ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

Worauf vorausblickende Unternehmer in der Krise achten

Dazu 3 Fragen an Joachim von Brockhausen

CFMB Corpo­rate Finance Mittel­stands­ber­atung
Foto: Joachim von Brock­hausen
21. Dezem­ber 2020

Die Corona-Krise stellt viele Unternehmen ernsthaft auf die Probe, sie betrifft inzwis­chen fast alle Branchen und Wirtschaft­szweige. Worauf müssen Unternehmer achten, damit sie in dieser schwieri­gen Zeit durch die Corona-Pandemie nicht in Exis­ten­znot geraten?

1. Herr von Brock­hausen, Sie haben über dreißig Jahre Erfahrung im M&A‑Geschäft. Haben Sie schon eine vergle­ich­bare Krise erlebt?

Als die Corona-Krise im März 2020 an Fahrt aufgenom­men hat, kamen natür­lich direkt Erin­nerun­gen an die Finanzkrise 2008 zurück. Beides geschah sehr plöt­zlich und hatte einen nach­halti­gen weltwirtschaftlichen Einbruch zur Folge, in dessen Verlauf viele Unternehmen Insol­venz anmelden musste. Die Erfahrun­gen der Finanzkrise haben den deutschen Mittel­stand meiner Mein­ung nach sehr geprägt. Es war die erste Situ­a­tion, in der auch jüngere Unternehmer real­isieren mussten, dass ihr gesamtes Vermö­gen im Unternehmen steckt und dass sie ohne Absicherung oder Diver­si­fika­tion sehr schnell alles verlieren können. Aus diesem Grund bekom­men wir von der Corpo­rate Finance Mittel­stands­ber­atung GmbH (CF-MB) mittler­weile vermehrt Anfra­gen von Eigen­tümern mittel­ständis­cher Unternehmen, die nach Wegen suchen einen Teil ihres Vermö­gens sprich­wörtlich hinter die „Brand­schutz­mauer“ zu brin­gen.

Hier bietet sich natür­lich ein Anteilsverkauf an, um das Risiko auch mehrere Schul­tern zu verteilen. Auch die ältere Unternehmer­gen­er­a­tion hat die Finanzkrise jedoch nicht vergessen. Wir erleben in Gesprächen zur Unternehmen­snach­folge, dass einige Unternehmer im Alter 55+ effek­tiv nicht mehr die Lust und Kraft haben, eine weit­ere Krise abzuwehren und die Über­gabe an die jüngere Gener­a­tion daher bere­its verfrüht einleiten wollen. In jedem dieser Fälle ist es aus Sicht eines M&A‑Beraters entschei­dend, wie es dem Unternehmen vor der Krise ging. Lassen sich die Umsatzein­brüche klar auf die Corona-Krise zurück­führen, können bei einem (Teil)-Verkauf auch höhere Bewer­tun­gen real­isiert werden. Schwierig wird es hinge­gen für Unternehmen, die bere­its in den Vorjahren mit Prob­le­men zu kämpfen hatte. Damit Mittel­ständler in einer solchen Ausgangslage noch einen fairen Preis für das eigene Lebenswerk erhal­ten, wird viel Erfahrung und Verhand­lungs­geschick benötigt. Eine profes­sionelle Unter­stützung durch einen M&A‑Berater ist daher uner­lässlich. Um auf Ihre Frage zurück­zukom­men: Auch wenn sich Paral­le­len zur Finanzkrise ziehen lassen und die Auswirkun­gen von damals eindeutig Spuren hinter­lassen haben, so ist die Corona-Pandemie doch die größte Krise, die ich in meiner dreißigjähri­gen Tätigkeit im Corpo­rate Finance/ M&A erlebt habe.

