ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

DLT und Blockchain: Innovationen im alternativen Investments-Sektor

Dazu 3 Fragen an Frank Dornseifer

Bundesver­band Alter­na­tive Invest­ments e.V. (BAI) in Bonn
Foto: Frank Dorn­seifer
10. August 2021

Der Bundesver­band Alter­na­tive Invest­ments e.V. (BAI) ist die assetk­lassen- und produk­tüber­greifende Inter­essen­vertre­tung für Alter­na­tive Invest­ments in Deutsch­land und gilt als Trend-Scout und Wegbere­iter für die Umset­zung neuer Tech­nolo­gien, ebenso wie als Förderer wissenschaftlicher Forschung im Bere­ich der Alter­na­tive Invest­ments.


Dazu 3 Fragen an Frank Dorn­seifer, Recht­san­walt und Geschäfts­führer des Bundesver­band Alter­na­tive Invest­ments e.V. (BAI) in Bonn

1. Sie planen einen BAI Inno­va­tions­Day 2021 am 30. Septem­ber mit einem Fokus auf DLT und Abbil­dung von Fonds und Assets in Blockchain-Infra­struk­turen. Das sind sehr tech­nol­o­gis­che und wissenschaftliche Themen. — Wofür steht der BAI genau?

Natür­lich dreht sich beim BAI alles um das Thema Alter­na­tive Invest­ments, und zwar Assetk­lassen- und Strate­gieüber­greifend. Unsere rund 250 Mitglieder bilden die gesamte Wertschöp­fungs­kette im profes­sionellen Asset Manage­ment in den Segmenten Private Debt, Private Equity, Infra­struk­tur oder Liquid Alter­na­tives ab, also Asset-Manager, Banken, Fonds­ge­sellschaften, Verwahrstellen und sonstige Dien­stleis­ter, wie etwa Kanzleien, Investment‑, oder Steuer­ber­ater.

Neben dem Megath­ema Sustain­able Finance beschäftigt unsere Branche natür­lich auch das Zukun­ft­s­thema Digi­tal Finance mit allen Facetten. Zum einen geht es darum neue Tech­nolo­gien entlang der Wertschöp­fungs­kette einzuset­zen, die Distrib­uted Ledger Tech­nolo­gie (DLT) z.B. verän­dert und verbessert viele Prozesse und Transak­tio­nen im Fonds­geschäft. Zum anderen eröff­nen sich z.B. durch digi­tale Assets und die Tokenisierung von Vermö­genswerten neue Anlagemöglichkeiten. Wir begleiten auch dieses Thema seit eini­gen Jahren und durch jüng­ste regu­la­torische Entwick­lun­gen auf nationaler und europäis­cher Ebene kam jetzt die Idee, über einschlägige Webinare hinaus einen Inno­va­tions­Day ins Leben zu rufen, um eine beson­dere Plat­tform für Tech­nolo­gie-Themen ins Leben zu rufen. Neben Blockchain und Krypto-Assets geht es z.B. auf unserem Event am 30. Septem­ber auch um den Einsatz von Künstlicher Intel­li­genz im Asset Manage­ment.

2. Was kommt hier voraus­sichtlich in 2022 im Bere­ich Alter­na­tive Invest­ments auf uns zu?

Unsere aktuelle Agenda, die sich aber auf jeden Fall bis ins näch­ste Jahr zieht, ist natür­lich bestimmt von den vorge­nan­nten Themen Sustain­able und Digi­tal Finance. Hier sind diverse Rechts­set­zungsakte bere­its verab­schiedet bzw. befinden sich noch in der regu­la­torischen Pipeline, so dass im näch­sten Jahr die Imple­men­tierung breiten Raum einnehmen wird. Geset­zge­bungsver­fahren sind sehr vielschichtig und nach der Rahmenge­set­zge­bung folgen regelmäßig Durch­führungsrecht­sakte, tech­nis­che Regulierungs­stan­dards, nationale Umset­zungs­ge­setze, etc. im Bere­ich Sustain­able Finance reden wir von sehr detail­lierten, tech­nis­chen und gran­u­laren Anforderun­gen, die ein Maß an Komplex­ität und leider auch Bürokratie annehmen, die der Branche sehr zu schaf­fen machen und bei der wir auch versuchen gegen zu steuern, damit die Akzep­tanz für nach­haltiges Investieren nicht leidet. Hier ist Prag­ma­tismus gefordert.

