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3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: Michael Sinhart

Private Investments in Infrastruktur – aktuelle Themen und Trends

Dazu 3 Fragen an Michael Sinhart

GOWLING WLG in Frank­furt a. M.
Foto: Michael Sinhart
11. März 2026

Die Bedeu­tung von Infra­­struk­­tur-Inves­­ti­­tio­­nen wächst – nicht nur poli­tisch, sondern auch in den Port­fo­lios insti­tu­tio­nel­ler und PE-Inves­­to­­ren. Die deut­schen Infra­struk­tu­ren sind sanie­rungs­be­dürf­tig, dies schließt Bahn­schie­nen, Stra­ßen, Brücken und Schu­len aber auch Ener­­gie-Netze und Daten-Center ein, die zur kriti­schen Infra­struk­tur zählen. Worauf rich­tet sich das Augen­merk von priva­ten Investoren?


Dazu 3 Fragen an Michael Sinhart, Part­ner bei GOWLING WLG in Frank­furt a. M.

1. Wo liegen bei Infra­struk­tur-Themen aktu­ell die Prio­ri­tä­ten hierzulande?

Wenn man sich die Prio­ri­tä­ten priva­ter Inves­to­ren ansieht, ist ganz klar eine Fokus­sie­rung auf Digi­ta­li­sie­rungs­the­men erkenn­bar. Vor allem an der Entwick­lung von Daten­cen­tern gibt es großes Inter­esse. Deutsch­land ist aktu­ell leider nur auf Platz 14 aller EU-Länder im Hinblick auf die Digi­ta­li­sie­rung. Dass die Digi­ta­li­sie­rung unse­rer Indus­trie aber eine der zentra­len Weichen­stel­lung für wirt­schaft­li­chen Erfolg ist, wird inzwi­schen auch kaum mehr in Frage gestellt.

Im Zusam­men­hang mit dem Ausbau kriti­scher Infra­struk­tur erge­ben sich eine Reihe von Heraus­for­de­run­gen. Als Anwälte stel­len wir immer wieder fest, dass der Zugang zu Strom, also das Thema Netz­an­schluss, vieler­orts ein schwie­ri­ges Thema ist. Zum einen sind die Netz­an­schluss­ka­pa­zi­tä­ten begrenzt, so dass Daten­cen­ter mit einer Viel­zahl ande­rer Abneh­mer konkur­rie­ren. Eine Prio­ri­sie­rung der Daten­cen­ter im Hinblick auf die Zutei­lung von Netz­an­schlüs­sen wollte die aktu­elle Regie­rung nicht. Zum ande­ren muss man fest­stel­len, dass Verein­ba­run­gen zur Siche­rung von Netz­an­schluss­mög­lich­kei­ten inzwi­schen in sehr frühen Projekt­sta­dien geschlos­sen werden. Dies hat zur Folge, dass Projekte, deren Reali­sie­rung nur eine geringe Erfolgs­wahr­schein­lich­keit aufweist, wert­volle Kapa­zi­tä­ten blockieren.

Das zweite Problem stellt die Ener­gie-Effi­zi­enz der Daten­cen­ter dar. Hier ist Deutsch­land im inter­na­tio­na­len Vergleich beson­ders streng und verlangt eine sehr effi­zi­ente Ener­gie­nut­zung. In der Praxis lässt sich diese Effi­zi­enz oft nur dann errei­chen, wenn die in den Daten­cen­tern entste­hende Abwärme genutzt wird. Dies stellt für die Betrei­ber eine hohe Hürde dar. Die Kapa­zi­tä­ten von Nah- und Fern­wär­me­net­zen in Deutsch­land sind begrenzt. Der Aufbau neuer Netz­struk­tu­ren ist teuer. Wenn man die Abwärme nicht dazu nutzen möchte, auf dem Daten­cen­ter Gelände Ananas zu züch­ten – was theo­re­tisch möglich wäre – sondern sinn­vol­ler einzu­set­zen, müssen die Wärme­netze ausge­baut werden. Wegen der langen Inves­ti­ti­ons­zeit­räume wäre hier aber primär die öffent­li­che Hand gefragt, für private Inves­ti­tio­nen ist das Thema Fern­wärme aktu­ell eher eine Nische.

2. Welche Inves­to­ren inves­tie­ren in Infra­struk­tur? Was ist für PEs inter­es­sant, welche Themen blei­ben bei der öffent­li­chen Hand?

