ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe

Very early stage investments — worin bestehen die Chancen?

Dazu 3 Fragen an Dr. Christoph Klink

ANTLER, Europa
Foto: Dr. Chris­toph Klink
13. Februar 2024

Der inter­na­tio­nale VC ANTLER inves­tiert bereits direkt zur Grün­dung in Start-ups, er unter­stützt also Start-ups von Anfang an im Aufbau ihres Geschäfts — oftmals bevor das erste Produkt im Markt ist. Dabei stehen die Grün­de­rin­nen und Grün­der im Mittel­punkt der Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen. Das birgt große Chan­cen aber auch viele Herausforderungen.


Dazu 3 Fragen an Dr. Chris­toph Klink, Part­ner bei ANTLER, Europa

1. Invest­ments in eine Unter­neh­men in der very early stage phase — worin bestehen hier die Chan­cen? Wie arbei­tet ANTLER? Nach welchen Krite­rien gehen Sie vor?

Durch den frühen Einstieg und die breite Diver­si­fi­ka­tion im Port­fo­lio ergibt sich aus Sicht eines Inves­tor das Poten­zial für sehr attrak­tive Wert­stei­ge­run­gen. Wir stei­gen dabei typi­scher­weise vor allen ande­ren Inves­to­ren ein. — Wir inves­tie­ren sehr syste­ma­tisch in junge Unter­neh­men direkt bei der Grün­dung — wir spre­chen vom “Tag Null”. Diese Phase wird sonst von insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren nicht syste­ma­tisch adres­siert. Früh­pha­sen­in­ves­to­ren star­ten typi­scher­weise erst, wenn das erste Produkt im Markt ist und erste Kunden gefun­den wurden.

Bei Antler star­ten wir ganz bewusst die Zusam­men­ar­beit mit span­nen­den Grün­de­rin­nen und Grün­dern bereits bevor sie ihr nächs­tes Unter­neh­men grün­den. Wir erhal­ten mitt­ler­weile pro Jahr mehr als 120.000 Bewer­bun­gen von Grün­dern, die mit uns zusam­men­ar­bei­ten wollen. Dazu gehö­ren sowohl komplette Grün­der­teams, die bereits an ihrem ersten Produkt arbei­ten als auch indi­vi­du­elle Grün­de­rin­nen und Grün­der, die auf der Suche nach komple­men­tä­ren Co-Grün­dern sind — also Part­nern mit ande­rem Hinter­grund, die ihre Stär­ken ergänzen.

Wir arbei­ten mit Grün­dern grund­sätz­lich für einige Monate in einem unse­rer Büros zusam­men — erst dann entschei­den wir über erste Inves­ti­tio­nen. Um in der Grün­dungs­phase möglichst nah mit diesen Grün­de­rin­nen und Grün­dern zusam­men­ar­bei­ten zu können, haben wir mitt­ler­weile 30 Büros rund um den Globus. In Europa allein haben wir im vergan­ge­nen Jahr in 130 neue Unter­neh­men inves­tiert und über 120 Folge-Finan­zie­rungs­run­den im Port­fo­lio begleitet.

Für unsere Port­fo­lio­un­ter­neh­men stehen wir bis in ihre Series C als Finan­zie­rungs­part­ner bereit und können über mehrere Runden insge­samt zwei­stel­lige Millio­nen­be­träge inves­tie­ren an der Seite ande­rer star­ker Inves­to­ren. Um am Tag Null die besten Entschei­dun­gen tref­fen zu können, inves­tie­ren wir zumeist in Teams, die extrem stark sind, große Probleme ange­hen und einen tech­no­lo­gisch inno­va­ti­ven Ansatz wählen.

Zu den größ­ten Sekto­ren in Europa gehört für uns Clima­te­tech, Fintech und Health­tech. Wir suchen aller­dings sehr gezielt nach Grün­de­rin­nen und Grün­dern, die profunde Kennt­nis und starke Hypo­the­sen in einem wich­ti­gen Problem­be­reich haben — oftmals sind wir selbst von den Ideen über­rascht. Zum Port­fo­lio gehö­ren sowohl Hard­ware- als auch Soft­ware-Unter­neh­men, der über­wie­gende Teil des Port­fo­lios besteht aus B2B-Firmen aus verschie­dens­ten Sektoren.

2. Nach welchen Gesichts­punk­ten werden die Grün­der ausge­wählt? Was sollen sie mitbringen?

Drive, Grit und Spike! — Wir suchen nach Teams, die große und typi­scher­weise stark wach­sende Märkte adres­sie­ren und dafür auf Tech­no­lo­gie basie­rende skalie­rende Produkte und Geschäfts­mo­delle entwi­ckeln. Die Kern­frage ist immer, ob die Oppor­tu­ni­tät groß genug ist, um eine oder poten­zi­ell mehrere sehr große Firmen in diesem Bereich aufzubauen.

Drive bezeich­net die Moti­va­tion und im posi­ti­ven Sinne Getrie­ben­heit von Grün­de­rin­nen und Grün­dern. Ein Unter­neh­men von Tag Null an aufzu­bauen ist eine große Aufgabe — insbe­son­dere, wenn es darum geht neue Tech­no­lo­gien zu erschlie­ßen und globale Abneh­mer­märkte zu bedie­nen. Starke Teams denken groß, sie gehen unge­löste Probleme an und sind oftmals dadurch mehr moti­viert als nur durch die pure Begeis­te­rung, ein großes Unter­neh­men aufzu­bauen. Oftmals hegen sie eine tiefe Leiden­schaft für die Lösung des Problems, das sie angehen.

