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FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

Krisen- und ESG-Management bei Portfolio-Unternehmen

Dazu 3 Fragen an Dr. Holger Kleingarn

H.I.G. Capi­tal
Foto: Dr. Holger Klein­garn
9. Novem­ber 2021

Corona und der damit verbun­dene wirtschaftliche Still­stand in vielen Branchen hat Mittel­ständler massiv gefordert – und die Folgen der Pandemie dauern an. Aber gerade Phasen mit disrup­tiver Dynamik bieten enorme Chan­cen für jene Inve­storen, die über Erfahrung in Sonder­si­t­u­a­tio­nen verfü­gen und die damit verbun­de­nen Heraus­forderun­gen meis­tern können. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine epochale Krise, tief­greifende Trans­for­ma­tio­nen oder auch Umbrüche in der Regulierung – Stich­wort: ESG – handelt.


Dazu 3 Fragen an Dr. Holger Klein­garn, Manag­ing Direc­tor und Head of Germany bei H.I.G. Capi­tal

1. Wie stehen Sie den neuen ESG-Stan­dards gegenüber?

Nach­haltiges Investieren steht in Zeiten des Klimawan­dels und Ressourcenbe­wusst­seins zurecht im Fokus. ESG – also Nach­haltigkeit in Bezug auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – hat für H.I.G. Capi­tal eine hohe Bedeu­tung. Wir sind uns unserer Verant­wor­tung bewusst und greifen das Thema aktiv auf. Ich denke, dass gerade Private Equity hier einen posi­tiven und signifikan­ten Beitrag für die Gesellschaft leis­ten kann. Schon heute spielt ESG bei Unternehmen­skäufen in der Due Dili­gence eine wichtige Rolle und wird künftig aus meiner Sicht noch an Bedeu­tung gewin­nen.

Unternehmen mit einem klaren und posi­tiven ESG-Profil erzie­len am Markt höhere Bewer­tun­gen. Das wird etwaige Mehrkosten, beispiel­sweise durch Einführung anspruchsvoller ESG-Stan­dards, ausgle­ichen oder sogar übertr­e­f­fen. Ein anderes Beispiel: Schon heute bieten einige Debt Funds eine Verringerung der Zins­mar­gen für ESG-orien­tierte Unternehmen an. Wir bei H.I.G. Capi­tal sind überzeugt: ESG und attrak­tive Erträge schließen sich nicht aus – im Gegen­teil.

2. Was macht gutes Krisen-Manage­ment bei einem Private Equity-Unternehmen aus?

Wichtig in hoch­dy­namis­chen Phasen ist eine trans­par­ente und fakten­basierte Zusam­me­nar­beit mit den Port­fo­lioun­ternehmen. Es gilt, Risiken aktiv zu adressieren, aber auch gemein­sam Mark­tchan­cen zu ergreifen. Das können Neukun­dengewinne, Unternehmen­szukäufe oder auch die Neue­in­stel­lung von Mitar­beit­ern sein.

Mindestens ebenso wichtig ist der proak­tive Austausch und die damit verbun­dene Trans­parenz gegenüber rele­van­ten Stake­hold­ern. Denken Sie etwa an die finanzieren­den Banken, oder auch die Inve­storen eines Fonds. Schließlich gilt es, konse­quent Entschei­dun­gen zu tref­fen und klar zu kommu­nizieren, gegenüber dem Manage­ment der Port­fo­lioun­ternehmen und auch dem eige­nen Invest­ment­team. Viele haben solche Ausnahme­si­t­u­a­tion noch nie selbst erlebt. – Meine aktuellen Erfahrun­gen während der Coro­n­akrise sind, dass die Unternehmensführun­gen der Port­fo­lioun­ternehmen abso­lut krisen­fest und stark aufgestellt sind. Dies gilt sowohl im Zusam­men­spiel mit Kunden und Liefer­an­ten als beispiel­sweise auch in der inter­nen Kommu­nika­tion mit Führungskräften und Mitar­beit­ern. Viele unserer Port­fo­lioun­ternehmen konnten in der Pandemie Add-on Akqui­si­tio­nen täti­gen und sogar Ergeb­nis­steigerun­gen erzie­len. Für 2022 erwarte ich übri­gens ein ähnlich dynamis­ches Umfeld. Und ich bin sicher, dass sich erneut diverse Mark­tchan­cen im Port­fo­lio ergeben werden. Der alte Leit­satz, dass in jeder Krise eine Chance liegt, gilt heute mehr denn je.

