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3 Fragen an kluge Köpfe

IPO — Comeback für deutsche Firmen?

Dazu 3 Fragen an Falk Müller-Veerse

BRYAN, GARNIER & Co
Foto: Falk Müller-Veerse
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7. Dezem­ber 2016

Börsen­gänge waren in 2016 in Deutsch­land eine Rari­tät. Auf dem euro­päi­schen Börsen­par­kett sieht es dage­gen besser aus. Vor allem die Neuemis­sio­nen klei­ne­rer Unter­neh­men, (Plazie­rungs­vo­lu­mina zwischen 100 und 250 Millio­nen Euro) glän­zen. Auch noch klei­nere IPOs, die mit 20 bis 50 Millio­nen Euro an den Markt gehen, weisen oft eine beacht­li­che Entwick­lung auf.


Dazu 3 Fragen an Mana­ging Part­ner bei BRYAN, GARNIER & Co in München

1. Es gab nur sehr wenige Börsen­gänge in den letz­ten 18 Mona­ten in Deutsch­land. Wann kommen denn die Börsen­gänge wieder für deut­sche Firmen?

Für deut­sche Unter­neh­men können Börsen­gänge jeder­zeit passie­ren, nur ist der Börsen­stand­ort Deutsch­land für viele Unter­neh­men aus verschie­de­nen Grün­den nicht attrak­tiv. Der deut­sche Kapi­tal­markt bevor­zugt seit den Gescheh­nis­sen am ‚Neuen Markt’ in der Regel Börsen­gänge von etablier­ten Unter­neh­men aus den klas­si­schen Mittel­stands­in­dus­trien mit einem Unter­neh­mens­wert von mehr als 200 Millio­nen. Aller­dings handelt es sich bei diesen Unter­neh­men häufig um fami­li­en­geführte Mittel­ständ­ler, die insbe­son­dere die Publi­zi­täts­pflich­ten und das öffent­li­che Inter­esse, welches ein Börsen­gang gene­rier, meiden. Dies soll aller­dings nicht bedeu­ten, dass nicht auch verein­zelt klei­nere Unter­neh­men eine attrak­tive Kapi­tal­markt­per­for­mance liefern können. Bestes Beispiel ist hier­für die B.R.A.I.N. AG, welche seit ihrem Börsen­de­but Anfang 2016 in der Lage war ihre Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung fast zu verdoppeln.

Nichts­des­to­trotz bieten die Börsen in den USA für schnell wach­sende deut­sche Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men auf Grund des größe­ren Inves­to­ren­uni­ver­sums eine attrak­ti­vere Platt­form als zum Beispiel die Deut­sche Börse. Glei­ches gilt für die Euronext mit ihren Börsen­stand­or­ten in Amster­dam, Brüs­sel und insbe­son­dere Paris für Unter­neh­men der Health­care bzw. Biotech­no­lo­gie Branche.

2. Warum ist zum Beispiel Paris so inter­es­sant für einen Börsen­gang? Für welche Indus­trien ist Paris beson­ders geeignet?

Der Börsen­stand­ort Paris erfreute sich in den letz­ten Jahren sehr großer Beliebt­heit. Im Verlauf der letz­ten drei Jahre fanden 65 Unter­neh­men den Weg an die Euronext Paris – zum Vergleich: während des glei­chen Zeit­raums waren es nur 32 Unter­neh­men in Deutsch­land. Knapp 40% der Unter­neh­men, welche ihren Börsen­gang in Paris gewagt haben, kamen aus dem Health­care- / Biotech-Umfeld, gefolgt von 14 Unter­neh­men des IT Sektors. Dies hängt insbe­son­dere mit der Affi­ni­tät des in Paris vertre­te­nen Inves­to­ren­pu­bli­kums für Small- und Mid-Cap Unter­neh­men zusam­men — durch den gemein­sa­men Börsen­platz der Euronext können sowohl Inves­to­ren aus den Bene­lux-Staa­ten und Frank­reich aber auch aus Groß­bri­tan­nien adres­siert werden.

