ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

Venture Debt – Alternative für Early Stage Unternehmen?

Dazu 3 Fragen an Florian Hirschmann

Reed Smith LLP
Foto: Florian Hirschmann
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29. Novem­ber 2018

Für junge Unter­neh­men ist Venture Debt eine neue Möglichkeit, das Wachs­tum der Gesell­schaft zu finan­zie­ren, ein Darle­hen als eigenständige Finan­zie­rung oder als Baustein in eine Finan­zie­rungs­runde einzu­bauen. Gründer sind gut bera­ten, die aktu­elle Situa­tion und Chan­cen der Gesell­schaft realis­tisch zu bewer­ten, sodass die Venture Debt Finan­zie­rung für alle Parteien ein erfolg­rei­ches Invest­ment wird. 


Dazu 3 Fragen an Florian Hirsch­mann, Rechts­an­walt und Part­ner bei Reed Smith LLP, München

1. Wo ist Venture Debt unter den Finan­zie­run­gen angesiedelt?

Seit eini­ger Zeit steht Start-ups neben der klas­si­schen Eigen­ka­pi­tal­fi­nan­zie­rung und Mezza­nine Instru­men­ten auch eine Fremd­ka­pi­tal­fi­nan­zie­rung, vergleich­bar einem Bank­dar­le­hen, zur Verfügung – Venture Debt. Diese bis dahin nahezu vollständig von herkömmlichen Banken bediente Möglichkeit von Unter­neh­men, neues Kapi­tal aufzu­neh­men, öffnet sich mehr und mehr auch Unter­neh­men, die aufgrund ihres Ratings Schwie­rig­kei­ten haben, klas­si­schen Finanz­in­sti­tu­ten ihre Kreditwürdigkeit zu nachzuweisen.

In den USA ist, anders als in Deutsch­land der Anteil, den Banken an der Mittel­stands­fi­nan­zie­rung tragen viel gleichmäßiger zwischen Banken und ande­ren Darle­hens­ge­bern, insbe­son­dere Debt Funds, verteilt. Debt Funds werben vergleich­bar Private Equity Funds Kapi­tal von Anle­gern ein und reichen dieses an Unter­neh­men als Darle­hen aus, sei es schlicht als Working Capi­tal oder aber auch Wachs­tums­fi­nan­zie­rung zur Finan­zie­rung des Erwerbs ande­rer Unter­neh­men oder einzel­ner Vermögensgegenstände wie Immo­bi­lien oder gewerb­li­che Schutzrechte.

2. Wie defi­nie­ren Sie Venture Debt?

Venture Debt ist abzu­gren­zen von ande­ren Fremd­ka­pi­tal-Instru­men­ten, insbe­son­dere von Private Debt auf der einen Seite und von der Eigen­ka­pi­tal­fi­nan­zie­rung von Start-ups, also klas­si­schem Venture Capi­tal auf der ande­ren Seite. Venture Debt ist das Bereit­stel­len von Fremd­ka­pi­tal an Start-ups, vornehm­lich durch Investmentfunds.

Da junge Unter­neh­men in der Regel keinen Zugang zu einer klas­si­schen Finan­zie­rung durch Banken haben mangels Kredibilität, schlie­ßen Venture Debt Funds durch die Vergabe von Darle­hen als Wachs­tums­fi­nan­zie­rung an junge Unter­neh­men diese Lücke. Venture Debt zeich­net sich durch regelmäßig kurze bis mittel­lange Lauf­zei­ten und eine dem Risiko des Invest­ments ange­mes­sene Verzin­sung aus und ist folg­lich attrak­tiv für Unter­neh­men, die mit einer Eigen­ka­pi­tal­fi­nan­zie­rung der Gründungs- und frühen Wachs­tums­phase entwach­sen sind, aber entwe­der nicht ausrei­chend besi­cher­ba­res Vermögen oder noch keinen posi­ti­ven Cash-Flow haben und damit keinen Zugang zu klas­si­schen Finan­zie­rungs­in­stru­men­ten haben. Venture Debt Funds sind dabei in der Lage, Darle­hen schnell und prag­ma­tisch auszu­rei­chen und flexi­bel zu strukturieren.

3. Warum Venture Debt?

In den Augen der Gründer und Altge­sell­schaf­ter ist Venture Debt ein Weg, die Gesell­schaft mit Kapi­tal zu versor­gen, ohne die bestehende Betei­li­gung zu verwässern. Vorteil­haft ist, dass die Fremd­ka­pi­tal-Finan­zie­rung keine aktu­elle Bewer­tung der Gesell­schaft erfor­dert. Dieser Vorteil rela­ti­viert sich dage­gen, wenn die Debt Finan­zie­rung zusam­men mit einer Eigen­ka­pi­tal­fi­nan­zie­rungs­runde kombi­niert abge­schlos­sen wird. Zuletzt fordern Debt Funds anders als Venture Capi­tal Funds für gewöhnlich keinen Sitz im Beirat der Gesellschaft.

 

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