ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: Dr. Gabor Mues

Trends bei Finanzinvestoren — nicht nur im Fußball

Dazu 3 Fragen an Dr. Gabor Mues

Part­ner bei FMDH Rechts­an­wälte in München
Foto: Dr. Gabor Mues
29. Juli 2026

Private Equity-Inves­­to­­ren agie­ren derzeit sehr selek­tiv. Private Debt-Finan­­zie­run­­gen hinge­gen stehen hoch im Kurs und nehmen weiter zu. Was die Fußball-WM betrifft, sollte man wissen, die Hälfte der einge­tra­ge­nen Vereine (nicht nur) in der Bundes­liga haben mitt­ler­weile externe Inves­to­ren — eine Entwick­lung, die den deut­schen Profi­fuß­ball verän­dert. — Dazu 3 Fragen an Dr. Gabor Mues, Part­ner bei FMDH Rechts­an­wälte in München

1. Welche Trends können Sie sonst bei Private Equity/ Finanz­in­ves­to­ren-Inves­to­ren beobachten?

Grund­sätz­lich zeich­net sich am Markt eine lang­same Erho­lung ab, auch wenn große Exits eher auf sich warten lassen, wobei die Zahl der Secon­dary Trans­ak­tio­nen  (Spon­sor-to-Spon­sor) weiter­hin zunimmt. Schwie­rig­kei­ten bei der Einwer­bung von Fremd­fi­nan­zie­run­gen dürfte dabei eine Rolle spie­len. So liegt der Markt­an­teil der Private-Debt-Fonds bei DACH- Finan­zie­run­gen laut einer Studie von Houli­han Lokey aktu­ell schon bei 61 Prozent und dürfte ggf. noch weiter stei­gen, weil sich Landes­ban­ken und Geschäfts­ban­ken weiter aus dem Markt zurückziehen.

Ein weite­rer Punkt ist die Unsi­cher­heit und die teil­weise stark abwei­chen­den Perspek­ti­ven von Käufer- und Verkäu­fer­seite bei der Bewer­tung von Soft­ware-Port­fo­lios, die sich erst lang­sam wieder annä­hern. Viele von Private-Equity-Fonds erwor­bene Soft­ware-Assets wurden zu Spit­zen­be­wer­tun­gen (2021–2022) mit hohem Fremd­ka­pi­tal­ein­satz getä­tigt. Durch KI wird und wurde die Nach­hal­tig­keit dieser SaaS-Geschäfts­mo­delle erheb­lich in Frage gestellt.

Was die Bran­chen betrifft, lassen sich bereits seit eini­ger Zeit folgende Trends erken­nen: Gesund­heits­we­sen und der TIC-Sektor (Test­ing, Inspec­tion, Certi­fi­ca­tion) gehö­ren weiter zu den bestän­digs­ten, weil wider­stands­fä­higs­ten “Lieb­lings­bran­chen” von Private Equity. — Profes­sio­nal Services (u.a. Wirt­schafts­prü­fung, Steu­er­be­ra­tung und Vermö­gens­ver­wal­tung) bieten neue Betä­ti­gungs­fel­der, auch wenn die Poli­tik und die Berufs­kam­mern regu­la­to­risch (Stich­wort: Fremd­be­sitz­ver­bot)  gegen­hal­ten. Lang­fris­tig dürfte sich diese Blocka­de­hal­tung aufgrund der Nach­fol­ge­pro­ble­ma­tik vor allem bei klei­ne­ren Praxen, die noch dazu aufgrund der Digi­ta­li­sie­rungs­er­for­der­nisse erhöh­ten Kapi­tal­be­darf haben, aber nicht recht­fer­ti­gen lassen.

Neu dazu gekom­men sind „Trend­bran­chen“ wie Cyber­se­cu­rity und Defense- hier wird man noch sehen, wie sich der Markt entwickelt.

2. Wie steht es mit Buy & Build?

Buy &  Build liegt weiter­hin klar im Trend und wird mitt­ler­weile auch von großen Inves­to­ren ins Visier genom­men. So hat zB EQT ‑zusam­men mit Silver Lake und Nestlé- IVC Eviden­sia aufge­baut, den größ­ten euro­päi­schen Roll-Up im Bereich Vete­ri­när­me­di­zin für Haus­tiere – mit über 2.300 Tier­kli­ni­ken in 19 Ländern und mehr als 60 Stand­or­ten in Deutsch­land und teil­weise sehr klein­tei­li­gen Einzel-Akquisitionen.

