ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe
Foto: Marko Maschek

Einfluss der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) auf die deutsche Wirtschaft – Kann Privatkapital zur Abschreckung beitragen?

Dazu 3 Fragen an Marko Maschek

Marondo Capi­tal
Foto: Marko Maschek
11. Februar 2026

Es gibt keine Alter­na­tive zu höhe­ren Inves­ti­tio­nen in Dual-Use- und KRITIS (kriti­sche Infra­struk­tur). Andern­falls riskie­ren die west­li­chen Demo­kra­tien, ihre Souve­rä­ni­tät zu verlie­ren. Aus wirt­schaft­li­cher Sicht ist der Inves­ti­ti­ons­be­darf in Dual-Use-Güter und KRITIS enorm, um 40 Jahre Inak­ti­vi­tät auszugleichen.

 

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Dazu 3 Fragen an Marko Maschek, Grün­dungs­part­ner von Marondo Capi­tal und Co-Autor Gene­ral a.D. Chris­tian Badia

1. Wo steht denn die Bundes­wehr heute?

Von Anfang an beruhte die Bundes­wehr auf demo­kra­ti­schen Grund­la­gen. Sie war eine in die Gesell­schaft einge­bet­tete Insti­tu­tion, die dem Gesetz und der parla­men­ta­ri­schen Kontrolle unter­stand. Inner­halb der NATO erwarb sich die Bundes­wehr Respekt als wirk­sa­mer Faktor der Abschre­ckung. — Der Nieder­gang setzte in den 2000er Jahren ein, als der Westen von Freun­den umge­ben zu sein schien und Deutsch­land sich auf Scheck­buch­di­plo­ma­tie verließ. Mili­tä­ri­sche Macht schien unnö­tig, Budgets und Ambi­tio­nen schrumpf­ten. Afgha­ni­stan machte die Kosten deut­lich: Deutsch­land erlitt Verluste und erkannte, wie stark es von ameri­ka­ni­schen Fähig­kei­ten abhän­gig war. Moder­ni­sie­rungs­be­mü­hun­gen kamen nur schlep­pend voran. Die poli­ti­sche Zurück­hal­tung – symbo­li­siert durch den langen Wider­stand gegen bewaff­nete Droh­nen – hinter­lässt bis heute Lücken, die in Konflik­ten, in denen unbe­mannte Systeme das Schlacht­feld prägen, von Bedeu­tung sind.

Die Streit­kräf­te­struk­tur wurde ausge­höhlt. Im Vergleich zu den Höchst­stän­den während des Kalten Krie­ges sanken die Ausrüs­tungs­be­stände um etwa drei Vier­tel, und die Perso­nal­stärke schrumpfte um mehr als die Hälfte.

2. Wie kann die Vertei­di­gungs­be­reit­schaft Deutsch­lands wieder herge­stellt werden? Welche Rolle spielt priva­tes Kapi­tal dabei?

Berlin erklärte einen Wende­punkt nach der Inva­sion der Ukraine. Die Einstel­lung der Gesell­schaft änderte sich und die Bereit­schaft, in Vertei­di­gung zu inves­tie­ren stieg – auch unter den Einschrän­kun­gen der in der Verfas­sung veran­ker­ten Schul­den­bremse. Der Wieder­auf­bau erfor­dert nach­hal­tige Anstren­gun­gen: Wieder­her­stel­lung der Einsatz­be­reit­schaft, Auffül­len der Muni­ti­ons­vor­räte, Verbes­se­rung der Beschaf­fung, Einsatz moder­ner Luft­ab­wehr- und Lang­stre­cken­waf­fen, Inte­gra­tion von Droh­nen und Anti-Droh­nen-Werk­zeu­gen sowie Erneue­rung der zivil-mili­tä­ri­schen Bezie­hun­gen. Ebenso wich­tig ist die Wieder­be­le­bung des Ethos, das die Bundes­wehr einst zu einer glaub­wür­di­gen, bürger­na­hen Abschre­ckungs­kraft machte – verwur­zelt in Lega­li­tät und Verant­wor­tung. Diese Legi­ti­mi­tät kam im Eid der Solda­ten zum Ausdruck, der Bundes­re­pu­blik treu zu dienen und die Rechte und Frei­hei­ten des deut­schen Volkes zu vertei­di­gen. In der Ausbil­dung stan­den immer Zurück­hal­tung, Verfas­sungs­treue und die Inter­ope­ra­bi­li­tät inner­halb des Bünd­nis­ses im Vorder­grund, nicht Ideo­lo­gie oder Hass.

Die Kern­frage ist, ob SVI zu einem neuen Wachs­tums­mo­tor werden und die Verluste der Auto­mo­bil­in­dus­trie ausglei­chen kann. Der deut­sche Auto­mo­bil- und Zulie­fer­sek­tor sichert im Jahr 2025 etwa 3,1 Millio­nen Arbeits­plätze – rund sieben Prozent der Gesamt­be­schäf­ti­gung. Für die SVI fehlen Daten für 2025. Als Anhalts­punkt: Im Jahr 2015 gab es in diesem Sektor etwa 409.000 Voll­zeit­stel­len, und vor der „Zeiten­wende” wuchs er jähr­lich um etwa 3,8 Prozent (Quelle: Wifor, BDSV). In Bezug auf das Umsatz­wachs­tum über­tref­fen SVIs die Auto­mo­bil­in­dus­trie deut­lich (annua­li­sier­tes Umsatz­wachs­tum 2023–2025e). SVIs lagen zwischen 20% und 50%, Rhein­me­tall sogar über 50%, während die Auto­mo­bil­her­stel­ler stagnier­ten oder sogar schrumpf­ten. Die Auswir­kun­gen der „Zeiten­wende” sind offensichtlich.