 

2. Welche Hand­lungs­maß­nah­men empfehlen Sie Unternehmern, die direkt von Liquid­ität­sen­g­pässen betrof­fen sind?

Sobald ein Unternehmen in einen Liquid­ität­sen­g­pass gerät oder dieser abse­hbar ist, sollte ein profes­sionelle Bestand­saus­nahme der IST-Situ­a­tion gemacht werden. Im Rahmen dieser Analyse soll­ten insbeson­dere folgende Fragen beant­wortet werden: Wie lange reicht das Geld (unter Anwen­dung verschiedener Zukun­ftsszenar­ien) noch aus? Wo verlieren wir Geld und sind diese Geschäftsbereiche/ Produk­t­bere­iche betrieb­snotwendig? Gibt es alter­na­tive Ertragsquellen, die kurzfristig erschlossen werden können? Welche Optio­nen der Kapi­talbeschaf­fung stehen zur Verfü­gung? Abhängig von der indi­vidu­ellen Situ­a­tion können dann konkrete Hand­lungsempfehlun­gen aus den jeweili­gen Antworten abgeleitet werden. Momen­tan beobachten wir, dass beson­ders die Frage nach den Kapi­talbeschaf­fung­sop­tio­nen vielen Unternehmern Kopfzer­brechen bere­itet.

Während in früheren Zeiten Liquid­ität­sen­g­pässe zumeist unkom­pliziert durch einen Gang zur Haus­bank abgefed­ert werden konnten, verhal­ten sich Kred­itin­sti­tute mittler­weile zunehmend restrik­tiver bei der Fremd­kap­i­talver­gabe. Auch wenn keine zusät­zlichen Finanzmit­tel bere­it­gestellt werden können, soll­ten Unternehmer dennoch das Gespräch mit ihrem Bankber­ater suchen und prüfen lassen, ob sie für die Beantra­gung von Corona-Hilf­s­mit­teln berechtigt sind. Bei der CF-MB schauen wir mit unseren Mandaten zudem, inwiefern es die Möglichkeit einer Innen­fi­nanzierung (etwa durch Factor­ing oder Asset Based Finance) gibt. Dies sind attrak­tive Optio­nen, um die eigene Liquid­itätssi­t­u­a­tion kurzfristig zu verbessern. Eine weit­ere (und vielle­icht die wichtig­ste) Empfehlung von unserer Seite lautet: Prüfen Sie die Option der (Minderheits)-Beteiligung eines Eigenkap­i­tal­in­vestors an Ihrem Unternehmen. Hierin sehen wir langfristig die beste Möglichkeit einer Rettung des Unternehmens und des privaten Vermö­gens.

3. Das klingt inter­es­sant. Wieso sehen Sie Beteili­gun­gen (Eigenkap­i­tal) als poten­tielle Rettung­sop­tion für Unternehmen und private Vermö­gen?

Bei einer Eigenkap­i­tal­beteili­gung bringt ein externer Investor Kapi­talein­la­gen oder Sachein­la­gen in das Unternehmen ein und wird im Gegen­zug an diesem beteiligt. Es wird folglich deut­lich, dass es sich hier­bei um eine langfristig ange­set­zte Maßnahme handelt. Ein gezielt ausge­suchter Eigenkap­i­tal­in­vestor kann durch sein Know-how, seine Repu­ta­tion, sein eigenes Netzw­erk und seine oper­a­tiven Erfahrungswerte einen Mehrw­ert brin­gen, der weit über die reine Schließung des Liquid­ität­slücke hinaus geht.

Ich hatte es bere­its angedeutet: Zahlre­ichen Unternehmen ging es bere­its vor der Corona-Krise nicht gut. Die Situ­a­tion hat die beste­hen­den Prob­leme nur offen­gelegt und verschlim­mert. Daher kann es nur von Vorteil sein einen zusät­zlichen Part­ner an Bord zu holen, der an den Erfolg des Unternehmens glaubt und hierzu beitra­gen möchte. Jedoch können auch Unternehmen, die vor der Krise erfol­gre­ich waren, von der Aufnahme eines Eigenkap­i­tal­in­vestors prof­i­tieren. Durch den Verkauf von Unternehmen­san­teilen kann der beste­hende Gesellschafterkreis einen Teil seines Vermö­gens umschichten und somit sicher hinter die ange­sproch­ene Brand­schutz­mauer brin­gen.

 

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