Grusswort | Oscar Jazdowski General Manager der Silicon Valley Bank Germany

Oscar Jazdowski, General Manager der Silicon Valley Bank Germany

    Innovationsstandort Deutschland – noch vor zehn Jahren hätte man diese Worte fast ausschließlich mit der deutschen Autoindustrie, einigen Großkonzernen oder eventuell noch vereinzelten Leuchtturmprojekten des hiesigen Mittelstands in Verbindung gebracht. Seitdem hat sich in Bezug auf innovative Unternehmen in Deutschland das Spektrum jedoch enorm gewandelt: Beispiele erfolgreicher Digital-Unternehmen, visionärer Tech-Pioniere und fortschrittlicher Lösungen entdeckt man jetzt nicht mehr nur vereinzelt. Innovative Unternehmen, bahnbrechende Ideen und skalierbare Geschäftsmodelle lassen sich in vielen Branchen finden, ganz gleich ob im FinTech-, HealthTech- oder FoodTech-Sektor, in der Robotik, dem M- oder E-Commerce oder in der Software- oder Hardware-Entwicklung.

    Und auch die aktuellsten Zahlen für 2018 sprechen für sich: Deutschland verzeichnete im europäischen Vergleich hinter Großbritannien die höchsten Startup-Investitionen. Allein im ersten Halbjahr 2018 flossen 2,4 Milliarden Euro Risikokapital in deutsche Unternehmen. Eine ganze Reihe von erfolgreichen Wachstumsunternehmen schaffte es gar, sich dem illustren Kreis der deutschen Unicorns – Unternehmen, die eine Marktbewertung von mehr als einer Milliarde Dollar erzielen – anzuschließen. Zu den etablierten Einhörnern wie Vorzeige-Unternehmen wie HelloFresh, Delivery Hero und Auto1 gesellten sich in 2018 unter anderem der Hamburger Online-Modehändler About You, der Münchner Software-Anbieter Celonis und der Fernbusanbieter Flixbus. Der Berliner Online-Möbelhändler Home24 und der Münchner Online-Händler für Interior Design Westwing sorgten währenddessen mit spektakulären IPOs für Aufsehen. Mit Wirecard war im August 2018 ein Münchner FinTech an der Börse sogar erstmals mehr wert als die deutschen Banken.

    Ein Grund sich zufrieden zurückzulehnen? Nicht ganz. Obwohl der Trend in die richtige Richtung geht, weisen die Zahlen bei genauerem Hinsehen eine Lücke in der Investment-Landschaft auf: Betrachtet man die Frühstadien-Finanzierung an, so ist dieser Bereich vergleichsweise gut aufgestellt. Die Häufigkeit der Finanzierungen nimmt kontinuierlich zu – teilweise angetrieben durch staatliche oder private Accelerator-Programme oder auch Dank spezialisierter Investment-Arme von Banken. Doch trotz der soliden Verfügbarkeit von Seed-Investitionen sind nur wenige nationale Fonds in der Lage, im nächsten Schritt Investitionen über fünf Millionen Euro zu stemmen. Förderrunden mit großen Tickets, die die Summe von zehn Millionen Euro übersteigen, werden zumeist von ausländischen Investoren geführt. Die Finanzierung über Venture Debt-Kapital bietet eine Lösung für die beschriebene Finanzierungslücke. Bislang ist das Konzept in Deutschland noch unterrepräsentiert: Unternehmen erhalten ein festverzinsliches Darlehen, das in den meisten Fällen als Kapitalspritze für Investitionen, geplante Übernahmen oder Expansionen genutzt wird. Der Vorteil an dieser Investitionsart besteht darin, dass die Gründer kaum Firmenanteile abgeben müssen.

    Was ist notwendig, um die beschriebene Finanzierungslücke zu füllen und Venture Debt auch endlich in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen? Aus unserer Sicht spielen hier vor allem drei Parameter eine wichtige Rolle.

    Erfahrung & Branchen-Know-how sind das Fundament, denn kein Unternehmen wächst genau nach Plan, kein Business lässt sich mit einem anderen vergleichen. Worauf es in Sachen Finanzierungen also vor allem ankommt, sind jahrelange Erfahrung und breites Branchen-Know-how. Aufgrund unserer Wurzeln im Silicon Valley besitzt die SVB zum Beispiel einen klaren Technologie-Fokus. – Technologie- und Digitalthemen sind tief in unserer DNA verwurzelt. Wir blicken auf über 35 Jahre Erfahrung zurück, in denen wir innovative Unternehmen, Konzerne und deren Investoren dabei unterstützen, mutige Ideen schnell voranzubringen. Über 2.400 Mitarbeiter unterstützen in 15 US-Bundesstaaten und sechs Ländern – USA, Großbritannien, Irland, China, Israel und Deutschland – mit ihrem Knowhow die jeweilige Innovationswirtschaft.

    Netzwerke sind der zweite wichtige Faktor. Oft sind es die persönlichen Kontakte, die ein Unternehmen wirklich weiterbringen – die Querverbindungen im eigenen Netzwerk und das Zusammenbringen und gegenseitige Vorstellen der richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt. Weltweit zählen wir als Silicon Valley Bank über 24.000 Technologie- und Life Science-Kunden. Rund die Hälfte aller VC-gestützten Technologie- und Life Science-Unternehmen in den USA sind Kunden, hinzu kommen zahlreiche VC-Firmen. 54 Prozent der US-amerikanischen Venture-Capital gestützten börsennotierten Unternehmen waren 2017 SVB-Kunden. 94 Prozent aller von uns vergebenen Venture Debts gehen – gemessen am Volumen – an größere Unternehmen. Was uns demzufolge vor allem auszeichnet, sind unser globales Netzwerk und guten Beziehungen zu allen Playern der Branche, sowohl zu den Unternehmen als auch zu ihren (potenziellen) Investoren.

    Der vielleicht wichtigste der drei Punkte ist ein Wert, der sich im Gegensatz zur jahrelangen Erfahrung oder den Kontakten im Netzwerk nicht in Zahlen messen lässt:  Vertrauen. Als Fremdkapitalgeber haben wir ein anderes Verständnis für Risikoeinschätzungen und sind dadurch in der Lage, auf Augenhöhe mit den Unternehmen zu kommunizieren. Dieses Verständnis und unsere differenzierte Risiko-Affinität resultieren aus unserem spezifischen Fokus, unserem breiten internationalen Netzwerk und dem über Jahrzehnte gewachsenes Branchen-Knowhow. Basierend darauf können wir die Ziele, Bedürfnisse und Risikostrukturen innovativer Tech-Unternehmen en detail verstehen und entsprechend unterstützen.

    Ich hoffe, durch unseren Markteintritt den Wettbewerb stark zu motivieren und dafür zu sorgen, dass sich Venture Debt auch hierzulande zu einem nachhaltigen Finanzierungstool entwickelt. Es bleibt spannend, wohin sich der Innovationsstandort Deutschland in den nächsten zehn Jahren entwickeln wird und ich hoffe auf zahlreiche innovative AR/VR-, Robotik-, HealthTech-, FinTech-, Soft- und Hardware-Unternehmen “Made in Germany”.

    Ich wünsche allen Lesern des Financial Year Book 2019 eine spannende Lektüre!

    Oscar Jazdowski

    Gerne können Sie den Artikel im FYB-Webshop ordern:

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