In Europa besteht jetzt der poli­ti­sche Wille, in Sicher­heit zu inves­tie­ren und die Mitglied­staa­ten haben sich zur 5‑Pro­zent-Marke des BIP verpflich­tet. Dies hat sich auch in den natio­na­len Agen­den nieder­ge­schla­gen: Die Bundes­wehr wird mit erheb­li­cher Kapi­tal­zu­fuhr moder­ni­siert. Resi­li­enz steht wieder auf der Tages­ord­nung und die Infra­struk­tur wird erneu­ert. Vertei­di­gungs­un­ter­neh­men werden in den kommen­den Jahren florie­ren und könn­ten über einen Zeit­raum von etwa zehn Jahren poten­zi­ell die Jobver­luste der Auto­mo­bil­in­dus­trie ausglei­chen. ESG wird die Vertei­di­gung als einen Faktor einbe­zie­hen, der zur Nach­hal­tig­keit beiträgt. 

Priva­tes Kapi­tal wird eine bedeu­tende Rolle bei der Finan­zie­rung von Dual-Use- und KRITIS-Unter­neh­men spie­len. In fünf bis zehn Jahren wird es in Europa reine Vertei­di­gungs­fonds geben, sowohl im Bereich Risi­ko­ka­pi­tal als auch im Private Equity und Private Debt.

3. Inwie­weit kann Private Equity zur Abschre­ckung beitra­gen? Können Sie uns Zahlen nennen?

Aus wirt­schaft­li­cher Sicht ist der Inves­ti­ti­ons­be­darf in Dual-Use-Güter und KRITIS enorm, um 40 Jahre Inak­ti­vi­tät auszu­glei­chen. Betrach­tet man das gesamte Privat­ka­pi­tal, das in Deutsch­land inves­tiert wird mit den Aufwen­dun­gen für das 5‑Pro­zent-Ziel der NATO, besteht noch viel Luft nach oben. Laut BVK (Bran­chen­ver­band) belie­fen sich die kumu­lier­ten Privat­ka­pi­tal Invest­ments (ohne Private Debt) in 2024 auf ca. 11 Mrd. Euro. Ca. 150 Mrd. Euro pro Jahr werden für die Kriegs­tüch­tig­keit benö­tigt. Ein Teil davon kann durch zusätz­li­ches priva­tes Kapi­tal abge­deckt werden. In Deutsch­land gibt es ca. 3,5 Mio. Unter­neh­men, darun­ter im Wesent­li­chen KMU, die Dienst­leis­tun­gen erbrin­gen bzw. Produkte für den zivi­len Bereich herstel­len. Ein Teil davon könnte für Dual-Use- und KRITIS-Anwen­dun­gen einge­setzt werden.

Um ein solches Ökosys­tem zu fördern, ist priva­tes Kapi­tal gut geeig­net, da es eine proak­tive und lang­fris­tige Perspek­tive hat, die über reine Kapi­tal­be­tei­li­gun­gen hinaus­geht. Dual-Use und KRITIS werden ein Mega­trend und Wachs­tums­mo­tor für die euro­päi­schen Volks­wirt­schaf­ten sein.

 

Marko Maschek ist seit 1997 als VC-/PE-Inves­tor in Deutsch­land und den USA tätig und war Mitbe­grün­der von Pinova und Marondo. Er war für 33 Tech­no­lo­gie-Unter­neh­men verant­wort­lich, die einen Wert von mehr als 500 Millio­nen Euro gene­rier­ten, darun­ter vier erfolg­rei­che Börsen­gänge. Er verbin­det Inge­nieurs­kennt­nisse mit unter­neh­me­ri­schem Geschick. Nach seinem Wehr­dienst war er in der Bera­tung und Soft­ware­ent­wick­lung tätig und meldete mehrere Entwick­lun­gen im Bereich Auto­mo­bil­an­wen­dun­gen zum Patent an. Marko hat einen Abschluss in Elek­tro­tech­nik vom KIT, einen Abschluss in Infor­ma­tik von der INSA (Lyon) und einen MBA von der Univer­si­tät Cambridge. Er ist Offi­zier der Cyber­re­serve der Bundeswehr.

 

Gene­ral a.D. Chris­tian Badia ist seit 1984 bei der Bundes­wehr. Zuletzt war er Deputy Supreme Allied Comman­der Trans­for­ma­tion NATO, Norfolk, Virgi­nia – USA (2022 – 2025). Zuvor Abtei­lungs­lei­ter Planung, Bundes­mi­nis­te­rium der Verteidigung, Bonn/Berlin (2018 – 2022), davor Amts­chef Luft­fahrt­amt der Bundes­wehr, Köln (2017 – 2018). Er beklei­dete u.a. Posi­tio­nen für die Zukunfts­ent­wick­lung der Bundes­wehr beim Bundes­mi­nis­te­rium der Vertei­di­gung (Bonn) und war Kommandeur Euro­pean Air Trans­port Command, Eindhoven.

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