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FÜR UNTERNEHMER UND INVESTOREN

3 Fragen an kluge Köpfe

Das Investorenverhalten verändert sich — Nachhaltigkeitsfonds weiter im Kommen

Dazu 3 Fragen an Dr. Steffen Huth

BMH Betei­li­gungs-Manage­ment­ge­sell­schaft Hessen mbH
Weitere Inter­views
10. August 2022


Dazu 3 Fragen an Dr. Stef­fen Huth, Geschäfts­füh­rer der BMH Betei­li­gungs-Manage­ment­ge­sell­schaft Hessen mbH

1. Die BMH betei­ligt sich an Star­tups und KMUs in Hessen. Wie entwi­ckelt sich hier derzeit Ihr Umfeld?

In den letz­ten Jahren hat sich in Hessen eine zuneh­mende Dyna­mik im Start-up-Ökosys­tem gezeigt. Neben den bereits etablier­ten Start-up- und Scale-up-Hotspots der Repu­blik, zu denen inzwi­schen nicht mehr nur Berlin und Bayern zählen, weist auch das Bundes­land Hessen ein akti­ves Grün­der-Ökosys­tem auf: 6,5 Prozent aller deut­schen Start-ups haben ihren Haupt­sitz in Hessen. Spezi­ell das Rhein-Main-Gebiet nimmt mit seiner star­ken Bildungs­land­schaft und insbe­son­dere seinen knapp 25.000 Infor­ma­tik­stu­den­ten, dank derer die Grün­der­szene auf einen hoch­qua­li­fi­zier­ten Fach­kräf­te­pool zugrei­fen kann, eine zentrale Rolle in der Entwick­lung des hessi­schen Start-up-Ökosys­tem ein.

Neben der wach­sen­den Zahl von Privat­in­ves­to­ren steht auch das Land Hessen selbst seit vielen Jahren mit den durch die BMH Betei­li­gungs-Manage­ment­ge­sell­schaft Hessen verwal­te­ten Inno­va­ti­ons­fonds als Finan­zie­rungs­part­ner zur Verfü­gung. So hat Hessen in den letz­ten Jahren immer mehr Spit­zen­tech­no­lo­gien nach vorne gebracht und bietet sowohl im Seed- und Früh­pha­sen­be­reich als auch im Growth-Segment zahl­rei­che attrak­tive Perspek­ti­ven für inter­es­sierte Venture-Capi­tal-Inves­to­ren. Die BMH kann die Unter­neh­mens­ent­wick­lung mit ihrem Netz­werk und Eigen­ka­pi­tal, in Form verschie­de­ner von ihr betreu­ten Fonds, von der sehr frühen Seed-Phase, über die Start-up- bis hin zur Wachs­tums­phase vorantreiben.

2. Das Inves­to­ren­ver­hal­ten hat sich verän­dert. Woran liegt das?

Aktu­ell ist die Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft in neue Enga­ge­ments etwas gedämpft. Inves­to­ren halten die ihnen zur Verfü­gung stehen­den Mittel zurück, um damit gege­be­nen­falls ihr bereits bestehen­des Port­fo­lio zu stüt­zen und Ausfälle zu vermei­den. Auch auf der Seite der LPs, den großen insti­tu­tio­nel­len Geld­ge­bern für die Betei­li­gungs­fonds, besteht derzeit eine gewisse Zurück­hal­tung. Diese ist unter ande­rem auf die fest­ge­legte Allo­ka­tion ihrer zur Verfü­gung stehen­den Mittel auf die unter­schied­li­chen Asset-Klas­sen zurück­zu­füh­ren. Die Bewer­tun­gen der ande­ren Asset-Klas­sen, wie Aktien, Immo­bi­lien und Krypto, hat in den letz­ten Mona­ten teil­weise stark gelit­ten hat. Damit der Bereich Private Equity/Venture Capi­tal nun nicht über­ge­wich­tet wird, werden weni­ger Mittel für diese Kapi­tal­an­lage bereitgestellt.

