Was hat der Investitionsgipfel der Bundesregierung bei Investoren in Deutschland bewirkt?
Der Investorengipfel war ein wichtiges und richtiges Signal für den Investitionsstandort Deutschland. Die Bundesregierung hat deutlich gemacht, dass privates Kapital willkommen ist. Das begrüßen wir als BVK ausdrücklich. Auch bei den deutschen Private Equity- und Venture-Capital-Investoren ist die Botschaft positiv angekommen. Denn Deutschland hat enormes Potenzial: innovative Start-ups, einen starken Mittelstand und viele Unternehmen, die Kapital für Wachstum und Transformation benötigen. Der Gipfel hat gezeigt, dass Deutschland wieder stärker in den Fokus der Investoren rückt. Aber ein erfolgreicher Gipfel allein macht noch keine erfolgreiche Standortpolitik. Die positive Aufbruchstimmung müssen wir jetzt nutzen und dafür sorgen, dass aus den Ankündigungen auch tatsächliche Investitionen werden.
Wir haben in Deutschland kein Kapitalproblem, sondern vor allem ein Problem mit den Rahmenbedingungen für Investitionen. Wenn wir mehr privates Kapital mobilisieren wollen, müssen wir endlich die strukturellen Hürden beseitigen. Dazu gehört vor allem steuerliche Rechtssicherheit für Beteiligungsfonds, insbesondere eine klare gesetzliche Abgrenzung zwischen vermögensverwaltender und gewerblicher Tätigkeit. Hier sind uns andere europäische Länder längst voraus. Gleichzeitig müssen wir institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Versorgungswerke stärker für Beteiligungskapital öffnen. Initiativen wie der Deutschlandfonds und die WIN-Initiative sind wichtige Schritte, können aber wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen nicht ersetzen. Denn Kapital ist international mobil und Investoren warten nicht darauf, bis Deutschland seine Hausaufgaben gemacht hat. Wer mehr Wachstum und Innovation will, muss endlich die Voraussetzungen dafür schaffen.
Der Investorengipfel hat eine wichtige Debatte angestoßen. Beim 27. Deutschen Eigenkapitaltag wollen wir diese fortsetzen und den Blick darauf richten, wo privates Kapital konkret etwas bewegen kann. Ich freue mich besonders, dass wir dazu mit hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft ins Gespräch kommen. Mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wollen wir über die zentralen Herausforderungen für den Investitionsstandort Deutschland sprechen. Mit Bundesdigitalminister Karsten Wildberger und der hessischen Digitalministerin Kristina Sinemus nehmen wir die Chancen von KI und Digitalisierung in den Blick. Und mit Bundesministerin Karin Prien diskutieren wir darüber, wie wir mehr Frauen für unsere Branche gewinnen und ihren Weg in Führungspositionen, Unternehmertum und die Investitionstätigkeit stärken können.
Darüber hinaus geht es um Europas Wettbewerbsfähigkeit, die Zukunft unseres Mittelstands und die Finanzierung medizinischer Innovationen. Beteiligungskapital spielt bei all diesen Herausforderungen eine entscheidende Rolle. Der Eigenkapitaltag soll deshalb nicht nur ein Ort des Austauschs sein, sondern konkrete Impulse für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts setzen.
Ulrike Hinrichs führt seit 2011 den Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) und ist seit 2024 dessen Vorstandssprecherin. Sie vertritt die Interessen der deutschen Private Equity- und Venture Capital-Branche und setzt sich für bessere Rahmenbedingungen für privates Kapital und Investitionen in Deutschland ein. Zuvor war sie u.a. Sprecherin von Bundesminister Horst Seehofer und im Leitungsstab des Auswärtigen Amtes tätig. Seit 2017 moderiert sie die Talkshow „Schlossplatz Berlin. Hinrichs trifft…“. Hinrichs ist Beirätin der KfW Capital und des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken sowie Aufsichtsrätin der Kommunikationsagentur fischerAppelt.