ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

In welchen Sektoren kann sich Impact Investing lohnen?

Dazu 3 Fragen an Dr. Andreas Nilsson

Golding Capi­tal Partners
Foto: Dr. Andreas Nilsson
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27. April 2022

Impact Inves­ting gehört aktu­ell zu den stark gehyp­ten Begrif­fen in der Finanz­in­dus­trie. Worum geht es dabei genau? In welchen Berei­chen kann Impact „erzielt“ werden und lohnen sich Engagements?


Dazu 3 Fragen an Dr. Andreas Nils­son, Mana­ging Direc­tor, Head of Impact Golding Capi­tal Partners

1. Welche Krite­rien sind bei Impact Inves­ting relevant?

Bei Golding geht es bei Impact Inves­ting darum, kommer­zi­elle Lösun­gen zu unter­stüt­zen, die den Weg in eine nach­hal­tige und inte­gra­ti­vere Zukunft beschleu­ni­gen. Dies geschieht durch Inves­ti­tio­nen in Unter­neh­men, die neue trans­for­ma­tive Tech­no­lo­gien und Geschäfts­mo­delle in größe­rem Umfang an den Markt bringen.

Unse­rer Ansicht nach sind vier zentrale Fakto­ren essen­ti­ell für erfolg­rei­che Impact-Inves­ti­tio­nen. Erstens ist eine thema­ti­sche Stra­te­gie erfor­der­lich, die sich auf jene Sekto­ren und Regio­nen konzen­triert, in denen eine hohe Nach­frage nach nach­hal­ti­ge­ren Produk­ten besteht. Zwei­tens bietet sektor­spe­zi­fi­sches Fach­wis­sen Inves­to­ren die Möglich­keit, aus den besten Oppor­tu­ni­tä­ten inner­halb einer bestimm­ten Stra­te­gie zu wählen und diese Unter­neh­men dabei zu unter­stüt­zen, ihr Poten­zial voll auszu­schöp­fen. Ein solcher Sektor-Experte ist oftmals ein bevor­zug­ter Part­ner der Manage­ment-Teams, was den Vorteil haben kann, dass Einstiegs­be­wer­tun­gen nied­ri­ger ausfal­len. Drit­tens wird durch die Inte­gra­tion von Impact in den Inves­ti­ti­ons­pro­zess sicher­ge­stellt, dass jede Inves­ti­tion sowohl aus finan­zi­el­ler als auch aus Impact-Perspek­tive attrak­tiv ist. Vier­tens ist eine detail­lierte Impact-Messung erfor­der­lich, um die tatsäch­li­che Perfor­mance der einzel­nen Inves­ti­tio­nen zu kontrol­lie­ren und ein konti­nu­ier­li­ches Lernen zu ermöglichen.

Außer­dem ist neben diesen eher tech­ni­schen Fähig­kei­ten gewiss hilf­reich, vom Typ her sehr neugie­rig zu sein und den persön­li­chen Wunsch zu hegen, Kapi­tal zum Nutzen der Gesell­schaft einzusetzen.

2. Welche Sekto­ren und Themen sind bei Impact Inves­ting aktu­ell? In Europa? Oder in ande­ren span­nen­den Regio­nen der Welt?

Unsere Anla­ge­stra­te­gie basiert auf der Über­zeu­gung, dass Unter­neh­men, die Lösun­gen für große soziale und ökolo­gi­sche Probleme bieten und die Inter­es­sen aller betei­lig­ten Stake­hol­der berück­sich­ti­gen, auf lange Sicht eine bessere Perfor­mance erzie­len werden. Wir haben drei Sekto­ren mit nach­weis­li­chem Impact und finan­zi­el­lem Ertrags­po­ten­zial iden­ti­fi­ziert, die sich auf trans­for­ma­tive Tech­no­lo­gien und Geschäfts­mo­delle fokus­sie­ren. Dies sind Green Solu­ti­ons, Lebens­mit­tel- und Agrar-Tech­no­lo­gien sowie Finanz­dienst­leis­tun­gen.

