Private Investments in Infrastruktur – aktuelle Themen und Trends
Wenn man sich die Prioritäten privater Investoren ansieht, ist ganz klar eine Fokussierung auf Digitalisierungsthemen erkennbar. Vor allem an der Entwicklung von Datencentern gibt es großes Interesse. Deutschland ist aktuell leider nur auf Platz 14 aller EU-Länder im Hinblick auf die Digitalisierung. Dass die Digitalisierung unserer Industrie aber eine der zentralen Weichenstellung für wirtschaftlichen Erfolg ist, wird inzwischen auch kaum mehr in Frage gestellt.
Im Zusammenhang mit dem Ausbau kritischer Infrastruktur ergeben sich eine Reihe von Herausforderungen. Als Anwälte stellen wir immer wieder fest, dass der Zugang zu Strom, also das Thema Netzanschluss, vielerorts ein schwieriges Thema ist. Zum einen sind die Netzanschlusskapazitäten begrenzt, so dass Datencenter mit einer Vielzahl anderer Abnehmer konkurrieren. Eine Priorisierung der Datencenter im Hinblick auf die Zuteilung von Netzanschlüssen wollte die aktuelle Regierung nicht. Zum anderen muss man feststellen, dass Vereinbarungen zur Sicherung von Netzanschlussmöglichkeiten inzwischen in sehr frühen Projektstadien geschlossen werden. Dies hat zur Folge, dass Projekte, deren Realisierung nur eine geringe Erfolgswahrscheinlichkeit aufweist, wertvolle Kapazitäten blockieren.
Das zweite Problem stellt die Energie-Effizienz der Datencenter dar. Hier ist Deutschland im internationalen Vergleich besonders streng und verlangt eine sehr effiziente Energienutzung. In der Praxis lässt sich diese Effizienz oft nur dann erreichen, wenn die in den Datencentern entstehende Abwärme genutzt wird. Dies stellt für die Betreiber eine hohe Hürde dar. Die Kapazitäten von Nah- und Fernwärmenetzen in Deutschland sind begrenzt. Der Aufbau neuer Netzstrukturen ist teuer. Wenn man die Abwärme nicht dazu nutzen möchte, auf dem Datencenter Gelände Ananas zu züchten – was theoretisch möglich wäre – sondern sinnvoller einzusetzen, müssen die Wärmenetze ausgebaut werden. Wegen der langen Investitionszeiträume wäre hier aber primär die öffentliche Hand gefragt, für private Investitionen ist das Thema Fernwärme aktuell eher eine Nische.
Infrastruktur Investitionen sind für immer mehr Private Equity Fonds mit einem langfristigen Investitionshorizont interessant. Gut kalkulierbare, stabile Einnahmen mit verlässlichen Kunden sind attraktiv, daher auch das große Interesse an Datencentern, die in der Regel von Hyperscalern abgenommen werden (= Anbieter von Cloud-Diensten, der eine enorme Rechen‑, Speicher- und Netzwerkressourcen-Infrastruktur betreibt und diese global und in großer Skalierbarkeit bereitstellt. Diese Anbieter besitzen und verwalten riesige Rechenzentren, die es ihnen ermöglichen, Cloud-Computing-Dienste effizient und kostengünstig in großem Maßstab anzubieten).
Ein anderes Thema ist natürlich die Energieversorgung. Bei den erneuerbaren Energien sind private Investoren bereits seit langem aktiv, hier wird – soweit die Standortkapazitäten dies zulassen – auch weiterhin großes Interesse zu verzeichnen sind.
Bei den großen Themen der Netzsanierung, sowohl bei der Schiene als auch bei der Straße, dürfte jedoch primär die öffentliche Hand gefragt sein. Hier sind die Herausforderungen zu groß, die Investitionshorizonte zu lang und die Gegenfinanzierungskonzepte zu schwer greifbar, als dass sich private Investoren dafür interessieren könnten.
Das würde ich bejahen. Wenn man die Dienstleistung der Erstellung von Steuererklärungen als Daseinsvorsorge versteht, ist die Frage, ob und wie sich Private Equity Fonds an Steuerberatungsfirmen beteiligen können, eine sehr spannende Fragestellung. – Wie das so genannte Fremdbesitzverbot umgangen werden kann, ist rechtlich komplex und wird von den Standesvertretungen der Steuerberater aktuell mit unterschiedlichen Ergebnissen diskutiert. Interessanterweise hat sich vor etwa zehn Jahren die gleiche Frage beim Einstieg von Private Equity Investoren im Gesundheitssektor gestellt, wo heute private Equity finanzierte Augenarzt‑, oder Gemeinmedizinketten gut etabliert sind. Der Bereich der Steuerberatungen ist insbesondere in der Fläche für Investitionen durchaus interessant. Denn die Branche klagt über Schwierigkeiten Personal zu finden. Nachfolgeprobleme sind absehbar und die Lösung könnte in der effektiveren Nutzung von KI-gestützten technischen Lösungen liegen – ideal für Buy- and Build Strategien. Daher glaube ich, dass sich der Einstieg professioneller Private Equity Investoren weder aufhalten lässt noch einen Nachteil darstellt. Die Investition in komplexe IT-Lösungen muss nämlich auch finanziert werden. Hier kann und wird Private Equity einen Beitrag leisten.
Michael Sinhart ist Partner im Bereich M&A/Gesellschaftsrecht bei Gowling WLG in Frankfurt. Er leitet die deutsche Praxisgruppe Corporate, Finance & Tax.
Sein Schwerpunkt liegt auf der Beratung von deutschen und internationalen Transaktionen im Bereich Infrastruktur und Private Equity. Darüber hinaus hat Michael langjährige Erfahrung bei internationalen Joint-Venture Projekten, sowohl aus der Entwurfsperspektive als auch in Work-Out-Szenarien. Seine Praxis umfasst daher alle Aspekte von Gesellschafterstreitigkeiten und Umstrukturierungen, sowohl außergerichtlich als auch gerichtlich.