ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

Nachrangdarlehen als Instrument zur Mittelstandsfinanzierung

Dazu 3 Fragen an Matthias M. Mathieu

BRIGHT CAPITAL
Foto: M. Mathieu
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1. Okto­ber 2014

Im Zuge der risi­ko­ori­en­tier­ten Kredit­ver­gabe der Banken durch Basel II steht die Boni­tät eines Unter­neh­mens im Fokus. Nach­rang­dar­le­hen erfül­len eine eigen­ka­pi­tal­nahe Funk­tion. Damit kann eine insge­samt höhere Boni­tät des Unter­neh­mens erreicht werden. Nach­rang­dar­le­hen sind Darle­hen, die mit einem Rang­rück­tritt hinter andere Zahlungs­ver­pflich­tun­gen verse­hen sind. Sie kommen somit im Rahmen einer Verwer­tung des Unter­neh­mens­ver­mö­gens in der Rang­folge erst nach allen Bank- und Lieferantenverbindlichkeiten. 

Dazu 3 Fragen an Bright Capi­tal, einer Fonds- und Asset Manage­ment Gesell­schaft mit Schwer­punkt Debt Invest­ments. Die Gesell­schaft vergibt Nach­rang­dar­le­hen an mittel­stän­di­sche Unter­neh­men mit einem Umsatz in Höhe von 10–200 Millio­nen Euro sowie an Immo­bi­li­en­pro­jekte mit einem Mindest­fi­nan­zie­rungs­vo­lu­men von 5 Millio­nen Euro.


Dazu 3 Fragen an Grün­dungs­part­ner bei BRIGHT CAPITAL in Frankfurt

1. Was macht die alter­na­tive Finan­zie­rungs­va­ri­ante über Nach­rang­dar­le­hen aktu­ell wieder attraktiv?

Die aus der globa­len Wirt­schafts­krise resul­tie­ren­den Aufsichts­re­geln zwin­gen Banken zur Stär­kung des Eigen­ka­pi­tals und der Eigen­ka­pi­tal­quo­ten. Dies führt zu einer selek­ti­ve­ren Auswahl der Kreditnehmer.

Mittel­stän­di­sche Unter­neh­men müssen zum Erhalt eines Bank Senior Loans ein höhe­res Eigen­ka­pi­tal vorwei­sen als noch vor eini­gen Jahren. Die verän­der­ten Rahmenbe-dingun­gen stel­len Unter­neh­mer mehr denn je vor die Entschei­dung, wie sie die Finan­zie­rung ihres Unter­neh­mens am besten sicher­stel­len. Beson­ders betrof­fen sind klei­nere Mittel­stands­un­ter­neh­men mit einem Umsatz von nicht mehr als 200–300 Millio­nen Euro p.a.. Viele dieser Inha­ber­ge­führ­ten Fami­li­en­un­ter­neh­men sind nicht bereit, einen Private Equity Inves­tor mit an Bord zu nehmen und stehen alter­na­ti­ven Finan­zie­rungs­for­men, wie beispiels­weise Nach­rang­dar­lehn sehr offen gegen­über. Wir glau­ben das der Markt für alter­na­tive Finan­zie­rungs­for­men in den nächs­ten Jahren stark wach­sen wird.

2. Was ist der Unter­schied zwischen Mezza­nine-Finan­zie­rung, Nach­rang­dar­le­hen und Private Equity?

Das Nach­rang­dar­le­hen ist eine klas­si­sche Form der Mezza­nine Finan­zie­rung. Mezza­nine können in unter­schied­li­chen Formen ausge­stal­tet werden, beispiels­weise als stille Betei­li­gung, Genuss­rechte, partia­ri­sche Darle­hen oder als Nach­rang­dar­le­hen. Nach­rang­dar­le­hen werden häufig nicht besi­chert und gemäß des Risi­kos entspre­chend höher verzinst. Auch wenn wir uns derzeit in einer Nied­rig-Zins­phase befin­den, kann die Aufnahme von Nach­rang­dar­le­hen, beispiels­weise um von der Bank ein Senior Darle­hen zu markt­üb­li­chen Kondi­tio­nen aufzu­neh­men, in der Misch­kal­ku­la­tion durch­aus inter­es­sant sein. — Die Aufnahme von Mezza­nine Finan­zie­run­gen setzt im Gegen­teil zu (Private) Equity keine Abgabe von Unter­neh­mens­an­tei­len voraus.

3. Wie schät­zen Sie den Markt ein? Wieviele Unter­neh­men wählen ein Nach-rang­dar­le­hen für ihre Finan­zie­rung im Vergleich zu ande­ren Finanzierungsvarianten?

Es ist schwie­rig, prozen­tual zu sagen, wie viele Unter­neh­men Nach­rang­dar­le­hen von exter­nen Inves­to­ren aufneh­men bzw. Ihrem Fremd­ka­pi­tal beimi­schen. Nach­rang­dar­le­hen werden häufig auch von den Gesell­schaf­tern gewährt. Bank­dar­le­hen sind im deutsch­spra­chi­gen Raum das gängigste Finan­zie­rungs­in­stru­ment, das wird sich auch nicht ändern. Wir sehen aller­dings gerade in den letz­ten beiden Jahren das die Rele­vanz an alter­na­ti­ven Finan­zie­rungs­for­men deut­lich zunimmt. Im Vergleich zu den angel­säch­si­schen Ländern hat Deutsch­land, Öster­reich und auch die Schweiz einen großen Nach­hol­be­darf im Bereich Venture Capi­tal, Private Equity und alter­na­ti­ven Finanzierungsformen.

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