Mit Blick auf Green Solu­ti­ons hat die Reise in Rich­tung einer Gesell­schaft ohne fossi­len Brenn­stof­fen bereits begon­nen. Welt­weit erge­ben sich enorme Chan­cen aus der kommer­zi­el­len Anwen­dung von Umwelt­wis­sen­schaf­ten und ‑tech­no­lo­gien, um Ökosys­teme zu erhal­ten und die nega­ti­ven Auswir­kun­gen mensch­li­cher Akti­vi­tä­ten zu verrin­gern. Auf der einen Seite erle­ben die entwi­ckel­ten Märkte einen Wandel ihrer Produk­ti­ons­pro­zesse und ihres Verbrau­cher­ver­hal­tens, der neue Lösun­gen und Tech­no­lo­gien erfor­dert. Es gibt viel­ver­spre­chende Lösun­gen zur Verbes­se­rung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz, die den Über­gang zu einer CO2-armen Wirt­schaft unter­stüt­zen und gleich­zei­tig die Gesund­heit und andere Berei­che verbes­sern, wie z. B. Gebäu­de­op­ti­mie­rung und ‑sanie­run­gen, Netz- und Ener­gie­spei­cher­tech­no­lo­gien, Verkehr und effi­zi­ente Mobi­li­täts­lö­sun­gen. Auf der ande­ren Seite stre­ben die Schwel­len­län­der in Asien, Afrika und Latein­ame­rika nach mehr Wohl­stand für ihre Bevöl­ke­rung und es ist wich­tig, dass sie dieses Wachs­tum unab­hän­gig von Treib­haus­gas­emis­sio­nen und inten­si­vem Ressour­cen-Verbrauch errei­chen. Erfolg­rei­che Unter­neh­men auf diesen Märk­ten müssen ihre Produkte auf die spezi­fi­schen loka­len Bedürf­nisse zuschnei­den und insbe­son­dere dabei berück­sich­ti­gen, dass sie für die Märkte auch erschwing­lich und zugäng­lich sind. Hier besteht ein großes Poten­zial für Inves­ti­tio­nen in Lösun­gen, die den Zugang zu saube­rer Ener­gie erwei­tern, um die sozio­öko­no­mi­schen Ergeb­nisse zu verbes­sern und die Auswir­kun­gen auf das Klima durch tech­no­lo­gi­sche und/oder Geschäfts­mo­del­lin­no­va­tio­nen abzu­mil­dern, z. B. Solar Home Systems, solar­be­trie­bene Geräte und Mini-Stromnetze.

Hinsicht­lich des Lebens­mit­tel- und Agrar­sek­tors ist unlängst bekannt, dass die derzei­tige Abhän­gig­keit von nicht-nach­hal­ti­ger Land­wirt­schaft das Wasser, den Boden, die Luft und die Wälder unse­rer Erde verschlech­tert und erschöpft. Diese Auswir­kun­gen haben nega­tive Folgen für die lang­fris­tige ökolo­gi­sche Nach­hal­tig­keit und unter­gra­ben das sozio­öko­no­mi­sche Wohl­erge­hen. Golding konzen­triert sich auf die kommer­zi­elle Anwen­dung von Agrar­wis­sen­schaft, Tech­no­lo­gie und inno­va­ti­ven Prak­ti­ken, um die Wider­stands­fä­hig­keit und Nach­hal­tig­keit der Land­wirt­schaft zu verbes­sern. Wir erwar­ten erheb­li­che Inves­ti­tio­nen in Unter­neh­men, die sich auf fort­schritt­li­che Betriebs­mit­tel und Prozesse konzen­trie­ren, die die Umwelt scho­nen, beispiels­weise durch verbes­ser­tes Saat­gut, nach­hal­ti­gere Betriebs­mit­tel und inno­va­tive land­wirt­schaft­li­che Verfahren.

Ein mit der Lebens­mit­tel- und Land­wirt­schaft einher­ge­hen­des Problem sind die großen Inef­fi­zi­en­zen und Verluste in den Wert­schöp­fungs­ket­ten der Schwel­len­län­der — sowohl auf der Ebene der Land­wirt­schafts­be­triebe als auch auf Ebene der gesam­ten Liefer­ket­ten. Diese Inef­fi­zi­en­zen und Verluste tragen zur Umwelt­zer­stö­rung, zur Gefähr­dung der Exis­tenz­grund­lage der Land­wirte und zur Ernäh­rungs­un­si­cher­heit bei. Hier können digi­tale Lösun­gen Inef­fi­zi­en­zen verrin­gern, Verschwen­dung mini­mie­ren und dazu beitra­gen, die Einkom­men der Bauern und ihre Wider­stands­fä­hig­keit zu verbes­sern. Beispiele hier­für sind digi­tal gestützte Betriebs­füh­rung und Bera­tung, Lösun­gen für das Liefer­ket­ten­ma­nage­ment und gemein­schaft­lich genutzte land­wirt­schaft­li­che Geräte.

