ALTERNATIVE FINANZIERUNGSFORMEN
FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN
3 Fragen an kluge Köpfe

Deal by Deal-Investitionen

Dazu 3 Fragen an Dr. Tobias Sitte

Alpha­ville Capi­tal in München
Foto: Dr. Tobias Sitte
1. Novem­ber 2023

Das Deal by Deal Inves­ti­ti­ons­mo­dell kann für Inves­to­ren als Alter­na­tive zu einem tradi­tio­nel­len Private Equity-Inves­t­­men­t­­fonds sehr attrak­tiv sein. Neben indi­vi­du­el­len Auswahl- und Mitge­stal­tungs­mög­lich­kei­ten, gerin­ge­ren Verwal­tungs­ge­büh­ren und rela­tiv hoher Flexi­bi­li­tät gibt es weitere Vorteile.


Dazu 3 Fragen an Dr. Tobias Sitte, Grün­dungs­part­ner von Alpha­ville Capi­tal in München, den Sie auf dem Private Wealth Excel­lence Forum am 07. Nov. in Frank­urt a.M. erle­ben können. https://www.smart-bridges.com/excellence-forum/private-wealth/

1. Warum haben Sie sich zusam­men mit Ihrem Grün­dungs­part­ner für ein Deal by Deal Direkt­be­tei­li­gungs­mo­dell entschieden?
Als wir Alpha­ville Capi­tal 2016 ins Leben riefen, gab es noch kaum Direkt­be­tei­li­gungs­an­ge­bote für Family Offices und Privat­in­ves­to­ren. Diese waren zudem oft durch intrans­pa­rente und u.E. über­höhte Gebüh­ren­struk­tu­ren für Geld­ge­ber gekenn­zeich­net. Entspre­chend waren viele Family Offices aus unse­rem Netz­werk mit der Ange­bots­qua­li­tät, ‑struk­tur ebenso wie mit dem Betei­li­gungs­con­trol­ling und ‑report­ing unzu­frie­den. Wir haben deshalb die gängi­gen Konzepte im Detail analy­siert und uns über­legt, wie wir ein inno­va­tiv ange­leg­tes Direkt­be­tei­li­gungs­mo­dell so gestal­ten können, dass zwischen Anteile abge­ben­den Unter­neh­mern, uns als Initia­to­ren und priva­ten Co-Inves­to­ren tatsäch­lich gleich­ge­rich­tete Inter­es­sen herge­stellt werden. Entschei­dend hier­für ist, dass alle Parteien glei­ches „Skin in the game“ haben und nicht in jedem Fall, sondern nur dann profi­tie­ren, wenn ein Invest­ment erstens tatsäch­lich zustande kommt und zwei­tens erfolg­reich entwi­ckelt und z.B. verkauft wird. Um dies zu gewähr­leis­ten, suchen und prüfen wir span­nende Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten stets zunächst auf eige­nes Risiko und gehen in Vorleis­tung. Ohne Druck, vorab einge­sam­melte Mittel möglichst schnell inves­tie­ren zu müssen, suchen wir uns unsere Invest­ments sehr genau aus und erar­bei­ten gemein­sam mit den abge­ben­den Unter­neh­mern einen belast­ba­ren stra­te­gi­schen Plan für die nach­hal­tige Wert­stei­ge­rung. Auch wird eine dazu passende Struk­tur geschaf­fen, die z.B. neben einer Anteils­ab­kaufs- auch eine Kapi­tal­erhö­hungs­kom­po­nente vorse­hen kann — oder bei entspre­chen­dem Rech­te­ka­ta­log etwa auch Minder­hei­ten mitge­hen kann. Gemein­sam mit den Altge­sell­schaf­tern des Ziel­un­ter­neh­mens wird auf dieser Basis ein Vertrags­werk für den Einstieg verhan­delt. Mit Blick auf dieses maßge­schnei­derte, deal-adäquate Gesamt­pa­ket tref­fen wir dann für uns persön­lich die Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dung. Mit dem unter­schrifts­rei­fen