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3 Fragen an kluge Köpfe

Investieren in die gesunde und nachhaltige Ernährung der Welt

Dazu 3 Fragen an Simon Frank

Pictet Asset Manage­ment, Frankfurt/Main
Foto: Simon Frank
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26. Okto­ber 2022

Die Aufgabe, acht Milli­ar­den Menschen welt­weit ausrei­chend und gesund zu ernähren und gleich­zei­tig die Ökologie unse­res Plane­ten, insbe­son­dere die biolo­gi­sche Viel­falt zu erhal­ten, stellt die gesamte Mensch­heit vor enorme Heraus­for­de­run­gen. Für deren Lösung stehen unsere Ernährungssysteme im Mittelpunkt.


Dazu 3 Fragen an Simon Frank, Pictet Asset Manage­ment, Frankfurt/Main

1. Wo liegen die größ­ten Probleme bei unse­ren Ernährungssystemen?

Unsere Ernährungssysteme sind heute sehr komplex, global orga­ni­siert und leider oftmals wenig effi­zi­ent: die Produk­tion von Lebens­mit­teln bean­sprucht schon heute ca. 40 Prozent der nutz­ba­ren Landfläche und 70 Prozent des welt­wei­ten Frisch­was­ser­ver­brauchs. Das stellt einen wesent­li­chen Faktor für den Druck auf die biolo­gi­sche Viel­falt dar und verur­sacht mehr als ein Drit­tel der welt­wei­ten Treib­haus­gas-Emis­sio­nen. Gleich­zei­tig verur­sa­chen inef­fi­zi­ente Produk­ti­ons- und Verar­bei­tungs­ver­fah­ren, lange welt­weite Liefer­ket­ten einen enor­men Grad von Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung: Etwa ein Drit­tel der produ­zier­ten Lebens­mit­tel werden nicht konsu­miert sondern gehen entlang der Wertschöpfungskette verloren.

Dies alles erscheint umso drama­ti­scher, als aktu­ell davon ausge­gan­gen wird, dass die Nach­frage nach Nahrungs­mit­teln bis 2050 aufgrund von demo­gra­fi­schen Entwick­lun­gen, dem Wachs­tum der Weltbevölkerung und Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten um bis zu 60 Prozent stei­gen wird.

Aus sozia­ler und gesund­heit­li­cher Sicht führen unsere aktu­el­len Ernährungssysteme eben­falls zu gravie­ren­den Heraus­for­de­run­gen: Während ca. 2 Mrd. Menschen unter Übergewicht oder sogar Fett­lei­big­keit leiden, haben weitere 2 Mrd. keinen ausrei­chen­den Zugang zu Nahrungs­mit­teln und leiden Hunger. Welt­weit sind heute etwa 20% aller Todesfälle auf schlechte, unge­sunde oder unzu­rei­chende Ernährung zurückzuführen.

2. Wie kann denn eine Lösung ausse­hen? Wie kann Abhilfe geschaf­fen werden?

Es braucht einen nach­hal­ti­gen Wandel in Bezug auf unsere Ernährungssysteme, der zu einer Verbes­se­rung von Qualität und Nach­hal­tig­keit von Lebens­mit­teln beiträgt. Ziel dessen sollte es sein, den ökologischen Fußab­druck und die Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung zu redu­zie­ren und die Qualität und Nach­hal­tig­keit von gesun­den Nahrungs­mit­teln für alle Menschen zu erhöhen. Dementspre­chend gehören auch zahl­rei­che Teil­be­rei­che der heuti­gen Ernährungswertschöpfungskette auf der Basis wissen­schaft­li­cher Erkennt­nisse nicht in unsere Defi­ni­tion der Zukunft der Ernährung: bspw. Agrar-Chemie und synthe­ti­sche Düngemittel, Nutz­tier-Anti­bio­tika, Fast-Food Restau­rants, Rind- fleisch, alko­ho­li­sche und kohlesäurehaltige Getränke oder auch Süßwaren.

Aller­dings werden dafür, wie auch im Bereich der nach­hal­ti­gen Ener­gie­wende, enorme Inves­ti­tio­nen über Jahre und Jahr­zehnte von öffentlicher und priva­ter Seite notwen­dig sein, die auch inter­es­sante Anlagemöglichkeiten aus finan­zi­el­ler und nach­hal­ti­ger Sicht darstel­len könnten.

3. Welche Chan­cen liegen den im Wandel der Ernährungssysteme?

Ein viel­ver­spre­chen­des Zukunfts­seg­ment sind beispiels­weise Agrar­tech­nik-Tech­no­lo­gien, die es ermöglichen, die Ernteerträge mit weni­ger Ressour­cen­auf­wand zu verbes­sern. Man kann etwa die Nutz­tier­hal­tung effi­zi­en­ter gestal­tet werden, indem bessere diagnos­ti­sche und präventive Maßnah­men für die Tier­ge­sund­heit ergrif­fen werden, z.B. Vitamine, Eubio­tika, Enzyme und Impf­stoffe, die die Futter­auf­nahme und den Ertrag verbes­sern und zugleich den Einsatz von human-medi­zi­nisch rele­van­ten Anti­bio­tika reduzieren.

Bei Lösungen für Lebensmittelabfälle bzw. die Kreis­lauf­wirt­schaft geht es um die Reduk­tion von Lebensmittelabfällen, die sich welt­weit aktu­ell auf unglaub­li­che rund 1,3 Milli­ar­den Tonnen pro Jahr belau­fen. Um den Abfall­berg abzu­bauen, bedarf es besse­rer Logis­tik, besse­rer Verteil­netze und besse­rer Lebens­mit­tel­si­cher­heit. All das kann durch Tech­no­lo­gie verbes­sert werden.

Dann ist da noch die Produk­tion von gesun­den Lebens­mit­teln selbst. Ein akutes Problem für Lebens­mit­tel­her­stel­ler ist beispiel­weise, wie sie Lebens­mit­tel nährstoffreicher, bezahl­ba­rer und idea­ler­weise auch nach­hal­ti­ger machen können.

Simon Frank ist seit Dezem­ber 2019 als Senior Invest­ment Advi­sor bei Pictet Asset Manage­ment in Frank­furt tätig. In dieser Funk­tion steht er als Ansprech­part­ner für produkt­spe­zi­fi­sche Frage­stel­lun­gen, aber auch für Asset Allo­ca­tion- und Nach­hal­tig­keits-Themen zur Verfügung. Zuvor war Simon Frank für mehr als 10 Jahre als Port­fo­lio Mana­ger und Fondsse­lek­tor im Bereich Multi Asset / Dach­fonds u.a. bei DWS und Alli­anz Global Inves­tors tätig. Er ist Diplom-Kauf­mann (Universität Bayreuth und Univer­sity of Warwick), sowie CFA- und CAIA-Charterholder.
sfrank@pictet.com

 

 

 

 

 

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