Infra­struk­tur Inves­ti­tio­nen sind für immer mehr Private Equity Fonds mit einem lang­fris­ti­gen Inves­ti­ti­ons­ho­ri­zont inter­es­sant. Gut kalku­lier­bare, stabile Einnah­men mit verläss­li­chen Kunden sind attrak­tiv, daher auch das große Inter­esse an Daten­cen­tern, die in der Regel von Hypers­ca­lern abge­nom­men werden (= Anbie­ter von Cloud-Diens­ten, der eine enorme Rechen‑, Spei­cher- und Netz­werk­res­sour­cen-Infra­struk­tur betreibt und diese global und in großer Skalier­bar­keit bereit­stellt. Diese Anbie­ter besit­zen und verwal­ten riesige Rechen­zen­tren, die es ihnen ermög­li­chen, Cloud-Compu­ting-Dienste effi­zi­ent und kosten­güns­tig in großem Maßstab anzu­bie­ten).

Ein ande­res Thema ist natür­lich die Ener­gie­ver­sor­gung. Bei den erneu­er­ba­ren Ener­gien sind private Inves­to­ren bereits seit langem aktiv, hier wird – soweit die Stand­ort­ka­pa­zi­tä­ten dies zulas­sen – auch weiter­hin großes Inter­esse zu verzeich­nen sind.

Bei den großen Themen der Netz­sa­nie­rung, sowohl bei der Schiene als auch bei der Straße, dürfte jedoch primär die öffent­li­che Hand gefragt sein. Hier sind die Heraus­for­de­run­gen zu groß, die Inves­ti­ti­ons­ho­ri­zonte zu lang und die Gegen­fi­nan­zie­rungs­kon­zepte zu schwer greif­bar, als dass sich private Inves­to­ren dafür inter­es­sie­ren könnten.

3. Infra­struk­tu­ren sind Teil der Daseins­vor­sorge. Gehört der Einstieg von PEs in Steu­er­kanz­leien auch dazu?

Das würde ich beja­hen. Wenn man die Dienst­leis­tung der Erstel­lung von Steu­er­erklä­run­gen als Daseins­vor­sorge versteht, ist die Frage, ob und wie sich Private Equity Fonds an Steu­er­be­ra­tungs­fir­men betei­li­gen können, eine sehr span­nende Frage­stel­lung. – Wie das so genannte Fremd­be­sitz­ver­bot umgan­gen werden kann, ist recht­lich komplex und wird von den Stan­des­ver­tre­tun­gen der Steu­er­be­ra­ter aktu­ell mit unter­schied­li­chen Ergeb­nis­sen disku­tiert. Inter­es­san­ter­weise hat sich vor etwa zehn Jahren die glei­che Frage beim Einstieg von Private Equity Inves­to­ren im Gesund­heits­sek­tor gestellt, wo heute private Equity finan­zierte Augenarzt‑, oder Gemein­me­di­zin­ket­ten gut etabliert sind. Der Bereich der Steu­er­be­ra­tun­gen ist insbe­son­dere in der Fläche für Inves­ti­tio­nen durch­aus inter­es­sant. Denn die Bran­che klagt über Schwie­rig­kei­ten Perso­nal zu finden. Nach­fol­ge­pro­bleme sind abseh­bar und die Lösung könnte in der effek­ti­ve­ren Nutzung von KI-gestütz­ten tech­ni­schen Lösun­gen liegen – ideal für Buy- and Build Stra­te­gien. Daher glaube ich, dass sich der Einstieg profes­sio­nel­ler Private Equity Inves­to­ren weder aufhal­ten lässt noch einen Nach­teil darstellt. Die Inves­ti­tion in komplexe IT-Lösun­gen muss nämlich auch finan­ziert werden. Hier kann und wird Private Equity einen Beitrag leisten.

 

Michael Sinhart ist Part­ner im Bereich M&A/Gesellschaftsrecht bei Gowling WLG in Frank­furt. Er leitet die deut­sche Praxis­gruppe Corpo­rate, Finance & Tax. 

Sein Schwer­punkt liegt auf der Bera­tung von deut­schen und inter­na­tio­na­len Trans­ak­tio­nen im Bereich Infra­struk­tur und Private Equity. Darüber hinaus hat Michael lang­jäh­rige Erfah­rung bei inter­na­tio­na­len Joint-Venture Projek­ten, sowohl aus der Entwurfs­per­spek­tive als auch in Work-Out-Szena­rien. Seine Praxis umfasst daher alle Aspekte von Gesell­schaf­ter­strei­tig­kei­ten und Umstruk­tu­rie­run­gen, sowohl außer­ge­richt­lich als auch gerichtlich.

michael.sinhart@gowlingwlg.com

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