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HTGF: Die Finanzierungslücke in der Wertschöpfungskette hat sich verschoben

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19. Juni 2019

Bonn — Bran­chen­über­grei­fend sind Exits entschei­dend. Aber trotz eini­ger attrak­ti­ver Betei­li­gungs­ver­käufe gehen Exper­ten davon aus, dass sich der Bott­len­eck ans Ende der Wert­schöp­fungs­kette verscho­ben hat.

Ein Beispiel: Sie nehmen Ihr Auto und fahren in den Urlaub ans Mittel­meer.  Sie haben alles gut vorbe­rei­tet. Sie machen sich keine Gedan­ken darüber, dass Ihr Auto weitere Tank­fül­lun­gen benö­ti­gen wird, damit Sie ihr Urlaubs­ziel errei­chen können. Denn Sie sind sicher, dass Sie genü­gend Tank­stel­len auf dem Weg finden werden.

Ganz anders bei Start-ups. Zum Zeit­punkt der Grün­dung ist Ihnen klar, dass Sie weitere finan­zi­elle Mittel benö­ti­gen werden, wenn Sie wach­sen wollen. Aber Sie kennen weder die Inves­to­ren der nächs­ten Runde noch wissen Sie, ob es über­haupt Inter­es­sen­ten für Ihre Idee gibt. Ein guter Seed-Inves­­tor wird sicher nicht die Erst­fi­nan­zie­rung täti­gen, solange er nicht daran glaubt, für die nächs­ten Unter­neh­mens­pha­sen weitere Inves­to­ren zu finden. Niemand will im soge­nann­ten Tal des Todes stecken blei­ben. Vor etwa zehn Jahren waren Seed-Inves­t­­ments der Bottle-Neck. Einige Jahre später stand zwar deut­lich mehr Seed-Kapi­­tal zur Verfü­gung, aber ohne global agie­rende Inves­to­ren waren bedeu­tende Wachs­tums­in­ves­ti­tio­nen kaum zu bekom­men. Und diese Inves­to­ren waren nicht leicht zu über­zeu­gen. Heute hat sich die Situa­tion deut­lich verbes­sert. Start-ups, die sich mit tech­nisch getrie­be­nen Inno­va­tio­nen beschäf­ti­gen, haben gute Chan­cen, in allen Phasen Geld für ihre Entwick­lung zu bekom­men. Größere Runden mit Volu­men über zehn Millio­nen Euro sind möglich. Aber dennoch scheint es aus Sicht einzel­ner Start-ups sehr anspruchs­voll zu sein, Zugang zu den rich­ti­gen Inves­to­ren zu bekommen.

Den rich­ti­gen Inves­tor auswählen
Deshalb ist es so wich­tig, gerade zu Beginn der Unter­neh­mens­ent­wick­lung den rich­ti­gen Inves­tor auszu­wäh­len. Dieser sollte in der Lage sein, die Türen zu ande­ren Inves­to­ren zu öffnen. Der Markt der Start-up-Finan­­zie­­rung ist sehr intrans­pa­rent. Ohne Kontakte bekom­men Sie kaum Zugang zu vermö­gen­den Privat­per­so­nen, Konzer­nen oder inter­na­tio­na­len Risi­ko­ka­pi­tal­fonds. Außer­dem müssen Sie hoch­qua­li­fi­ziert sein, denn ein Pitch vor Inves­to­ren unter­schei­det sich deut­lich von einem Sales Pitch. Vor allem geht es dabei um das Vertrauen in das Team. Im Hinblick auf zusätz­li­che Finan­zie­rungs­run­den müssen Sie zudem sicher­stel­len, dass Inves­to­ren die Möglich­keit haben, auch in Folge­run­den weiter inves­tie­ren zu können.

Die aktu­elle Finan­zie­rungs­si­tua­tion scheint in Ordnung zu sein. Wir sehen große Seed-Runden von über 10 Millio­nen Euro im Bereich der Arznei­mit­tel­ent­wick­lung und außer­or­dent­lich hohe Inves­ti­tio­nen in Deep-Tech- und Soft­­ware-Unicorns. Es ist nicht nur der Vision Fund, der mit seinen Invest­ments in AUTO1 und Get Your Guide neue Leucht­türme im euro­päi­schen Ökosys­tem für Start-ups geschaf­fen hat. Es finden viele bedeu­tende Finan­zie­rungs­run­den statt. So konn­ten die HTGF-Port­­fo­­li­oun­­­ter­­neh­­men allein im Jahr 2018 mehr als 120 Folge­fi­nan­zie­rungs­run­den mit einem Volu­men von rund 400 Millio­nen Euro abschließen.

