ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: Christian Futterlieb

Welche Finanzierungen dem Mittelstand jetzt helfen

Dazu 3 Fragen an Christian Futterlieb

VR Equi­typ­art­ner, Frankfurt/Main
Foto: Chris­tian Futterlieb
24. März 2026

Ob Nach­folge, Trans­for­ma­tion oder Expan­sion – nur mit der rich­ti­gen Finan­zie­rung werden die eige­nen Pläne Reali­tät. Welche Instru­mente stehen aktu­ell zur Verfü­gung und passen zu welchem Vorhaben?


Dazu 3 Fragen an Chris­tian Futter­lieb, Geschäfts­füh­rer von VR Equi­typ­art­ner, Frankfurt/Main

1. Welche Finan­zie­run­gen schla­gen Sie denn bei Nach­folge und Gesell­schaf­ter­wech­sel vor? Sie sind wieder aktiv in der Mezzanine-Finanzierung.

Bis zum Ende des Jahres 2025 suchen laut KfW-Nach­fol­ge­mo­ni­tor rund 215.000 mittel­stän­di­sche Unter­neh­men einen Nach­fol­ger. Bis Ende 2028 stre­ben rund 532.000 der insge­samt 3,84 Millio­nen Mittel­ständ­ler eine Nach­folge an. Doch gibt es inzwi­schen mehr Unter­neh­mer, die eine Still­le­gung ernst­haft erwä­gen oder bereits konkret planen. Der Grund dafür: Es findet sich kein Nach­fol­ger für das eigene Haus. Das wiederum kann daran liegen, dass das bestehende Geschäfts­mo­dell über­holt oder wich­tige Inves­ti­tio­nen in die Zukunft versäumt worden sind. Für Nach­fol­ger ist dann selbst ein sehr nied­ri­ger Kauf­preis zu hoch, weil die anste­hen­den Inves­ti­tio­nen eine Über­nahme unat­trak­tiv machen. Dabei gibt es inter­es­sante Optio­nen, genau dieses Problem recht­zei­tig anzugehen.

Die Möglich­keit einer Mezza­nine-Finan­zie­rung wird dabei oft über­se­hen. Eine Mezza­nine-Finan­zie­rung erlaubt es unter ande­rem, notwen­dige Inves­ti­tio­nen oder den Ausstieg eines Gesell­schaf­ters zu finan­zie­ren. Den Geschäfts­füh­rern (und Mitge­sell­schaf­tern) von Votro­nic zum Beispiel, einem führen­den Herstel­ler von Elek­tro­nik für Reise­mo­bile und Sonder­fahr­zeuge, ist es dank Mezza­nine möglich gewe­sen, die Anteile des Mitge­sell­schaf­ters VR Equi­typ­art­ner zu über­neh­men. Nun sind sie Alleineigentümer.

2. Welche Vorteile bietet Mezza­nine in diesem Zusammenhang?

Der rela­tiv lange Finan­zie­rungs­zeit­rah­men von fünf bis sieben Jahren gibt ausrei­chend Zeit, sodass, z. B., die Auszah­lung des Altge­sell­schaf­ters das Unter­neh­men nicht über­for­dert. Je nach Ausge­stal­tung kann Mezza­nine in der Bilanz als Eigen- oder Fremd­ka­pi­tal verbucht werden. — Trotz Eigen­ka­pi­tal-Charak­ter erhält der Mezza­nine-Geber keine typischen

Mitbe­stim­mungs­rechte. Zugleich ist Mezza­nine gegen­über klas­si­schem Fremd­ka­pi­tal nach­ran­gig. Das heißt, der Mezza­nine-Finan­zie­rer geht in ein höhe­res Risiko. Entspre­chend wird dieses Mehr­ri­siko durch einen höhe­ren Zins­satz abge­gol­ten, der typi­scher­weise (nied­rig) zwei­stel­lig ist. Von den Mehr­kos­ten für Mezza­nine soll­ten sich Unter­neh­men nicht abschre­cken lassen. Durch den varia­blen Charak­ter geht der Mezza­nine-Geber mit ins unter­neh­me­ri­sche Risiko; sein Ertrag wächst mit der posi­ti­ven Entwick­lung des Unter­neh­mens. Ande­rer­seits steigt durch Mezza­nine auch der Kapi­tal­puf­fer für die Fremdkapitalgeber.

Private Equity kommt häufig zum Einsatz, wenn sich etwa kein fami­li­en­in­ter­ner Nach­fol­ger findet und ganz bewusst eine Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mit ihrer Exper­tise und Finan­zie­rungs­kraft in den Gesell­schaf­ter­kreis aufge­nom­men werden soll.

3. Was eignet sich für Unter­neh­men, die in die Trans­for­ma­tion inves­tie­ren wollen?

Mezza­nine und Eigen­ka­pi­tal eignen sich beide sehr gut für Inves­ti­tio­nen, die eine erfolg­rei­che Nach­folge erleich­tern. Um Perspek­ti­ven für die nächste Gene­ra­tion zu eröff­nen, brau­chen Unter­neh­men Wachs­tums­chan­cen auch für die kommen­den Jahre. Wer mit Inves­ti­tio­nen Antwor­ten auf die bestehen­den Schwie­rig­kei­ten geben kann, stärkt die eigene Resi­li­enz auch gegen­über heute noch nicht abseh­ba­ren Heraus­for­de­run­gen. Etwa Opti­mie­rung von Liefer­ket­ten und Handels­un­si­cher­hei­ten, Inves­ti­tio­nen in Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung, neue Wachs­tums­chan­cen heben, Inves­ti­tio­nen in Nach­hal­tig­keit und Energie-Einsparungen.

Seit Jahren erfreuen sich auch „alter­na­tive“ Finan­zie­rungs­in­stru­mente wie Leasing und Facto­ring stei­gen­der Nach­frage. Aller­dings sind diese stark von der indi­vi­du­el­len Unter­neh­mens­si­tua­tion oder dem Inves­ti­ti­ons­ziel abhängig.

 

Chris­tian Futter­lieb ist Mana­ging Part­ner und Geschäfts­füh­rer bei der Frank­fur­ter Betei­li­gungs­ge­sell­schaft VR Equi­typ­art­ner. In dieser Rolle verant­wor­tet er das Deal­sour­cing und die Betei­li­gung an Mittel­stands­un­ter­neh­men sowie den Bereich Marke­ting. Seine Lauf­bahn bei VR Equi­typ­art­ner begann er 2006 als Invest­ment­ma­na­ger bei der Vorgän­ger­ge­sell­schaft DZ Equity Part­ner. 2008 wurde er Mitglied der Geschäfts­lei­tung und 2014 Geschäfts­füh­rer. Vor seinem Einstieg bei VR Equi­typ­art­ner betreute er als Projekt­lei­ter und Proku­rist in der Trans­ak­ti­ons­be­ra­tung von Price­wa­ter­hous­e­Coo­pers (PwC) inter­na­tio­nal tätige Mandanten.
mail@vrep.de

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