ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

Die Wachstumsfinanzierung in Deutschland muß wachsen

Dazu 3 Fragen an W. Seibold

GROWTH INVEST
Foto: W. Seibold | GROWTH INVEST
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15. Okto­ber 2013

Viele junge Firmen haben nach wie vor häufig Schwie­rig­kei­ten, Inves­to­ren für ihre Wachs­tums­pläne zu finden. Nach­dem sich das deut­sche Wirt­schafts­mi­nis­te­rium seit eini­ger Zeit dieses Thema bereits auf die Fahnen geschrie­ben hat, mit dem Ziel, die Wachs­tums­fi­nan­zie­rung junger inno­va­ti­ver Unter­neh­men in Deutsch­land zu verbes­sern und mit dem Euro­pean Invest­ment Fund den “Euro­pean Angel Funds” aufge­legt hat, gibt es dennoch Finan­zie­rungs­lü­cken. Es bleibt die Frage, warum der Markt für Wagnis­ka­pi­tal sich eher verklei­nert antstatt zu wachsen.


Dazu 3 Fragen an Mana­ging Part­ner von GROWTH INVEST Part­ners in München

1. Sie haben nach über 12 Jahren bei Early­bird vor kurzem ein neues Venture Capi­tal-Unter­neh­men im Wachs­tums­ka­pi­tal­um­feld gegrün­det. Auf welche Firmen, Sekto­ren und Finan­zie­rungs­pha­sen werden Sie sich konzen­trie­ren? Wird es einen Fonds geben?

Wie der Name bereits signa­li­siert, wird sich Growth Invest Part­ners auf die Finan­zie­rung von schnell wach­sen­den Unter­neh­men in der aufwän­di­gen Wachs­tums­phase konzen­trie­ren. Konkret zielen wir auf Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men in den Berei­chen IT, Inter­net, Tele­kom­mu­ni­ka­tion und Ener­gie­tech­nik mit rund 10 Millio­nen Euro Umsatz und margen­star­kem Kern­ge­schäft. Diese Firmen unter­stüt­zen wir mit Wachs­tums­ka­pi­tal und stra­te­gi­schem Input bei der Erschlie­ßung neuer Märkte, bei Inter­na­tio­na­li­sie­rung oder bei einer Buy-and-Build-Strategie.

Das Kapi­tal dafür sammeln wir nicht in einem geschlos­se­nen Fonds, sondern stel­len für jedes Invest­ment das opti­male Finan­zie­rungs­syn­di­kat aus dem Kreis unse­rer Inves­to­ren — das sind führende Family Offices und große insti­tu­tio­nelle Inves­to­ren — zusam­men. Für die Unter­neh­men hat dies den Vorteil, dass wir flexi­bel sind hinsicht­lich der opti­ma­len Finan­zie­rungs­struk­tur. Die betei­lig­ten Inves­to­ren können selbst entschei­den, wann und in welchem Umfang sie in bestimmte Themen inves­tie­ren wollen.

2. Wie beur­tei­len Sie die Früh­pha­sen­fi­nan­zie­rung in Deutschland?

Der VC-Markt in Deutsch­land befin­det sich immer noch in der Entwick­lungs­phase. In den letz­ten Jahren hat sich eini­ges getan, vor allem in der frühen Phase. Mit dem High Tech Grün­der­fonds und einer Reihe von regio­na­len Seed­pro­gram­men sowie einer zuneh­men­den Anzahl von Busi­ness Angels, die selbst als Startup-Unter­neh­mer erfolg­reich waren, kam nicht nur neues Kapi­tal sondern auch viel unter­neh­me­ri­sche Erfah­rung in den Early Stage VC-Markt. Das wirkt sich sehr vorteil­haft auf Viel­zahl und Quali­tät der Star­tups aus, mit denen wir es heute zu tun haben. Gleich­zei­tig ging insge­samt das zur Verfü­gung stehende Wagnis­ka­pi­tal vor allem für die anschlie­ßende Wachs­tums­phase deut­lich zurück. Für ein Startup mit ersten Erfol­gen im Heimat­markt ist es seit Einbruch der Finanz­krise noch schwie­ri­ger gewor­den, fünf oder zehn Millio­nen Euro Wachs­tums­fi­nan­zie­rung beispiels­weise für eine inter­na­tio­nale Expan­sion einzu­ho­len. Es gibt kaum mehr deut­sche VC-Fonds, die solche Runden stem­men können.

Die posi­tive Nach­richt ist, dass erste große US-VCs wie Klei­ner Perkins, Union Square oder Accell sich wieder verein­zelt in viel­ver­spre­chen­den Firmen enga­giert haben. Aber noch immer klafft hier eine große Lücke. Zusam­men mit unse­ren Inves­to­ren konzen­trie­ren uns gezielt auf diese kriti­sche Phase in der Unternehmensentwicklung.

3. Welche Lücken sehen Sie noch in der Wachs­tums­fi­nan­zie­rung? Was muß hier­zu­lande verbes­sert werden? Welche Länder machen es besser und wie/warum?

Es ist nach wie vor äußerst schwie­rig, ausrei­chend priva­tes Kapi­tal für die Wachs­tums­phase zu mobi­li­sie­ren. Das liegt einer­seits an den langen Halte­dau­ern, am schwie­ri­gen Exit­um­feld in Europa und sicher­lich nicht zuletzt auch an den vergleichs­weise wenig vorteil­haf­ten Rahmen­be­din­gun­gen für Wagnis­ka­pi­tal in Deutsch­land. Deshalb liegt Deutsch­land insbe­son­dere beim Kapi­tal für die Wachs­tums­phase deut­lich unter dem euro­päi­schen Durch­schnitt (in der Früh­phase liegen wir mitt­ler­weile in etwa im euro­päi­schen Mittel­feld). Länder wie Frank­reich und Groß­bri­tan­nien schaf­fen es deut­lich besser, Kapi­tal in allem Finan­zie­rungs­pha­sen zu mobi­li­sie­ren. Natür­lich setzen wir ins im Rahmen der Verbands­ar­beit beim BVK auch weiter­hin für eine Verbes­se­rung der Rahmen­be­din­gun­gen hier­zu­lande ein — aber das braucht Zeit. Mit unse­rem Deal-by-Deal-Ansatz und unse­rem klaren Fokus können wir schon heute die Halte­dau­ern für unsere Inves­to­ren deut­lich verkür­zen. Und mit unse­rem Advi­sory Board arbei­ten wir aktiv an der Erschlie­ßung der euro­päi­schen Tech-Exitmärkte.

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