Die Situa­tion ist jedoch von Sektor zu Sektor verschie­den. Wenn Sie mit Ihrem Elek­tro­auto ans Mittel­meer fahren wollen, werden Sie vorab sorg­fäl­tig über Lade­sta­tio­nen nach­den­ken. Mögli­cher­weise ändern Sie sogar Ihr Ziel, da es dort keine Lade­mög­lich­kei­ten gibt. Wenn Sie ein Unter­neh­men in der Chemie­bran­che grün­den, werden Sie wahr­schein­lich erheb­li­che Finan­zie­rungs­pro­bleme haben, um Ihre Produk­ti­ons­an­la­gen von Pilot- auf Demons­tra­ti­ons­an­lage oder auf den Indus­trie­stan­dard zu erwei­tern. Diese Scale-up-Inves­­ti­­ti­o­­nen werden als unsexy ange­se­hen. Daher werden hier hoch­spe­zi­fi­sche Invest­ment­fonds benö­tigt. Diese Fonds müssen quali­fi­zierte Inves­to­ren sein, die einer­seits Geld beisteu­ern, ande­rer­seits auch über Fach­wis­sen und ein Netz­werk zu ande­ren Inves­to­ren verfügen.

Bran­chen­über­grei­fend sind attrak­tive Exits entschei­dend, denn Inves­to­ren suchen hohe Rendi­ten und lassen sich von guten Erfolgs­ge­schich­ten inspi­rie­ren. Trotz eini­ger attrak­ti­ver Betei­li­gungs­ver­käufe gehen Exper­ten davon aus, dass der Bottle-Neck sich an das Ende der Wert­schöp­fungs­kette verscho­ben hat. Die meis­ten mitt­le­ren und großen Unter­neh­men inter­es­sie­ren sich zuneh­mend für High-Tech-Start-ups, sie zeigen aber wenig Moti­va­tion, diese auch für eine attrak­tive Bewer­tung zu kaufen. Die großen Unter­neh­men in Deutsch­land führen zwar ihre Fusio­nen und Über­nah­men profes­sio­nell durch, konzen­trie­ren sich aber haupt­säch­lich auf profi­ta­ble, ertrags­starke Unter­neh­men. Start-ups werden von loka­len Käufern oft unter­be­wer­tet oder in vielen Fällen von Ameri­ka­nern oder Asia­ten gekauft, die ein Premium für gute deut­sche Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men zahlen. Um diese Situa­tion zu verbes­sern, brau­chen wir mehr Erfolgs­ge­schich­ten, die uns Bench­marks und Peers liefern. Der beste Weg, diese Leucht­türme zu schaf­fen, ist die Börse.

Börsen­gang
Initial Public Offe­rings (IPOs) von High-Tech-Start-ups sind jedoch nicht möglich oder nicht attrak­tiv genug, da die euro­päi­schen Börsen zu wenig Liqui­di­tät für Tech-IPOs bieten. Ein Grund dafür ist, dass wir in Europa rund 30 Börsen haben, die mitein­an­der um die Liqui­di­tät konkur­rie­ren, während es in China und den USA nur zwei bzw. drei Börsen­plätze gibt, die somit über große Liqui­di­tät verfügen.

Zum Zeit­punkt an dem ein deut­sches Biotech-Start-up im Wert von rund 40 Millio­nen Euro an einer euro­päi­schen Börse fast verhun­gert, hat das Münch­ner Biotech-Unter­­neh­­men Immu­nic einen Reverse Take­over abge­schlos­sen, um im April 2019 an der NASDAQ notiert zu werden. Immu­nic wird in Kürze weitere klini­sche Daten präsen­tie­ren, so dass sie sehr gute Aussich­ten haben, weitere Mittel für die nächs­ten Entwick­lungs­stu­fen ihrer Medi­ka­mente – mit einem Markt­vo­lu­men von jeweils über einer Milli­arde Dollar – aufzu­brin­gen. Dies war eine extrem clevere und unter­neh­me­ri­sche Trans­ak­tion, die uns lehrt: Solange wir keinen star­ken Markt­platz für Tech­­no­­lo­­gie-Start-ups in Europa haben, müssen wir uns inten­si­ver mit ande­ren Ökosys­te­men verbin­den, um den verblei­ben­den Engpass in der Wert­schöp­fungs­kette, die Exits, zu beseitigen.

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