Außer­dem hat sich der Inves­ti­ti­ons­fo­kus bei vielen Play­ern in der Betei­li­gungs­bran­che verän­dert, spezi­ell bei den Venture Capi­tal-Fonds. Den Grund dafür bilden die zahl­rei­chen, infolge des Ukrai­ne­kriegs aufge­tre­te­nen Heraus­for­de­run­gen. Die stark gestie­ge­nen Ener­gie­preise geben neue Anreize für Inno­va­tio­nen im Bereich der Ener­gie­er­zeu­gung und Ener­gie­ef­fi­zi­enz. Start-ups in den Berei­chen Greentech/ Clima­tech sind für Inves­ti­tio­nen wieder deut­lich inter­es­san­ter als dies noch vor ein paar Mona­ten der Fall war. Die Mehr­zahl der Inves­to­ren davon aus, dass diese Berei­che in Zukunft eine domi­nie­rende Rolle spie­len werden. Unter ande­rem wurde auch die Rele­vanz von Cyber­se­cu­rity durch die Eska­la­tion des Ukrai­ne­kriegs noch­mals unter­stri­chen, da Russ­land auch gegen West­eu­ropa folgen­rei­che Cyber­an­griffe durchführte.

3. Die BMH Hessen plant einen neuen Tech­no­lo­gie­fonds mit Nach­hal­tig­keits­fo­kus. Was macht für Sie einen Nach­hal­tig­keits­fonds aus?

Mit dem ange­spro­che­nen Fonds werden wir in viel­ver­spre­chende, wachs­tums­starke und inno­va­tive Start-ups bezie­hungs­weise Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men mit nach­hal­ti­gem Geschäfts­mo­dell inves­tie­ren. Für uns ist dabei beson­ders wich­tig, dass bei Inves­ti­tio­nen und Geld­an­la­gen neben der Rendite verstärkt soziale Aspekte und Nach­hal­tig­keits­an­for­de­run­gen im Vorder­grund stehen. Die Verpflich­tung, einen Bericht zur Corpo­rate Social Respon­si­bi­lity zu veröf­fent­li­chen, plant die EU zukünf­tig auf mehr Unter­neh­men auszu­wei­ten. Die Markt­teil­neh­mer müssen somit zukünf­tig neue Regu­la­to­rik berück­sich­tig­ten (z.B. EU-Taxo­no­mie, Offenlegungsvereinbarung).

Unab­hän­gig von rele­van­ten Regu­la­rien ist die Berück­sich­ti­gung von ESG-Krite­rien und die Vermei­dung von ESG-Risi­ken ein zentra­ler Bestand­teil des Betei­li­gungs­pro­zes­ses und des Port­fo­lio­ma­nage­ments des neuen Fonds. Unser Haupt­au­gen­merk liegt dabei auf den 17 von den Verein­ten Natio­nen veröf­fent­lich­ten Zielen für nach­hal­tige Entwick­lung, den Social Deve­lo­p­ment Goals. Die 17 Ziele decken mit 169 Unter­zie­len eine Viel­zahl von ökolo­gi­schen und sozia­len Krite­rien einer guten Unter­neh­mens­füh­rung ab.

 

Über Dr. Stef­fen Huth
Dr. Stef­fen Huth ist seit 2021 Geschäfts­füh­rer der BMH Betei­li­gungs-Manage­ment­ge­sell­schaft Hessen mbH. Vor seiner Tätig­keit für BMH Hessen war er für die Betei­li­gungs­ge­sell­schaft abacus alpha GmbH als Invest­ment Mana­ger tätig. Herr Dr. Huth ist Diplom-Kauf­mann, absol­vierte ein Zusatz­stu­dium an der Dong­bei Univer­sity of Finance & Econo­mics, VR China, und legte seine Promo­tion am Insti­tut für Mittel­stands­for­schung (ifm) an der Univer­si­tät Mann­heim ab.

Als 100-prozen­tige Toch­ter­ge­sell­schaft der Landes­bank Hessen-Thürin­gen Giro­zen­trale (Helaba) ist die BMH aktiv in die Wirt­schafts­för­de­rung des Landes Hessen einge­bun­den. Die mittel­stän­di­sche Betei­li­gungs- und Venture-Capi­tal-Gesell­schaft bündelt die öffent­li­chen Betei­li­gungs­in­ter­es­sen und Finan­zie­rungs­in­stru­mente für Frühphasen‑, Wachs­tums- und Mittel­stands­un­ter­neh­men in Hessen. BMH unter­stützt kleine mittel­stän­di­sche Unter­neh­men (KMUs) und Start-ups bei der Finan­zie­rung von Innovations‑, Forschungs- und Wachs­tums­vor­ha­ben, beim Unter­neh­mens­kauf- und ‑verkauf sowie bei der Umset­zung von Nachfolgeregelungen.

steffen.huth@bmh-hessen.de

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