Betei­li­gungs­an­ge­bot und allen Details im Gepäck, gehen wir dann auf unsere Co-Inves­to­ren zu und laden diese ein, die konkrete Oppor­tu­ni­tät, das Team, den stra­te­gi­schen Plan, die Wert­he­bel, die Struk­tu­rie­rung, die Asset Protec­tion Rights etc. auf Herz und Nieren zu prüfen und bei posi­ti­vem Votum zusam­men mit uns zu inves­tie­ren. Die Risi­ken für sämt­li­che Schritte bis zur Unter­schrift, also Deal­sour­cing, Due Dili­gence, Struk­tu­rie­rung, Vertrags­ver­hand­lung und Inves­to­ren­su­che tragen wir dabei zunächst einsei­tig selbst. Nur bei erfolg­rei­chem Closing werden diese auf alle Co-Inves­to­ren verteilt. Das ist für Inves­to­ren deut­lich güns­ti­ger, als wenn sämt­li­che Akquise- und Prüfungs­kos­ten — auch für alle Broken- oder verlo­re­nen Deals — an den Fonds und damit indi­rekt die Inves­to­ren weiter­ver­rech­net werden. Die Manage­ment-Fee werden nicht ex ante für das gesamte Fonds­vo­lu­men, unab­hän­gig vom Invest­ment­fort­schritt bzw. Mittel­ab­ruf erho­ben, sondern eben nur für einen tatsäch­lich statt­ge­fun­de­nen Deal. Unter dem Strich können wir so hand­ver­le­sene Invest­ments, gleich­ge­rich­tete Inter­es­sen und hohe Flexi­bi­li­tät bei deut­lich gerin­ge­ren Kosten anbieten.
2. Da Sie keinen im Vorfeld einge­wor­be­nen Fonds über eine Gesamt­in­ves­ti­ti­ons­summe haben, stellt sich die Frage, in welcher Form Inves­to­ren den jewei­li­gen Betei­li­gun­gen beitre­ten können?
In der Tat sind unsere Direkt­be­tei­li­gun­gen bewusst anders aufge­setzt als das klas­si­sche „Blindpool“-Modell großer PE-Fonds. Diese werben die Mittel im Vorfeld primär von insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren auf Basis des Track Records und des Vertrau­ens ins Invest­ment-Team ein, ohne über die jewei­lige Fonds­stra­te­gie hinaus­ge­hend sagen zu können, wann und wofür welche Mittel konkret verwen­det werden. Der einzelne Inves­tor hat hier­bei in der Regel keiner­lei Mitspra­che­recht, er kann ein Einzel­in­vest­ment nicht ableh­nen oder zu teuer, zu riskant etc. finden. Dies ist bei uns anders: Jeder Inves­tor kann betei­li­gungs­in­di­vi­du­ell entschei­den, ob und in welcher Höhe er mitin­ves­tiert. Welche Formen sich hier­für anbie­ten, kommt ganz auf die jewei­lige Betei­li­gungs­mög­lich­keit und die ange­strebte Ziel­set­zung an: Soll eher ein Divi­den­den­mo­dell verfolgt sowie die Betei­li­gung lang­fris­tig stra­te­gisch weiter­ent­wi­ckelt und gehal­ten werden, kommt z.B. eine sog. Opera­tive Holding oder eine AG infrage. Steht hinge­hen mittel­fris­tig ein Weiter­ver­kauf oder Gesamt­exit im Raum, bietet sich die Auflage eines sog. Spezial Alter­na­tive Invest­ment Fund (AIF) an. Hier­für verfü­gen wir über eine bei der BaFin regis­trierte Kapi­tal­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft (KVG), die nach bestimm­ten aufsichts­recht­li­chen Regeln deal-spezi­fi­sche Fonds aufle­gen darf. Die Inves­to­ren stat­ten das Fonds­ve­hi­kel mit den entspre­chen­den Mitteln exakt für den vorher benann­ten Inves­ti­ti­ons­zweck sowie die