Beim Thema Digi­tal Finance eröff­nen sich, wie bere­its kurz skizziert, viele neue Einsatz- und Anwen­dungsmöglichkeiten durch die Blockchain-Tech­nolo­gie. Fonds­ge­sellschaften und Asset Manager werden sich spätestens im näch­sten Jahr inten­siv damit auseinan­der­set­zen müssen, wie sie diese Tech­nolo­gie einset­zen und ihre Prozesse und Systeme, einschließlich Risiko­man­age­ment, darauf ausgerichtet müssen. Es gibt neue Mark­tak­teure und Dien­stleis­ter, im Markt stehen große Verän­derun­gen an. Welche Heraus­forderun­gen bei der insti­tu­tionellen Kapi­ta­lan­lage im näch­sten Jahr anste­hen, werden wir im Herbst im Rahmen unseres jährlich stat­tfinden BAI Investor Survey vorstellen.

3. Im Herbst steht die Über­ar­beitung der AIFMD an, das ist ein neuer Meilen­stein. Auf welche Verän­derun­gen muss man sich einstellen?

Der AIFMD-Review ist in der Tat ein zentrales Thema, welches in Kürze ansteht. Die EU-Kommis­sion wird im Herbst den Entwurf einer Änderungsrichtlinie vorstellen, der möglicher­weise doch umfassender sein wird, als bislang von Branche und Inve­storen erwartet. Denn die AIFM-Richtlinie hat sich in der Praxis bewährt und es gibt keine system­a­tisch bzw. grundle­gen­den Schwach­stellen, die behoben werden müssten. Aus Sicht der Kommis­sion, die sich z.T. an Anre­gun­gen der europäis­chen Wert­pa­pier­auf­sicht ESMA orien­tiert, sollen im Rahmen des Reviews u.a. folgende Themen adressiert werden: Einführung eines EU-Regel­w­erks für Kred­it­fonds, weit­ere Harmon­isierung der Vorgaben für Verwahrstellen, Über­ar­beitung der Regelun­gen zu Auslagerung, Liquid­itäts­man­age­ment und Report­ing.

Im gleichen Zug wird die EU-Kommis­sion zudem auch Vorschläge zur Über­ar­beitung der ELTIF (Euro­pean Long-Term Invest­ment Funds) ‑Verord­nung vorlegen. Dieses europäis­che Fonds­for­mat für Langfris­tan­la­gen soll prax­is­gerechter ausgestal­tet werden. Bisher fehlt  noch die Akzep­tanz in der Branche, obwohl Idee und Konzept eigentlich richtig sind und der ELTIF auch Privatan­legern offen­steht. Diverse Mitglied­sun­ternehmen nutzen dieses Format zwar schon, aber es besteht Opti­mierungs­be­darf. Der BAI hat bere­its die Verab­schiedung der AIFM-Richtlinie eng begleitet und wird bei der Novel­lierung erneut eine wichtige Rolle für die Branche einnehmen. Unsere Mitglieder haben immer die Möglichkeit, sich über unsere Fachauss­chüsse in die wichtige Verband­sar­beit miteinzubrin­gen.

 

Über Frank Dorn­seifer
Frank Dorn­seifer ist Geschäfts­führer beim Bundesver­band Alter­na­tive Invest­ments e.V., Bonn, und seit über 20 Jahren in unter­schiedlichen Funk­tio­nen im Investment‑, Kapi­tal­markt- und Gesellschaft­srecht aktiv. Nach seinem Studium in Bonn, Dublin und Lausanne arbeit­ete er als Recht­san­walt in einer inter­na­tionalen Anwaltssozi­etät in den Gebi­eten Gesellschafts- und Wert­pa­pier­recht. Es folgte eine mehrjährige Tätigkeit als stel­lvertre­tender Refer­at­sleiter bei der BaFin im Grund­satzreferat Invest­men­tauf­sicht und als Repräsen­tant im Invest­ment Manage­ment Commit­tee der Organ­i­sa­tion der inter­na­tionalen Wert­pa­pier­auf­sichts­be­hör­den IOSCO, bevor er im Jahre 2007 zum BAI wech­selte und seither dort die Verband­sak­tiv­itäten leitet und koor­diniert. Er ist Autor zahlre­icher Fach­pub­lika­tio­nen zum Invest­ment- und Gesellschaft­srecht und Heraus­ge­ber von Kommentaren zum KAGB/InvG und zur AIFM-Richtlinie. Der Finan­zauss­chuss des Bundestages und das Europa­parla­ment haben ihn mehrfach als Sachver­ständi­gen in Geset­zge­bungsver­fahren zum Kapi­tal­mark­trecht benannt.

 

Newsletter abonnieren

Hier erfahren Sie von den neuesten Transaktionen, Börsengängen, Private Equity-Deals und Venture Capital-Investments, wer einen neuen Fonds eingesammelt hat, wie es um die Buy & Build-Aktivitäten steht.

Get in touch

Kontaktieren Sie uns!
fyb [at] fyb.de