ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: Falk Müller-Veerse

Der Wind im PE-Markt ist rauer geworden

Dazu 3 Fragen an Falk Müller-Veerse

STIFEL in München
Foto: Falk Müller-Veerse
9. Septem­ber 2026

Die Inves­ti­tio­nen von Private Equity-(PE)-Investoren in Deutsch­land und Europa sind im ersten Quar­tal 2026 deut­lich zurück­ge­gan­gen. Die Zahl der PE-Tran­s­ak­­tio­­nen in Deutsch­land ist im Vergleich zum Vorjah­res­zeit­raum um 19 Prozent gesun­ken. Der Rück­gang der Trans­ak­ti­ons­zah­len spie­gelt die aktu­elle Zurück­hal­tung der Inves­to­ren wider. Ein schwie­ri­ges makro­öko­no­mi­sches Umfeld, massive geopo­li­ti­sche Unsi­cher­hei­ten sowie gestie­gene Finan­zie­rungs­kos­ten dämp­fen die Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft spür­bar. — Dazu 3 Fragen an Falk Müller-Veerse, Mana­ging Direc­tor bei STIFEL in München.

1. Worauf führen Sie die spür­bare Zurück­hal­tung bei den PE-Play­ern zurück?

Die Zurück­hal­tung der Inves­to­ren ist ja nicht ganz frei­wil­lig, denn sie müssen derzeit einen regel­rech­ten Spagat leis­ten: Die eine Seite ist, dass im Markt ein struk­tu­rel­ler Rück­stau besteht. Die PEs haben Unter­neh­men im Port­fo­lio, die sie eigent­lich längst hätten verkau­fen sollen. Der Markt hat sich aber massiv verän­dert und damit sind auch die Bewer­tun­gen der Port­fo­lio­un­ter­neh­men zurück­ge­gan­gen – zum Teil sehr stark. Die Folge daraus: Die Unter­neh­men lassen sich nicht zum beab­sich­tig­ten Preis verkau­fen und das Kapi­tal, das in sie inves­tiert wurde, ist nach wie vor gebunden.

Damit kommen wir zur zwei­ten Seite, den neuen Betei­li­gun­gen. Diese werden dadurch erheb­lich erschwert. Die Folge ist, dass die PEs deut­lich güns­ti­ger einkau­fen müssen. Sie wollen aber auch nicht mehr jeden Preis bezah­len, weil sie gerade „live und in Farbe“ erle­ben, dass man nicht mehr davon ausge­hen kann, dass jedes Port­fo­lio-Unter­neh­men dann auch eine tolle Perfor­mance hinlegt. Der Druck auf die PE-Inves­to­ren kommt also aus zwei Rich­tun­gen: einer­seits, die bestehen­den Betei­li­gun­gen endlich zu Geld zu machen und ander­seits, neues Kapi­tal sinn­voll und mit Augen­maß zu inves­tie­ren. So erklärt sich das, was wir als Zurück­hal­tung wahr­neh­men. Letzt­end­lich ist es eine Reak­tion darauf, dass der Wind rauer gewor­den ist und vermut­lich auch blei­ben wird.

2. Der Markt wird toug­her sagen Sie, was heißt das im Einzelnen?

Wie heißt es: „When the going gets tough, the tough get going“. Ich kenne die PE-Szene schon lange genug und sowohl im Zuge des Dotcom-Crashs als auch bei der Finanz­krise haben wir stei­gende Halte­dau­ern und starke Abwer­tun­gen gese­hen – teils weit­aus stär­ker als heute. Jetzt gilt es, die Ärmel hoch­zu­krem­peln und bei den Port­fo­lio-Unter­neh­men anzu­pa­cken. Ich habe gerade die Halte­dau­ern ange­spro­chen: statt der übli­chen drei bis vier Jahre spre­chen wir jetzt schon von fünf bis sechs Jahren. Da soll­ten Inves­to­ren die Falle vermei­den, in die Privat­an­le­ger immer wieder tappen: zu lange an nicht profi­ta­blen Invest­ments festzuhalten.

Das Gebot der Stunde lautet daher Value Crea­tion.  Der Begriff ist inso­fern etwas euphe­mis­tisch, als dafür erst einmal die Voraus­set­zun­gen geschaf­fen werden müssen im Sinne von verfüg­ba­rem Kapi­tal. Und das bedeu­tet, sich auch von Betei­li­gun­gen zu tren­nen. Für die eigent­li­che „Value Crea­tion“, also das Schaf­fen höhe­rer Bewer­tun­gen, müssen die Inves­to­ren deut­lich selek­ti­ver vorge­hen, sowohl bei der Auswahl als auch bei der Bewer­tung oder der Evalu­ie­rung.  Hier ist ganz klar darauf zu achten, die Spreu vom Weizen zu tren­nen, gerade bei der Einwer­tung von Risi­ken. Im Soft­ware-Bereich müssen beispiels­weise immer auch KI-bezo­gene Risi­ken in die Bewer­tung einbe­zo­gen werden. Die werden viel­fach vom Käufer ganz anders beur­teilt als vom Verkäu­fer, so dass man sich am Ende nicht eini­gen kann. Solange hier jedoch Zwei­fel bestehen, ist das für den Käufer immer die klügere Entscheidung.

3. In welchen Berei­chen sehen Sie, dass sich der Markt schnell und massiv geän­dert hat?

Der chine­si­sche Markt bricht prak­tisch weg und auch der US-ameri­ka­ni­sche Markt ist durch die ganze erra­ti­sche Zoll­po­li­tik der ameri­ka­ni­schen Regie­rung deut­lich schwie­ri­ger gewor­den. Das betrifft zwar nicht nur die Auto­mo­bil­in­dus­trie, aber die in beson­de­rem Maße. Sie befin­det sich in einer struk­tu­rel­len Krise, die viel nach sich zieht. Denken wir allein an die Viel­zahl von direk­ten oder indi­rek­ten Zulie­fe­rern. Nicht ganz so ausge­prägt gilt das gene­rell für Indus­trie­un­ter­neh­men, die ja auch mit den US-Zöllen zu kämp­fen haben. Dementspre­chend sind viele PE-Inves­to­ren hier sehr zurück­hal­tend. Sie tun sich schwer damit, die mögli­che Wert­schöp­fung halb­wegs verläss­lich einzu­ord­nen und dazu passende Invest­ment- und Exit­stra­te­gien zu entwi­ckeln. Um den US-Markt nicht zu verlie­ren, denken viele Unter­neh­men aus dem Indus­trie­sek­tor darüber nach, in den USA Produk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten auf- oder auszu­bauen. nach­dem die US-Inves­ti­tio­nen aber erst einmal zurück­ge­fah­ren worden sind.

 

Falk Müller Veerse ist Geschäfts­füh­rer in der Global Tech­no­logy Group von Stifel Europe und auf die Berei­che Klima- und Indus­trie­tech­no­lo­gie spezia­li­siert. Er ist in München ansäs­sig und kam zu Stifel, nach­dem das Unter­neh­men im Jahr 2025 Bryan, Garnier & Co. über­nom­men hatte. Falk verfügt über 30 Jahre Erfah­rung im Invest­ment­ban­king und war zuvor CEO von Carta­gena Capi­tal sowie Leiter des konti­nen­tal­eu­ro­päi­schen Geschäfts von Durla­cher, bevor das Unter­neh­men von Lazard über­nom­men wurde. 

falk.mueller-veerse@stifel.com

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