ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

„Sustainable Finance“ – Megatrend oder nur bürokratischer Aufwand?

Dazu 3 Fragen an Dr. Gerhard Schwartz

ARQIS
Foto: Dr. Gerhard Schwartz
9. Dezem­ber 2020

Die Dringlichkeit, auf den glob­alen Klimawan­del zu reagieren, hat auf europäischer poli­tis­cher Ebene zu einer Forcierung von Maßnah­men geführt, die mit Vehe­menz durch das Geset­zge­bungsver­fahren gebracht werden. Durch den Wech­sel in der Europäischen Kommis­sion und das Ausrufen des „Euro­pean Green Deal“ wird dieses Ziel mit hoher Priorität voran getrieben. – Spätestens ab dem Jahr 2021 müssen sich alle Finanz­mark­t­teil­nehmer und großen Unternehmen mit dem Thema Nach­haltigkeit auseinan­der­set­zen.

1. Was ist denn das Ziel der Gesetze, die auf uns zukom­men?

Zielvor­gabe ist es, das Kapi­tal des Finanzsek­tors in nach­haltiges Wach­s­tum zu lenken und zur Bewältigung des Klimawan­dels zu mobil­isieren. Darüber hinaus soll­ten Nachhaltigkeitserwägungen gerade auch zur Stärkung der Finanzmarktstabilität beitra­gen, etwa durch die Berücksichtigung in Risiko­man­age­ment- und Kapi­ta­lan­lage-Prozessen.

Die drei Ziele lauten: Neuaus­rich­tung der Kapitalflüsse hin zu einer nach­haltigeren Wirtschaft, Einbet­tung der Nach­haltigkeit in das Risiko­man­age­ment, sowie Förderung von Trans­parenz und Langfristigkeit. Einem Master­plan gleich legt darin die EU-Kommis­sion fest, wie über die nächsten Jahre in nahezu alle Bere­iche des Wirtschaftens Nachhaltigkeitserwägungen einbe­zo­gen werden sollen.

2. Welche Verän­derun­gen betr­e­f­fen denn den Finanzsek­tor?

Der gesamte Orien­tierungskom­pass kapi­tal­mark­t­na­her Unternehmen wird sich neu ausrichten müssen. So werden bspw. auch Ratin­ga­gen­turen und Bench­mark-Anbi­eter neue Nachhaltigkeitserwägungen in ihre Analy­sen mit einfließen lassen müssen.
Um die Grund­la­gen eines einheitlichen Handelns zu schaf­fen, wurde zunächst ein gemein­sames Verständnis des Begriffes „nach­haltig“ normiert durch die Taxonomie-Verord­nung (VO (EU) 2020/852), die am 18. Juni 2020 final verab­schiedet worden ist. Sie bein­hal­tet ein einheitliches Klas­si­fika­tion­ssys­tem zur Ermit­tlung, welche Tätigkeiten als ökologisch nach­haltig gelten sollen. Wirtschaftstätigkeiten sind ökologisch nach­haltig, wenn sie zum Beispiel einen wesentlichen Beitrag zur Verwirk­lichung eines Umweltziels leis­ten oder einen Mindestschutz in Bezug auf Arbeits- und Menschen­rechte einhal­ten.

Als Umweltziele gelten die sechs folgen­den Kate­gorien: Klimaschutz, Anpas­sung an den Klimawan­del, nach­haltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeres­res­sourcen, Übergang zu einer Kreis­laufwirtschaft, Vermei­dung und Vermin­derung von Umweltver­schmutzung, sowie der Schutz und Wieder­her­stel­lung der Biodiversität und der Ökosysteme.

3. Und wie sollen die entsprechende Daten erhoben werden? Sie liegen ja vermut­lich nur sehr unvoll­ständig vor.

Das ist bislang noch offen. Zumal auch im Hinblick auf wissenschaftliche Erken­nt­nisse sicher nicht in jedem Fall entsprechende Evidenz verfügbar ist, so dass viele Zweifels­fra­gen bleiben werden. Da tröstet die letzte Anforderung an die Bewer­tungskri­te­rien: Diese sollen einfach anzuwen­den und so fest­gelegt werden, dass die Überprüfung ihrer Einhal­tung erle­ichtert wird.

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