Grit bezeich­net die Fähig­keit in schwie­ri­gen Zeiten die Zähne zusam­men­zu­bei­ßen und weiter­zu­ma­chen. Die Reise eines Grün­der­teams ist immer stei­nig, man ist mit vielen Absa­gen konfron­tiert — bis zur Konver­tie­rung des ersten Kunden oder Inves­tors bedarf es oft dutzen­der Gespräche.

Spike bezeich­net sowohl die indi­vi­du­elle Stärke eines jeden Mitglie­des des Grün­der­teams als auch die gemein­same Stärke — eben besser zu sein als der Wett­be­werb. Die Frage, die wir uns dabei stel­len ist, ob das Grün­der­team zu den besten Teams in diesem Bereich gehö­ren kann. Nur wenn es die Über­zeu­gung gibt, dass sich ein Team gegen den (künf­ti­gen) Wett­be­werb durch­set­zen kann, bestehen hohe Erfolgschancen.

3. Wie sichern Sie die Folge­fi­nan­zie­run­gen? Stel­len Sie fest, dass dies im aktu­el­len Umfeld schwie­ri­ger gewor­den ist?

Wir können zunächst einmal selbst aus zwei Fonds­stra­te­gien bis zu einer Series C, also über die ersten ca. 5 Finan­zie­rungs­run­den, weiter in unser Port­fo­lio inves­tie­ren. Aus unse­rer Erfah­rung ist das sowohl an unsere Inves­to­ren als auch an Grün­der­teams ein sehr star­kes Wert­ver­spre­chen. Zudem arbei­ten wir inten­siv mit den star­ken VC-Inves­to­ren im Ökosys­tem zusam­men. Dabei handelt es sich sowohl um VCs als auch um Busi­ness Angels, Family Offices und in späte­ren Phasen Corpo­rate Investoren.

Da wir die folgen­den Finan­zie­rungs­run­den grund­sätz­lich nicht anfüh­ren, sind wir komple­men­tär zu den Co-Inves­to­ren im Ökosys­tem. Eine enge Part­ner­schaft führt hier dazu, dass mehr attrak­ti­ver Deal­f­low entsteht.

Das Finan­zie­rungs­um­feld in der Früh­phase — etwa Pre-Seed, Seed und teil­weise Series A — ist auch im aktu­el­len Markt­um­feld intakt. Es werden weitere neue Inves­ti­tio­nen in Tech­no­lo­gie einge­gan­gen, insbe­son­dere, da der Exit-Hori­zont für Früh­pha­sen­in­ves­to­ren meist >7 Jahre ist. Dabei agiert der Markt heute aber deut­lich beson­ne­ner als vor 2 Jahren. Due Dili­gence Prozesse werden sauber ausge­führt und es wird stär­ker auf Fakten basie­rend entschie­den. Die Runden­grö­ßen und Bewer­tun­gen sind hier recht stabil und zeigen eine starke Über­zeu­gung, dass inno­va­tive Tech-Unter­neh­men heute nicht weni­ger wich­tig als vor 2 Jahren sind.

In der späte­ren Phase, insbe­son­dere ab der Series‑B zeigen sich die Akteure weiter­hin sehr vorsich­tig. Unser Port­fo­lio befin­det sich insbe­son­dere in Europa aller­dings zum größ­ten Teil noch deut­lich vor dieser Phase, inso­fern sind wir und unser Port­fo­lio hier sehr viel weni­ger getroffen.

 

Über Chris­toph Klink

christoph@antler.co

Chris­toph Klink ist Part­ner bei Antler mit Sitz in Deutsch­land. Antler ist der welt­weit führende Day-Zero-Inves­tor und eine der aktivs­ten Early-Stage-VC-Firmen in Europa. Er ist für die Inves­ti­tio­nen von Antler in ganz Mittel­eu­ropa verant­wort­lich. Seit dem Start der ersten Resi­dency für Grün­der in Berlin im Jahr 2021 hat Antler mehr als 50 Inves­ti­tio­nen in Tech-Start­ups getä­tigt, die mehrere Sekto­ren wie Klima‑, Finanz- und Gesund­heits­tech­no­lo­gie abde­cken. Viele dieser Start-ups gelten inzwi­schen als die viel­ver­spre­chends­ten Start-ups in der DACH-Region, darun­ter NeoCar­bon, clare&me und Tapline.

In den letz­ten zwei Jahren hat Chris­toph in Berlin, Amster­dam und München Resi­den­cies für mehr als 500 Grün­der durch­ge­führt. Antler wurde spezi­ell entwi­ckelt, um die Barrie­ren zum Unter­neh­mer­tum zu besei­ti­gen und eine neue Gene­ra­tion von Tech-Grün­dern zu unter­stüt­zen. Die Grün­der, die an den Resi­den­cies teil­ge­nom­men haben, stam­men aus 53 verschie­de­nen Ländern, und 35 % der Start­ups hatten mindes­tens eine Gründerin.

Chris­toph gilt als einer der führen­den Exper­ten für Early-Stage-Inves­ti­ti­ons­trends in Deutsch­land und war kürz­lich Mitver­fas­ser eines Berichts über die demo­gra­fi­sche Entwick­lung von Einhorn-Grün­dern in der DACH-Region.

Bevor er zu Antler kam, war Chris­toph Part­ner bei McKin­sey. Mehr als zehn Jahre lang hatte er Führungs­po­si­tio­nen in McKin­seys Stra­tegy and Corpo­rate Finance Prac­tice & the Advan­ced Indus­tries sowie in dessen Logi­stics and Infra­struc­ture Sector Prac­ti­ces inne.

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