3. Welche konkreten Chan­cen sehen Sie im kommenden Jahr?

Da gibt es einige – lassen Sie mich exem­plar­isch zwei heraus­greifen. Erstens: Der Trend der Unternehmen zu Fokussierung und Konzen­tra­tion auf die Kernak­tiv­itäten hält an. Gerade bei größeren Unternehmensgrup­pen werden vermehrt Rand­bere­iche abges­pal­ten und verkauft. Man hat erkannt, dass diese Einheiten im Konz­ern oft nicht die Aufmerk­samkeit, Frei­heit und Investi­tio­nen erhal­ten, die sie verdi­enen. Bei diesen so genan­nten Carve-Out-Situ­a­tio­nen kommen wir ins Spiel. Wir haben über Jahrzehnte Erfahrung gesam­melt, wie man diese Aktiv­itäten stärkt, weit­er­en­twick­elt und skaliert. Dazu nutzen wir nicht zuletzt unsere umfassende Branch­en­ex­per­tise und glob­ale Präsenz. Hier schaf­fen wir echten Mehrw­ert – natür­lich auch für unsere Inve­storen, vor allem aber für Mitar­beiter und Kunden des Unternehmens. Das ist eine echte Win-win-Konstel­la­tion.

Das gleiche gilt – zweite Chance – auch für die Nach­folge bei vielen mittel­ständis­chen Unternehmen, die in ihren Märk­ten übri­gens häufig über eine hervor­ra­gende Stel­lung verfü­gen. Wenn die näch­ste Gener­a­tion ihre Zukunft aber nicht im Unternehmen sieht, muss eine andere Lösung her. Wichtig ist in dieser Situ­a­tion der Respekt vor dem Lebenswerk der Grün­derin oder des Grün­ders und ebenso vor der Kultur des jeweili­gen Unternehmens. Genau das brin­gen wir mit. Denn wir verbinden lokale Exper­tise und Erfahrung mit den Möglichkeiten eines global täti­gen Hauses.

 

Über Holger Klein­garn

Holger Klein­garn ist Manag­ing Direc­tor und Head of Germany bei H.I.G. und arbeitet seit mehr als fünfzehn Jahren im Private Equity. Sein Schw­er­punkt liegt auf Buy-Outs, Wach­s­tum­sin­vesti­tio­nen und Turn­arounds von Mittel­stand­sun­ternehmen inner­halb Europas mit Fokus auf die deutschsprachi­gen Länder. Vor seiner Zeit bei H.I.G. war Holger Part­ner bei der in London ansäs­si­gen Pala­mon Capi­tal, einem PE-Unternehmen, das sich auf mittel­ständis­che Unternehmen in Europa fokussiert. Zuvor leit­ete Holger als CEO den MBO eines mittel­ständis­chen Soft­ware­un­ternehmens. Er startete seine Karriere bei den Bain & Company und Roland Berger, zuletzt als Part­ner und Mitglied des Manage­ment­teams Finan­cial Services.

H.I.G. ist eine führende Beteili­gungs­ge­sellschaft mit über 38 Mrd. Euro Kapi­tal unter Manage­ment und Nieder­las­sun­gen in den USA (Miami, Atlanta, Boston, Chicago, Dallas, Los Ange­les, New York und San Fran­cisco), in Europa (Hamburg, London, Luxem­burg, Madrid, Mailand und Paris) sowie in Lateinamerika (Bogotá, Rio de Janeiro und São Paulo). Wir sind auf Eigenkap­i­tal-Investi­tio­nen in kleine und mittlere Unternehmen spezial­isiert, bei denen wir eine bedeu­tende Rolle bei der Erschließung des vorhan­de­nen Wert­poten­zials spie­len können.

 

 

 

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