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FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

SPACs – Money goes public

Dazu 3 Fragen an Prof. Dr. Rüdiger Loitz

Fakul­tät für Betriebs­wirt­schafts­lehre an der Universität Köln
Foto: Prof. Dr. Rüdi­ger Loitz
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13. Januar 2022

In Zeiten nied­ri­ger Zinsen suchen Inves­to­ren neue Anla­ge­for­men. Seit 2020 sind SPACs (Special Purpose Acqui­si­tion Compa­nies) sehr populär gewor­den. Dabei handelt es sich um Börsengesellschaften, die ledig­lich Geld beinhal­ten und ein viel­ver­spre­chen­des Ziel­un­ter­neh­men suchen, das mit dem die SPAC fusio­niert. Im Jahr 2020 waren rund 250 SPACs mit einem Gesamt­wert von 79 Milli­ar­den US-Dollar an der Börse notiert; im Januar 2021 stieg ihr Wert um 40 Milli­ar­den Dollar. Hunderte von SPACs sind derzeit auf der Suche nach zu übernehmenden Targets.


Dazu 3 Fragen an Prof. Dr. Rüdiger Loitz, Fakul­tät für Betriebs­wirt­schafts­lehre an der Universität Köln

1. Welches sind die Anfor­de­run­gen und Heraus­for­de­run­gen bei einer SPAC-Transaktion?

Von der Entste­hung bis zum Abschluss einer SPAC-Trans­ak­tion durchläuft ein SPAC im Allge­mei­nen drei Phasen, die inner­halb der ersten zwei Jahre abge­schlos­sen sein müssen. Ande­ren­falls wird die SPAC aufgelöst und die Anle­ger erhal­ten ihr Invest­ment zurück.
Zu Beginn der 1. Phase wird für die Bildung der SPAC Kapi­tal bei Inves­to­ren gesucht. Nach dem Börsengang (Phase 2) sucht die SPAC ein Ziel­un­ter­neh­men, häufig Start-ups, aber auch andere Unter­neh­men kommen als Ziele infrage. Die 3. Phase des SPAC tritt ein, wenn sich die Spon­so­ren bzw. ersten Anteils­eig­ner für ein Ziel­un­ter­neh­men entschie­den haben. Damit aus einer SPAC ein neues börsennotiertes Unter­neh­men werden kann, muss die Mehr­heit der Inves­to­ren mit dem ausgewählten Unter­neh­men einver­stan­den sein.
Wird ein Ziel­un­ter­neh­men gefun­den, fusio­nie­ren die SPAC und das Ziel­un­ter­neh­men und sind am Kapi­tal­markt. In einer „vier­ten“ Phase muss das neue Unter­neh­men an der Börse bestehen und dies wird regelmäßig unterschätzt.

Für die Spon­so­ren bzw. Inves­to­ren liegt der Vorteil einer SPAC vor allem darin, dass sie sich zu Beginn nicht mit dem opera­ti­ven Geschäft des Unter­neh­mens ausein­an­der­set­zen müssen und ihre Anteils­scheine (ca. 20 Prozent der ausste­hen­den Anteile, die zum Nomi­nal­wert erwor­ben werden) jeder­zeit gegen das inves­tierte Kapi­tal eintau­schen können. – Für kleine und mitt­lere Unter­neh­men, können SPACs eine größeren Zugang zu Liquiditätsressourcen schaffen.

Zu den Risi­ken gehört, daß den Inves­to­ren das Ziel­un­ter­neh­men bei Bildung der SPAC unbe­kannt ist. Sie inves­tie­ren in eine Hülle und vertrauen darauf, dass ein SPAC Merger statt­fin­det und mit dem späteren Ziel­un­ter­neh­men eine Rendite erwirt­schaf­tet. – Für das Ziel­un­ter­neh­men, das Target, sind die Melde- und Offen­le­gungs­pflich­ten komplex, da sich diese meis­tens stark von den vorhe­ri­gen Vorga­ben ihres Finanz­ab­schlus­ses unter­schei­den. Bera­ter sind hier in Deutsch­land eher rar.

