weg für Unter­neh­men. Die Renais­sance der Firmen­an­leihe ist Ausdruck der regu­la­to­ri­schen Maßnah­men für Banken, die sich nach der Finanz­krise sehr restrik­tiv bei der Kredit­ver­gabe aufstel­len (müssen), so dass mittel­stän­di­sche Unter­neh­men alter­na­tive Wege zur Finan­zie­rung suchen. Sofern ein Unter­neh­mer in diesem Zusam­men­hang auch über Wege der Eigen­fi­nan­zie­rung nach­denkt, wird er in der Regel auch eine Betei­li­gung über Private Equity in Erwä­gung ziehen. Voraus­set­zung ist hier jedoch, dass er bereit ist, Anteile am Unter­neh­men abzu­ge­ben; das ist bei der Emis­sion von Anlei­hen nicht der Fall.

2. Welche Firmen wollen sich eher Kapi­tal durch eine Firmen­an­leihe beschaf­fen und welche sind es, die einen Private Equity-Inves­tor vorziehen?

Unter­neh­mer, die den Einstieg eines Private Equity Inves­tors in Erwä­gung ziehen haben meist die grund­sätz­li­che Frage hinsicht­lich Eigen- oder Fremd­fi­nan­zie­rung geklärt und sich für einen Inves­tor ins Eigen­ka­pi­tal entschie­den. Aber nicht jedes Unter­neh­men ist für Private Equity geeignet.

Typi­scher­weise wird Private Equity in folgen­den Situa­tio­nen in Erwä­gung gezo­gen: (a) Finan­zie­rung von star­kem Wachs­tum in einer Bran­che in Verbin­dung mit Auf- oder Ausbau der inter­na­tio­na­len Präsenz, (b) Finan­zie­rung des Aufbaus von Struk­tu­ren beim Errei­chen von Wachs­tums­schwel­len, © Bereit­stel­lung von Kapi­tal nach­dem die klas­si­schen Finan­zie­rungs­in­stru­mente ausge­reizt sind, (d) Finan­zie­rung bei tempo­rä­ren wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten eines Unter­neh­mens, (e) Unter­neh­mens­ver­kauf / Unternehmensnachfolge.

Private Equity Inves­to­ren stel­len Betei­li­gun­gen am Eigen­ka­pi­tal über einen Zeit­raum von in der Regel 5–10 Jahren zur Verfü­gung. Dabei unter­stüt­zen die Private Equity Inves­to­ren über ihre Präsenz in den Gremien mit klarer Gover­nance Struk­tur aktiv die Imple­men­tie­rung der jewei­li­gen Stra­te­gien und betei­li­gen das Manage­ment Team am Unter­neh­men und seinem Erfolg.

3. Sind Firmen­an­leihe ein Trend, der abseh­bar wieder abeb­ben wird? Wenn ja, warum?

Ich sehe Firmen­an­lei­hen als einen nach­hal­ti­gen Trend, insbe­son­dere für mittel­stän­di­sche Unter­neh­men. Firmen­an­lei­hen als Möglich­keit der Fremd­ka­pi­tal­be­schaf­fung stan­den bis vor der Finanz­krise eher Blue Chip Unter­neh­men offen, dies hat sich mit der Finanz­krise geän­dert. Die Anlei­hen eröff­nen dem mittel­stän­di­schen Unter­neh­mer eine alter­na­tive Route der Fremd­ka­pi­tal­be­schaf­fung außer­halb der tradi­tio­nel­len Bank­fi­nan­zie­rung, die histo­risch über 80% betrug. Banken müssen heute mehr Eigen­ka­pi­tal für „riskante“ Kredite zur Verfü­gung stel­len als vor der Finanz­krise und sind daher sehr selek­tiv in der Kredit­ver­gabe gewor­den. Dies hat zu großen Verwer­fun­gen auf der Unter­neh­mens­seite geführt, da der Kapi­tal­be­darf nicht immer gedeckt werden konnte und Unter­neh­men dadurch in Schwie­rig­kei­ten gera­ten sind. Die Emis­sion von Firmen­an­lei­hen eröff­net dem mittel­stän­di­schen Unter­neh­men zudem die Möglich­keit über den Kapi­tal­markt Inves­to­ren für das Unter­neh­men zu inter­es­sie­ren und die notwen­di­gen Mittel einzu­wer­ben. Die Regio­nal­bör­sen in Deutsch­land bieten mitt­ler­weile mit eige­nen Markt­seg­men­ten gute Platt­for­men hierfür.

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