ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

Pandemie-relevante Auswirkungen auf den M&A‑Sektor

Dazu 3 Fragen an Wolfram Schmerl

Alantra in Frank­furt
Foto: Wolfram Schmerl
4. Mai 2020

Wegen Corona ist in ganzen Branchen ist der Umsatz auf null gesunken. Die Hälfte der deutschen Unternehmen befindet sich in Kurzarbeit, 20 Prozent von ihnen wollen Jobs abbauen, Liefer­ket­ten sind stark beein­trächtigt, die Nach­frage ist einge­brochen – die Auswirkun­gen der Corona-Pandemie auf den deutschen Mittel­stand sind massiv. Was bedeutet das für Private Equity-Inve­­s­toren, die noch 2019 in mehr als 100 solcher Unternehmen investiert haben? Wie verwen­den sie nun die mehr als zwei Billio­nen (Euro) „Dry Powder“ ihrer Anleger, darunter Versicherun­gen und Versorgungswerke?

1. Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf den deutschen M&A‑Markt? Über­wiegen die posi­tiven oder die nega­tiven Einflussfak­toren? Gehen Private Equity-Inve­storen jetzt in den Winter­schlaf oder wittern sie Kaufgele­gen­heiten?

Die Antwort auf diese Frage kann zur Zeit nur eine Momen­tauf­nahme sein, aber . Es gibt viele Anze­ichen dafür, dass das M&A‑Volumen deut­lich sinken wird: Viele Inve­storen konzen­tri­eren sich jetzt erst einmal darauf, ihre Port­fo­lio-Unternehmen so gut wie möglich durch die Krise zu steuern. Wer nicht muss, verkauft jetzt nicht. Daher werden sich die Haltedauern tenden­ziell verlängern.

Auch sind große Finanzierun­gen erhe­blich schwieriger gewor­den. Banken und Debt-Fonds haben eine Risikoan­pas­sung vorgenom­men. Sie verlan­gen deut­lich höhere Preise und treten beim Lever­age auf die Bremse. In den kommenden 12–18 Monaten wird die Frage, wie sich ein Unternehmen in der Krise behauptet hat, ein zentraler Punkt in jeder Due Dili­gence sein. Diejeni­gen, die dabei schwach abschnei­den, werden Bewer­tungsab­schläge hinnehmen müssen – das erschw­ert den Konsens mit poten­ziellen Käufern. Anders sieht es bei Firmen aus, die die Krise gut über­ste­hen. Wirk­lich gute Unternehmen sind in jeder Mark­t­phase ein knappes Gut, für die finden sich immer Käufer, die auch einen entsprechen­den Preis zahlen. Chan­cen für PE-Inve­storen könnten sich auch daraus ergeben, dass sich unseres Eracht­ens einige Fami­lien in den näch­sten Monaten wahrschein­lich dazu entschei­den werden, ihr Fami­lienun­ternehmen nach dieser Krise zu veräußern, um das darin gebun­dene Vermö­gen in die Privat­sphäre zu über­führen.

2. Lässt sich heute schon abse­hen, welche Branchen Gewin­ner und welche Verlierer der Krise sein werden?

Branchen wie Touris­mus und Hotels, Gastronomie, Event und Cater­ing sind massiv betrof­fen. Die deutsche Auto­mo­bilin­dus­trie und damit auch deren Zulief­erer werden wohl länger leiden. In vielen europäis­chen Märk­ten haben die Menschen auf abse­hbare Zeit andere Bedürfnisse als neue Autos zu kaufen, allerd­ings zieht der Fahrzeu­gab­satz in China bere­its wieder deut­lich an. Bei vielen Maschi­nen­bauern gehen keine Aufträge mehr ein. Dazu kommt, dass für die deutsche Exportwirtschaft das allge­meine Wettbe­werb­sum­feld schon vor der Pandemie fordernd war – Stich­worte Handel­skriege, gebrem­stes Wach­s­tum in China, Brexit, Umstel­lung auf Elek­tro­mo­bil­ität. Wir erwarten also, dass die Finanzierungs­ber­atung und Transak­tio­nen im Bere­ich Distressed Assets für uns als Berater an Bedeu­tung gewin­nen werden.

Auf der Gewin­ner­seite werden Unternehmen aus der Gesund­heitswirtschaft jetzt natür­lich noch attrak­tiver, als sie es ohne­hin schon waren. Auch Soft­ware- und IT-Unternehmen sowie Unternehmen in Umfeld der Nahrungsmit­tel­pro­duk­tion und Indus­trieau­toma­tion bleiben gefragt. Aber man muss sich die Subsek­toren sehr genau anschauen. Nehmen Sie die Nahrungsmit­tel- und Getränkein­dus­trie als Beispiel: Zurzeit liest man viel darüber, dass die Menschen jetzt zuhause mehr Bier und Wein trinken. Den Verbrauch bei Festi­vals, in Fußball­sta­dien und der Gastronomie wird das aber nicht kompen­sieren. Bei Tiefküh­lkost dage­gen könnte die Nach­frage steigen. Wir erwarten allerd­ings auch, dass die Preise für Grund­stoffe in der Produk­tion und damit die Lebens­mit­tel­preise insge­samt steigen werden. Das zeigt, wie schwer es aktuell ist, Pauscha­laus­sagen zu tref­fen.

3. Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf Private Equity als Asset-Klasse?

Das Niedrigzin­sum­feld dürfte jetzt für lange Zeit zemen­tiert sein, also werden Pensions­fonds und Versicherun­gen weit­er­hin immer mehr Vermö­gen in alter­na­tive Invest­ments allok­ieren. Damit bleibt der grund­sät­zliche Trend hin zu diesen Anlage­for­men intakt. – Es könnte aber einige Verschiebun­gen geben: Ein Private Debt-Fonds tut sich bere­its mit nur einem verlore­nen Invest­ment schwer, eine posi­tive Rendite zu erwirtschaften. Dort steigt jetzt das Risiko. Infra­struk­tur hinge­gen könnte inter­es­san­ter werden. Private Equity bleibt daher auf jeden Fall attrak­tiv. Die Bedeu­tung großer Invest­ment­ge­sellschaften wie beispiel­sweise Ardian, Black­stone und KKR nimmt weiter zu, denn sie erweit­ern ihre Plat­tform kontinuier­lich und werden zunehmend zu Vermö­gensver­wal­tern, die Anlegergelder in verschiede­nen Assetk­lassen verwal­ten. Sie haben bislang einen guten Track Record, der weit­eres Kapi­tal anzieht. Jetzt können – und müssen – sie sich wirk­lich beweisen und zeigen, wie sie ihr Port­fo­lio und die Anlegergelder durch die Krise navigieren.

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