3. Ist denn London noch attrak­tiv nach dem Brexit?

London ist bis auf weite­res sicher­lich ein attrak­ti­ver Stand­ort für einen IPO, denn insbe­son­dere auf Grund der Tatsa­che, dass es noch keiner­lei Details zur tatsäch­li­chen Ausge­stal­tung des Brexit gibt, kann man sich hierzu noch keine abschlie­ßende Meinung bilden. Aller­dings haben seit dem Brexit-Votum Ende Juni 2016 noch 23 Firmen den Weg an die London Stock Exchange gewagt bzw. ange­kün­digt dieses zu tun.

Zum Vergleich – bis zum eben jenem Votum waren es 37 Unter­neh­men. Dementspre­chend ist eine leichte Abschwä­chung zu erah­nen, wobei dies im Laufe der nächs­ten Monate noch weiter­hin beob­ach­tet werden sollte. Insge­samt ist davon auszu­ge­hen, dass sich kurz­fris­tig keiner­lei Auswir­kun­gen erge­ben werden. Solche Effekte werden sich erst mittel- bis lang­fris­tig mani­fes­tie­ren. Unab­hän­gig von der Ausge­stal­tung des Brexit, wird London dennoch weiter­hin ein wich­ti­ger Finanz­stand­ort inner­halb Euro­pas bleiben.

 

About Falk Mueller-Veerse

Falk, Mana­ging Part­ner at BRYAN, GARNIER & Co in Germany, is an expe­ri­en­ced M&A and fund­rai­sing profes­sio­nal with over 20 years expe­ri­ence in the tech­no­logy and inter­net indus­try. He has a global network in the inves­tor and acqui­rer commu­nity and closed success­ful deals with Disney, RIM, Balder­ton, Swiss­com and Tele­fo­nica, amongst others.
He is the former head of Durlacher’s Mobile indus­try rese­arch and invest­ment prac­tice (Germany/UK/Spain) and Mana­ging Direc­tor of its German office. He foun­ded Mobile Appli­ca­tion Holding to acquire compa­nies in Finland, Switz­er­land and Germany. Falk was board member of a private and public compa­nies in the mobile inter­net and games sector. He has also been on the advi­sory board of Fron­tiers Capi­tal — the wire­less-focu­sed VC backed by Carphone Wareh­ouse, as well as advi­sory board member of the German Sili­con Valley Accelerator.
Falk holds a B.Sc. degree in Tech­no­logy Manage­ment (Mecha­ni­cal Engi­nee­ring) from the Tech­ni­cal Univer­sity of Kaisers­lau­tern, Germany, and an MBA from Cali­for­nia State Univer­sity School of Busi­ness in the US. He has also studied Inter­na­tio­nal Busi­ness Manage­ment at the Helsinki School of Econo­mics and Busi­ness Administration.

Über Bryan, Garnier & Co 

Bryan, Garnier & Co, 1996 gegrün­det, ist eine unab­hän­gige, euro­päi­sche Full Service-Invest­ment­bank mit Fokus auf Wachs­tums­un­ter­neh­men. Das Service-Spek­trum umfasst Akti­en­ana­ly­sen, Verkauf und Handel von Aktien, private und öffent­li­che Kapi­tal­be­schaf­fung sowie M&A‑Dienstleistungen für Wachs­tums­un­ter­neh­men und deren Inves­to­ren. Der Schwer­punkt liegt dabei auf wich­ti­gen Wachs­tums­bran­chen der Wirt­schaft wie Tech­no­lo­gie, Medien, Tele­kom­mu­ni­ka­tion, Health­care, Smart Indus­tries, Specia­lity Retail sowie Busi­ness Services. Bryan, Garnier & Co Ltd ist ein einge­tra­ge­ner Broker und bei der FCA in Europa und der FINRA in den USA zuge­las­sen. Der Firmen­sitz von Bryan, Garnier & Co befin­det sich in London, weitere Nieder­las­sun­gen befin­den sich in Paris, München, Genf und New York. Das Unter­neh­men ist ein Mitglied der Londo­ner Börse und von Euronext.
(http://www.bryangarnier.com)

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