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3 Fragen an kluge Köpfe

Mittelstandsanleihen boomen — für wen sind sie geeignet

Dazu 3 Fragen an C. Schütz

BÖRSE STUTTGART
Foto: C. Schütz | BÖRSE STUTTGART
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1. Okto­ber 2013

Ange­sichts knapp werden­der Banken­kre­dite zapfen immer mehr Mittel­ständ­ler den Kapi­tal­markt an. Auch in diesem Herbst rollt eine Welle von Anlei­hen auf den Markt — mit einem Zins­ver­spre­chen von acht Prozent. Das klingt verlo­ckend, birgt aber gewisse Risi­ken. Für wen sind Mittel­stand­an­lei­hen wirk­lich geeignet?


Dazu 3 Fragen an Mana­ging Direc­tor, Head of Primary Market Group Börse Stuttgart

1. Börsen­no­tierte Mittel­stands­an­lei­hen gibt es erst seit drei Jahren. Wie viele wurden bis heute emit­tiert und für welche Unter­neh­men sind sie geeignet?

Die Börse Stutt­gart star­tete das Handels­seg­ment BondM im Mai 2010 mit dem Ziel, klei­ne­ren Unter­neh­men auf dem Wege der Eigen­emis­sion von Anlei­hen einen Zugang zum Kapi­tal­markt und damit zu alter­na­ti­ven Kredit­ge­bern zu ermög­li­chen. Dieser Weg war zuvor nur großen Mittel­ständ­lern und Konzer­nen vorbehalten.

Erst­mals konn­ten neben insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren auch Vermö­gens­ver­wal­ter, Family Offices und erfah­rene Anle­ger über die hier­für geschaf­fene Zeich­nungs­box Anlei­hen zum Emis­si­ons­preis und damit zur Emis­si­ons­ren­dite zeich­nen. Mit dieser Initia­tive war die Börse Stutt­gart Vorrei­ter einer Idee, die von weite­ren deut­schen Börsen inzwi­schen viel­fach aufge­grif­fen wurde. Mitt­ler­weile wurden über 100 Anlei­hen mit einem Gesamt­no­mi­nal von knapp 4 Milli­ar­den Euro emit­tiert und an den Mittel­stands­seg­men­ten der deut­schen Börsen gelistet.

Ein einheit­li­ches Emit­ten­ten­pro­fil gibt es nicht. Dazu ist der deut­sche Mittel­stand viel zu hete­ro­gen. Die Liste der Emit­ten­ten umfasst neben klas­si­schen indus­tri­el­len Mittel­ständ­lern unter­schied­lichs­ter Bran­chen auch Agrar­un­ter­neh­men, Handels­un­ter­neh­men, Marken­ar­tik­ler oder Immobiliengesellschaften.

2. Könnte man sagen, dass Anlei­hen als Finan­zie­rungs­in­stru­ment Private Equity-Lösun­gen abge­löst haben?

Die Mittel­stands­an­leihe stellt eine alter­na­tive Finan­zie­rungs­mög­lich­keit für die lang­fris­tige Fremd­ka­pi­tal­be­schaf­fung dar. Diese wird auch in Zukunft von mittel­stän­di­schen Unter­neh­men genutzt werden. Dabei ist sie kein Ersatz und auch keine Ablö­sung für Eigen­ka­pi­tal. Die Mittel­stands­an­leihe wird sich auch nur dann erfolg­reich weiter­ent­wi­ckeln, wenn es grund­sätz­lich den Regeln folgt, die für andere Fremd­ka­pi­tal­l­ö­sun­gen gelten. Aus der Mittel­stands­an­leihe das neue Mezza­nine zu machen, wäre das Ende einer guten Idee. 

3. Sind Mittel­stands­an­lei­hen für alle Inves­to­ren geeig­net? Wie können sich Anle­ger über die Boni­tät einer Anleihe ins Bild setzen? Warum gibt es (noch) kein Rating für Anleihen?

Mittel­stands­an­lei­hen sind sicher nicht für alle Inves­to­ren geeig­net. Anle­ger soll­ten sehr sorg­fäl­tig prüfen, welches Risiko sie einge­hen wollen. Meist werden Mittel­stands­an­lei­hen auch nur als Depot­bei­mi­schung genutzt. Inzwi­schen gibt es zudem aktiv gema­nagte und risi­ko­di­ver­si­fi­zierte Fonds zu Mittel­stands­an­lei­hen im Markt.

Um sensi­bel mit Risi­ken umzu­ge­hen, sind das Sammeln von Infor­ma­tio­nen und eine gute Markt- und Produkt­kennt­nis unver­zicht­bar. Anle­ger können die ausführ­li­chen Infor­ma­ti­ons­an­ge­bote der Börsen mit Detail­sei­ten zu den Wert­pa­pie­ren nutzen und tun dies auch flei­ßig. Einseh­bar sind auch Rating­zer­ti­fi­kate und Rating­sum­ma­ries, oft aller­dings tatsäch­lich nur für Emit­ten­ten­ra­tings. Die Regel­werke der Börsen schrei­ben Anlei­he­ra­tings derzeit noch nicht verpflich­tend vor, mit Ausnahme besi­cher­ter Anlei­hen. Es wäre begrü­ßens­wert, wenn zukünf­tig mehr Anlei­he­ra­tings gezeigt würden. Emit­ten­ten scheuen aller­dings in der Regel die Zusatzkosten.

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