Unser drit­ter sekto­ra­ler Fokus­be­reich sind Finanz­dienst­leis­tun­gen. Der begrenzte Zugang zu Finanz- und Bank­dienst­leis­tun­gen für Privat­per­so­nen und Unter­neh­men in den Schwel­len­län­dern unter­gräbt die Entwick­lung und soziale Nach­hal­tig­keit in diesen Regio­nen. Viele der ärms­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pen der Welt haben keinen oder nur sehr begrenz­ten Zugang zu den Ange­bo­ten von Kredit­in­sti­tu­ten, da sie sich diese entwe­der nicht leis­ten können oder sie ihnen schlicht nicht zugäng­lich sind. Dies wiederum wirkt sich nega­tiv auf die Wider­stands­fä­hig­keit ihrer Einkom­mens­si­tua­tion aus und erschwert ihnen den Zugang zu wich­ti­gen Produk­ten und Dienst­leis­tun­gen. Fintech-Lösun­gen wie digi­tale Zahlun­gen, digi­tale Kredit­ver­ga­be­platt­for­men und digi­tale Versi­che­rungs­an­bie­ter haben den Zugang zu Finanz­dienst­leis­tun­gen für Privat­per­so­nen und kleinste, kleine und mitt­lere Unter­neh­men (KKMU) erheb­lich verbes­sert. Diese digi­ta­len Lösun­gen senken die Trans­ak­ti­ons­kos­ten sowohl für einzelne Verbrau­cher als auch für KKMU und erhö­hen den Zugang zu Finanz­dienst­leis­tun­gen. Der Nutzen geht weit über die direk­ten Auswir­kun­gen für den einzel­nen Verbrau­cher hinaus, da Finanz­dienst­leis­tun­gen als “Meta”-Sektor dienen und einen Kern­be­stand­teil neuer Geschäfts­mo­delle inner­halb von Green Solu­ti­ons und Food & Agri-Tech Solu­ti­ons bilden. So werden beispiels­weise die meis­ten Solar­an­la­gen für Privat­häu­ser in Kombi­na­tion mit einem Finan­zie­rungs­pa­ket verkauft, das über einen bestimm­ten Zeit­raum durch mobile Zahlun­gen amor­ti­siert werden kann.

3. Kann man mit Impact Inves­ting Geld verdienen?

Ja, abso­lut. Das beste Beispiel dafür ist das bestehende Port­fo­lio des Impact Team von Golding. Die Ziel­fonds, in denen wir bisher inves­tiert haben, haben per 31. Dezem­ber 2021 eine jähr­li­che Rendite (IRR) von 29% nach Kosten (in USD) im Durch­schnitt erzielt. — Selbst­ver­ständ­lich sind diese Inves­ti­tio­nen nicht ohne jegli­ches Risiko. Wie bei allen Private Equity Invest­ments ist insbe­son­dere das Exit-Risiko ein Thema, welches vor einem Invest­ment sorg­fäl­tig geprüft werden muss. Hinzu­kom­men die aktu­ell rela­tiv hohen Unter­neh­mens­be­wer­tun­gen in Nord­ame­rika und Europe. Hier sind vor allem ein diszi­pli­nier­ter Invest­ment­pro­zess und tiefe Bran­chen-und Sekto­ren­kennt­nisse drin­gend erforderlich.

Bei Invest­ments in Schwel­len­län­dern sind auch Makro-Fakto­ren rele­vant für die Anla­ge­ent­schei­dung der Inves­to­ren. Wech­sel­kurs-Schwan­kun­gen sind stän­dige Beglei­ter und werden von uns in den Ziel­ren­di­ten berück­sich­tigt. Auch aus diesem Grund fokus­sie­ren wir uns bei unse­rem Ansatz auf die größe­ren Volks­wirt­schaf­ten, die stabile demo­kra­ti­sche poli­ti­sche Systeme etabliert und tiefere Kapi­tal­märkte entwi­ckelt haben. Die beste Lösung für diese Risi­ken bietet eine breite Diver­si­fi­zie­rung, beispiels­weise in Form eines Dachfonds.

 

Über Dr. Andreas Nilsson

Dr. Andreas Nils­son ist als Mana­ging Direc­tor und Head of Impact bei Golding Capi­tal Part­ners verant­wort­lich für Impact Invest­ments. Vor seiner Zeit bei Golding war Dr. Nils­son Mana­ging Part­ner von Sonanz, einem von ihm 2015 gegrün­de­ten Impact Private Equity-Dach­fonds. Davor war er als Private-Equity-Inves­tor bei EQT und UBS tätig. Dr. Nils­son promo­vierte in Finanz­wis­sen­schaft an der Stock­holm School of Economics.

Nilsson@goldingcapital.com

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