gewählte Struk­tur aus. Dabei treten alle Inves­to­ren inkl. uns selbst dem glei­chen, einheit­li­chen Vertrags­werk bei, das den gesam­ten Inves­to­ren­kreis auch ökono­misch auf Augen­höhe bringt. Jeder, egal von welchem Inves­tor einge­setzte Euro erfährt rela­tiv zur Lauf­zeit die glei­che Verzin­sung. Über ein Erwer­ber­ve­hi­kel flie­ßen die Mittel dann in die Betei­li­gung. Auch ist für das konkrete Invest­ment vorher bekannt, wie die Mittel voraus­sicht­lich über die Zeit verteilt abge­ru­fen werden. Bei einer klas­si­schen Betei­li­gung kann die Struk­tur der Kapi­tal­ab­rufe beispiels­weise ganz anders ausse­hen, als wenn z.B. ein Bran­chen­kon­so­li­die­rungs­kon­zept mit Buy and Build Charak­ter, d.h. multi­plen Zukäu­fen über die Zeit verfolgt wird. Auf diese Weise können Inves­to­ren die Größen­ord­nung der erfor­der­li­chen Mittel jähr­lich budge­tie­ren und müssen nicht die volle Liqui­di­tät über die gesamte Lauf­zeit kurz­fris­tig abruf­be­reit halten. Dadurch werden die in der Gesamt­be­trach­tung von Fonds­ren­di­ten oft gar nicht einbe­zo­ge­nen Oppor­tu­ni­täts­kos­ten des (noch) nicht inves­tier­ten Geldes signi­fi­kant redu­ziert. Auch haben die Inves­to­ren in unse­rem Modell im Vergleich zu klas­si­schen Fonds deut­lich erwei­terte Mitspra­che­mög­lich­kei­ten und sind „näher dran“. Je nach Ressour­cen, Zeit und Lust können einzelne Inves­to­ren z.B. ihr Netz­werk einbrin­gen, Ideen oder Fragen direkt mit uns bespre­chen und nach Wunsch eine formel­lere Rolle im Beirat des Erwer­ber­ve­hi­kels über­neh­men. Oder alter­na­tiv das Control­ling der Betei­li­gung weit­ge­hend auf uns Initia­to­ren dele­gie­ren und sich „nur“ in regel­mä­ßi­gen Abstän­den über die Reportings sowie in Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen infor­mie­ren. Hier erle­ben wir die ganze Band­breite, je nach­dem wieviel Aufwand ein Inves­tor in die Beglei­tung seines Invest­ments stecken kann und möchte.
3. Wonach rich­tet sich die Auswahl Ihrer Invest­ments? Haben Sie einen Fokus?
Wir sind grund­sätz­lich bran­chen­agnos­tisch und suchen unsere Betei­li­gun­gen danach aus, ob Thema, Team und Konstel­la­tion eine solide, nach­hal­tige Wert­stei­ge­rung mit hinrei­chen­der „Down­side-Protec­tion“ sicher­stel­len. Unsere Invest­ments orien­tie­ren sich an Grund­satz­trends wie Gesund­heit, Umwelt, Digi­ta­li­sie­rung, Sicher­heit oder Demo­gra­phie. Dabei legen wir neben attrak­ti­ver Rendite auch hohen Wert auf Verant­wor­tung und Nach­hal­tig­keit. Durch proprie­tär entwi­ckelte Betei­li­gun­gen, ein tiefes Verständ­nis für Märkte und Geschäfts­mo­delle, unse­ren Fokus auf profi­ta­bel wach­sende Geschäfte mit struk­tu­rel­lem Rücken­wind und einem „digi­ta­len Edge“ sowie Flexi­bi­li­tät in der Umset­zung schaf­fen wir die Basis für eine über­durch­schnitt­li­che Wert­stei­ge­rung. Themen, für die wir nicht über umfas­sende Erfah­rung sowie sehr gutes Judge­ment verfü­gen, verfol­gen wir nicht. Wir haben aufgrund unse­rer Struk­tur keiner­lei Druck, Gelder schnell inves­tie­ren, über­zo­gene