Multi­ple Arbi­tra­ges allein, d.h. die Erhö­hung des Trans­ak­ti­ons-Multi­ples der gesam­ten Platt­form durch Einzel-Add-Ons- sind nicht mehr der allei­nige Wert­trei­ber. Eine entschei­dende Rolle spielt auch hier die Value Crea­tion durch den Einsatz von KI, sowohl auf Einzel-Port­fo­lio- als auch Holding-Ebene. Diese tritt neben die „klas­si­schen“ Wert­trei­ber  wie Kosten-  und Umsatz­syn­er­gien bzw.  Cross-Selling. Insge­samt sind die Anfor­de­run­gen der Käufer­seite an die Inte­gra­ti­ons­qua­li­tät  erheb­lich gestie­gen und werden dies auch weiter tun.

Auch beim Buy & Build stellt sich die Einwer­bung von Fremd­fi­nan­zie­rung als heraus­for­dernd dar; erst ab einer kriti­schen Umsatz- bzw. Ergeb­nis­größe der Platt­form sind Finan­zie­run­gen für die meis­ten Finan­zie­rer über­haupt denk­bar und auch hier hat Private-Debt auch aufgrund der tiefe­ren Markt­kennt­nis in der Regel die Nase vorn.

3. Wie sehen Sie die Finanz­in­ves­to­ren im Fußball?

Auf euro­päi­scher Ebene sind Private Equity-Inves­to­ren längst zu einem festen Bestand­teil der Fußball­land­schaft gewor­den, so zB in Italien: Neun von 20 Serie-A-Klubs sind in der Hand nord­ame­ri­ka­ni­scher Inves­to­ren. In England domi­nie­ren Inves­to­ren-geführte Klubs längst das Bild – ob Manches­ter, London oder Chel­sea (Über­nahme mit PE-Beteiligung).

Deutsch­land bildet dabei die struk­tu­relle Ausnahme, wobei das zentrale Hinder­nis für Finanz­in­ves­to­ren die 50+1‑Regel des DFB ist: Glie­dert ein Verein seine Profi­ab­tei­lung in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft aus, muss die Mehr­heit der Stimm­rechte beim Mutter­ver­ein und damit bei dessen Mitglie­dern verblei­ben. Ein Inves­tor kann also Kapi­tal­an­teile erwer­ben, aber keine Stimm­rechts­mehr­heit und damit keine opera­tive und stra­te­gi­sche Kontrolle, um den Wert zu stei­gern und nach eini­gen Jahren gewinn­brin­gend zu verkau­fen; die Entschei­dungs­ge­walt über zentrale Fragen der Geschäfts­füh­rung bleibt immer beim Verein und seinen Mitglie­dern.  Einige Ausnah­men, die die Regel bestä­ti­gen: Die Werks­clubs Bayer Lever­ku­sen  und VfL Wolfs­burg  genie­ßen histo­ri­schen Bestands­schutz — trotz der Mehr­heits­kon­trolle durch den jewei­li­gen Konzern; der RB Leip­zig umgeht die Regel faktisch durch eine sehr restrik­tive Vereins­mit­glied­schaft (im Jahr 2024 nur 23 stimm­be­rech­tigte Mitglieder).

Weil ein Direkt­in­vest­ment versagt ist, verla­gert sich das PE-Inter­esse (nicht nur) in Deutsch­land auf Liga-Ebene: So hat die DFL im Jahr 2023 einen Bieter­pro­zess für einen Teil­ver­kauf der inter­na­tio­na­len Medi­en­rechte gestar­tet, an dem sich mehrere inter­na­tio­nale Private-Equity-Firmen (u. a. CVC) bewor­ben haben – ein zunächst geschei­ter­ter Versuch, der aber wohl weiter­ver­folgt wird.

 

Dr. Gabor Mues berät in sämt­li­chen Fragen zu Unter­neh­mens­trans­ak­tio­nen mit dem Fokus auf Private Equity und Finan­zie­rung. Weitere Schwer­punkte seiner Tätig­keit bilden die Bera­tung bei Buy-and-Build-Trans­ak­tio­nen, Restruk­tu­rie­rung von Finan­zie­run­gen im Bereich Distres­sed M&A und der Beglei­tung von Family Offices.

Dr. Gabor Mues ist Grün­dungs­part­ner von FMDH. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Berufs­er­fah­rung, davon acht Jahre als Part­ner in einer führen­den M&A/Corporate-Boutique. Nach dem Studium der Rechts­wis­sen­schaf­ten in München, Berlin (FU), Pots­dam (Dr. jur.) und Oxford (Magis­ter Juris) wurde er 2004 als Rechts­an­walt zuge­las­sen.  — https://fmdh.law

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