2. Können Sie uns einen Überblick über die Entwick­lung von SPACs im deut­schen Umfeld geben?

Für viele Inves­to­ren waren die Erfah­run­gen mit SPACs in Deutsch­land in den Jahren 2008 bis 2010 weni­ger posi­tiv. Der deut­sche Markt entwi­ckelt sich zöger­lich, nur drei SPACs sind an der Frank­fur­ter Börse gelis­tet. Die erste neue SPAC in Deutsch­land nach vielen Jahren war Lakestar SPAC 1, die Ende Februar 2021 an die Börse ging. Plat­ziert wurden 27,5 Millio­nen „Units“ zum Preis von 10 Euro, das Volu­men lag bei 275 Millio­nen Euro. An der Börse kostet die Lakestar-Aktie aktu­ell 7,50 Euro, nach­dem der Kurs zwischen­zeit­lich bis auf 12,30 Euro gestie­gen war. Unge­wöhn­lich ist das nicht: Die meis­ten SPACs in den USA, wo allein in diesem Jahr 2021 schon knapp 300 solcher Mantel­ge­sell­schaf­ten an die Börse gingen, notie­ren um ihren üblichen Ausga­be­preis von 10 Dollar oder leicht darüber. Aller­dings ist die Kurs­ent­wick­lung nach einem Zusam­men­schluss mit einer Ziel­ge­sell­schaft häufig negativ.

3. Wie schät­zen Sie die künf­tige Entwick­lung hier­zu­lande ein?

Durch die lang­an­hal­tende Poli­tik des billi­gen Geldes der führenden Noten­ban­ken sind erheb­li­che liquide Mittel an den Kapitalmärkten verfügbar. SPACs sind ein Ventil für die Liquidität; sie schaf­fen einen Weg, um über Börsenmäntel, die zunächst nur aus Geld bestehen, in ein akti­ves Geschäft von Unter­neh­men zu inves­tie­ren. Für Start-up-Unter­neh­men gelten SPACs als „Fast Lane“ an die Börse. So sind SPACs auf nahezu jedem Meeting zur IPO-Readi­ness für Unter­neh­men ein Thema. Aus verständlichen Gründen: Denn über SPACs an die Börse zu gehen ist zumin­dest augen­schein­lich für kleine Start-ups deut­lich einfa­cher. Das erfor­der­li­che Kapi­tal muss ande­ren­falls selbst aufwen­dig einge­sam­melt werden. Auf die vielen, genann­ten Details ist sorgfältig zu achten, da ansons­ten die häufig propa­gierte „Einfach­heit“ von SPACs sehr schnell in das Gegen­teil umschla­gen kann.

Damit zielen SPACs auf einen Punkt zwischen dem öffentlichen Kapi­tal­markt­zu­gang und den Private Equity-Häusern ab. Die Regu­lie­rer sind aufge­ru­fen, die extreme Geschwin­dig­keit aufzu­fan­gen, um das Risiko von Crashs einzudämmen.

Über Prof. Rüdi­ger Loitz
Prof. Dr. Rüdiger Loitz lehrt nach Studium und Promo­tion in Köln und Hamburg bis 1996 seit 2009 an der betriebs­wirt­schaft­li­chen Fakultät der Universität zu Köln natio­nale, inter­na­tio­nale Rech­nungs­le­gung und Steu­ern. Er ist als Wirtschaftsprüfer, Steu­er­be­ra­ter und US-CPA Part­ner bei PwC und leitet die Kapi­tal­markt- und Rech­nungs­le­gungs­be­ra­tung. In England und Spanien verbrachte er zwei Second­ments. Zu Anwen­dungs­fra­gen der Finanz­be­richt­erstat­tung, Prozess- und Tech­no­lo­gie­ein­satz in diesem Umfeld veröffentlicht er regelmäßig. Für die Wirtschaftsprüfer- und Steu­er­be­ra­ter­kam­mer betei­ligt er sich an der Prüfung der Berufsanwärter/innen. Er lebt mit seiner Fami­lie in der Nähe von Düsseldorf.

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