Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig

11. Juli 2018 - Künstliche Intelligenz (KI) beeinflusst alle Lebensbereiche, auch die bei denen man es am wenigsten erwartet. Japan prognostiziert, dass es keine 20 Jahre dauern wird bis 80 Prozent der Altenpflege von Robotern ausgeführt wird. Roboter sind lernende Maschinen und werden uns bald immer mehr Entscheidungen abnehmen. Wer die Vorreiter sind und wo die Entwicklungen hingehen, erklärt IEG – Investment Banking Group, eine führende globale Investment Banking Boutique, die auf mittelgroße Transaktionen im Internet- und Technologie-Sektor spezialisiert ist.

Dazu 3 Fragen an
Lars Härle

Lars Härle, CFO und Managing Director von IEG-Investment Banking Group, Berlin
lh@ieg-banking.com

11. Juli 2018

1 - Wie sieht der status quo aus bei der Künstlichen Intelligenz? Wer gibt den Ton an?

Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie, die nicht mehr wegzudenken ist und sie begleitet uns auch schon einige Jahre. Die Vision „vermenschlichte Roboter“ mit Hilfe von KI zu entwickeln, entstand schon vor über 60 Jahren.
Gegenwärtig verfügt fast jeder Mensch, der ein Smartphone besitzt, über KI. Als Beispiel wäre hier Siri zu nennen, welches eine sogenannte „narrow AI“ Technologie darstellt. Es handelt sich hierbei um ein System, welches entwickelt wird, um einzelne vorgegebene Aufgaben zu lösen. Darüber hinaus nutzen sehr viele Menschen bereits sogenannte „Chatbots“ wie zum Beispiel Google Home oder Amazon Echo. Hierbei handelt es sich um Sprachassistenten, die Spracherkennung und Sprachausgabe kombinieren. Man kann darüber zum Beispiel ein Hotelzimmer buchen oder aber auch eine Pizza nach Hause bestellen.

Derzeit geben sicherlich die USA noch den Ton an. Unternehmen wie Amazon, Apple , Google, Facebook und Co. verfügen über riesige Datenmengen und Deep Learning Systeme und haben das Spiel um den Endkonsumenten schon für sich entschieden. Jedoch gibt es auch Stimmen, die sagen, dass China mit Unternehmen wie Baidu oder Tencent schon längst die Lücke zu den USA aufgeholt haben. Hier spielen sicherlich Datenschutz, Regulatorik sowie staatliche Förderung die zentrale Rolle.

2 - Können Sie einige Beispiele nennen, wie Künstliche Intelligenz in China in der Praxis aussieht?

China nutzt schon heute sehr umfangreich Künstliche Intelligenz im Alltag. Apps wie „Dianping“ oder „Hema“ zum Beispiel sind in der Lage ein Benutzerprofil der Lebensmittelpräferenz des Users zu erstellen. Wenn es darum geht frisches Essen zu bestellen, matcht die App diese Präferenzen nur mit den Restaurants im Umkreis, die in der Lage sind, das gewüschte Essen auch innerhalb von 30 Minuten liefern zu können.

Gesichtserkennung wird genutzt, um Verkehrsbehinderungen zu beseitigen. In großen Städten wie Shanghai sind Kameras an Ampeln installiert, die in der Lage sind, Gesichter zu erkennen. Läuft ein Passant über Rot, wird sein Gesicht erfasst und sein Ausweis und Foto werden auf einem großen Bildschirm angezeigt. Nutzt dieser Mensch zum Beispiel die Bezahlfunktion „Alipay“ wird dort sein Konto automatisch mit einer Strafzahlung belastet.

Im Bereich Zahlungssicherheit haben Zahlungssysteme wie Alipay, wechat pay oder Huawei pay bereits KI implementiert, um das Zahlungsverhalten des Nutzers zu profilieren und seine Kreditwürdigkeit darzustellen. So kann selbst, wenn eine fremde Person über das richtige Accountpasswort oder den Fingerabdruck verfügt, keine Zahlungen getätigt werden, die einen gewissen Rahmen übersteigen, ohne eine zusätzliche Legitimierung vorzuweisen.

3 - Was kann denn Europa, konkret Deutschland tun, um bei KI aufzuholen?

Wir liegen im europäischen Vergleich was das Thema KI angeht hinter UK und Frankreich. Es gibt also durchaus Potenziale in Deutschland, die allerdings aus meiner Sicht nicht hinreichend genutzt und gefördert werden. Der Grund hierfür ist, dass wir eine „Innovationskultur“ benötigen. Wir haben nach wie vor das Problem, dass zu wenig in Innovation investiert wird und das Zusammenspiel zwischen Forschung, Investoren, Staat und Unternehmen nicht funktioniert.
Uns fehlt es in Deutschland keineswegs an guten Ideen und Ansätzen – wir müssen sie nur zu Ende denken.

 

Über Lars Härle, CFO und Managing Director von IEG-Investment Banking Group
Lars Härle berät als Co-Head des Internet und Technologie Desk der IEG nationale und internationale Kunden. Sein Hauptfokus liegt dabei auf dem Softwarebereich, Elektronik, Mobility & IoT aber vor allem auch auf den Sektor der Künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens. Bevor Lars Härle 2011 als Managing Director zu IEG stieß, war er für Ernst & Young Corporate Finance und Arthur Andersen Corporate Finance tätig.

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