Preise mitge­hen sowie struk­tu­rell oder vertrag­lich unvor­teil­hafte Kompro­misse einge­hen zu müssen. Die Unab­hän­gig­keit von jegli­chen Vorab-Verspre­chun­gen erlaubt eine wirk­lich freie, objek­tive und risi­ko­mi­ni­mie­rende Auswahl. Entschei­dend ist, dass unsere Co-Inves­to­ren Direkt­be­tei­li­gun­gen als Teil ihrer klas­si­schen Vermö­gens­ver­wal­tung begrei­fen. Ausfälle können wir uns in einer Deal-by-Deal Struk­tur nicht leis­ten, auch können wir non-Perfor­mer nicht wie in einem brei­ten Fonds durch das Port­fo­lio auffan­gen. Bisher sind wir deshalb nur eine Hand­voll Betei­li­gun­gen einge­gan­gen, von denen wir 100% über­zeugt waren und die sich seit­dem auch sehr gut entwi­ckeln u.a. in den Berei­chen Fahr­rä­der, Gesund­heit oder Digi­tal Health. Weiter­hin ist unse­ren Inves­to­ren wich­tig, in rich­tige, gesell­schaft­lich wünschens- und förde­rungs­werte Themen zu inves­tie­ren. Viele haben ihr Geld selbst unter­neh­me­risch verdient und wollen einen Teil ihres Erfolgs zurück­ge­ben, zukunfts­träch­tige Arbeits­plätze schaf­fen, Wachs­tum beför­dern und etwas zum Besse­ren wenden. Dafür suchen wir uns einen homo­ge­nen Inves­to­ren­kreis, der dieses Grund­ver­ständ­nis teilt — ganz primär rund um gleich­ge­sinnte Family Offices, Privat­per­so­nen und private Stif­tun­gen aus der DACH-Region. Neu hinzu­tre­tende Inves­to­ren tref­fen wir stets persön­lich und etablie­ren eine vertrau­ens­volle Bezie­hung, in der man sich kennt und schätzt. So können wir uns – von Unter­neh­mern zu Unter­neh­mern – auch über poten­zi­ell kriti­sche Entwick­lun­gen und Ausnah­me­si­tua­tio­nen wie Corona oder die Liefer­ket­ten­krise konstruk­tiv austau­schen, unplan­bare Chan­cen ergrei­fen und trag­fä­hige Wachs­tums­per­spek­ti­ven jenseits einer Quar­tals­zah­len­ori­en­tie­rung umset­zen. Unsere vertrag­li­chen Struk­tu­ren erlau­ben dafür — in Abstim­mung mit den Co-Inves­to­ren — ein hohes Maß an Flexi­bi­li­tät und stel­len sicher, dass wir nicht zur „Unzeit“ verkau­fen müssen – etwa weil sich eine Fonds­lauf­zeit dem Ende zuneigt oder ein Invest­ment das letzte ist, dessen Verbleib der Ausschüt­tung der Fonds­ren­dite im Wege steht. Über einzelne Betei­li­gun­gen wird in unse­rem Modell ausschließ­lich aus Sicht der Wert­ma­xi­mie­rung des jewei­li­gen Unter­neh­mens entschie­den und erwirt­schaf­tete Rendi­ten flie­ßen sofort – und nicht erst zum Ende der Fonds­lauf­zeit – an die Inves­to­ren zurück.   Über Dr. Tobias Sitte Seit 2016 Co-Foun­der & Mana­ging Part­ner der Alpha­ville Capi­tal GmbH & Co. KG. Von 2003–2016 bei Oliver Wyman GmbH, Part­ner (Berei­che Auto­mo­tive & Manu­fac­tu­ring, Digi­tal Indus­try, Opera­ti­ons & Supply Chain). 2000–2003 Lehr­stuhl für Stra­te­gi­sche Unter­neh­mens­füh­rung, LMU München (Prof. Dr. Dres. h.c. Werner Kirsch), wiss. Mitar­bei­ter: Promotion/ M.B.R.; Studium BWL & Poli­tik­wis­sen­schaf­ten, Alber­tus-Magnus-Univer­si­tät Regens­burg, ESC Rouen/ Frank­reich, LMU München. [email protected]

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