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FYB 2021

Inner­halb kürzes­ter Zeit hat die COVID-19-Pande­­mie unsere Welt komplett aus den Fugen geho­ben. Die gravie­ren­den Maßnah­men zur Eindäm­mung der Pande­mie haben zu massi­ven Verwer­fun­gen an den Finanz­märk­ten und verhee­ren­den Folgen für die Wirt­schaft geführt. Auch auf dem globa­len Private Equity-Markt hat die COVID-19-Krise einen signi­fi­kan­ten Einfluss. Die Fonds­ma­na­ger stehen vor großen Heraus­for­de­run­gen beim Manage­ment bestehen­der Port­fo­lios, vor allem aber beim Abschluss neuer Trans­ak­tio­nen und dem Fund­rai­sing, was sich deutlich
in den Zahlen bemerk­bar macht. Doch die Private Equity Bran­che ist krisen­er­probt und hat sich bereits in der globa­len Finanz­krise und der Dotcom-Krise durch­aus wider­stands­fä­hig gezeigt. Und auch jetzt stehen die Zeichen gut, dass Private Equity Invest­ments der Krise trot­zen und Anlass für vorsich­ti­gen Opti­mis­mus geben.

Für eine verläss­li­che Einschät­zung der Auswir­kun­gen der COVID-19-Krise auf den Private Equity-Markt ist es zum jetzi­gen Zeit­punkt noch zu früh, aber eine erste Zwischen­bi­lanz lässt sich durch­aus ziehen. Knapp ein halbes Jahr nach dem Lock­down zeigen sich die Auswir­kun­gen der Corona-Krise deut­lich in den Port­fo­lien. Die Pande­mie hat Unter­neh­men unter­schied­li­cher Bran­chen ungleich hart getrof­fen. Während Firmen der Berei­che Tech­no­lo­gie, Soft­ware und Gesund­heits­we­sen klar als Profi­teure aus der Krise hervor­ge­hen, sind vor allem Firmen aus den
Berei­chen Touris­mus, Gastro­no­mie, Einzel­han­del und der Live-Enter­­tain­­ment-Indus­­trie Opfer der Pande­mie. Sie muss­ten aufgrund der Lock­­down-Maßnah­­men teil­weise komplett ohne Umsätze auskommen.

Doch die Fonds­ma­na­ger haben in der Krise sehr schnell reagiert und ihre Port­fo­li­oun­ter­neh­men opera­tiv und finan­zi­ell unter­stützt, sodass aktu­ell noch keine hohen Ausfall­ra­ten bei Buyout-Tran­s­ak­­ti­o­­nen sicht­bar sind.

Ernüch­te­rung im zwei­ten Quartal
Das Analy­se­h­aus Preqin schätzt, dass das Dry Powder-Volu­­men im Juni 2020 circa 1,5 Bio. US-Dollar betra­gen hat und für viele Fonds­ma­na­ger einen entspre­chen­den Anla­ge­druck erzeugt. Gleich­zei­tig ist die künf­tige wirt­schaft­li­che Entwick­lung in vielen Indus­trien noch unge­wiss, so dass Geschäfts­pläne schwer prognos­ti­zier­bar sind. Diese Risi­ken haben einen nega­ti­ven Effekt auf die Finan­zie­rung und Bewer­tung von Unter­neh­men, was wiederum zur Folge hat, dass nur wenige Verkäu­fer Unter­neh­men an den Markt brin­gen. Vor diesem Hinter­grund ist es nicht über­ra­schend, dass die Zahl der Buyout-Deals im zwei­ten Quar­tal 2020 drama­tisch zurück­ging und eines der nied­rigs­ten Niveaus der letz­ten Jahre verzeich­nete. Da jedoch viele Deals in den vergan­ge­nen Mona­ten zunächst auf Eis gelegt wurden, besteht berech­tigte Hoff­nung, dass im zwei­ten Halb­jahr wieder Bewe­gung in den Trans­ak­ti­ons­markt kommen dürfte – voraus­ge­setzt, die Pande­mie schlägt nicht erneut zu. Viele Private Equity-Häuser zeigen sich bereits wieder offen für neue Trans­ak­tio­nen und beob­ach­ten sehr genau das Markt­ge­sche­hen. Im Fokus stehen vor allem Unter­neh­men mit gesun­dem Geschäfts­mo­dell, die sich in der COVID-19-Krise stabil behaup­ten bzw. jene, die grund­sätz­lich solide aufge­stellt sind, jedoch tempo­rär in Liqui­di­täts­not geraten.

Auch im Fund­rai­sing ist die COVID-19-Krise deut­lich spür­bar: Das Fund­rai­­sing-Volu­­men im ersten Halb­jahr 2020 fiel im Vergleich zum Vorjahr aufgrund eines sehr schwa­chen zwei­ten Quar­tals (ledig­lich 116 Mrd. US-Dollar) von 926 Mrd. USDol­lar auf 884 Mrd. US-Dollar. Welt­weit haben nur 225 Fonds – wovon sich 116 auf Nord­ame­rika und 45 auf Europa konzen­trie­ren – ihr Fund­rai­sing abge­schlos­sen, was den nied­rigs­ten von Preqin gemes­se­nen Wert seit 2015 darstellt. Gleich­zei­tig benö­tig­ten die Fonds­ma­na­ger im Vergleich zum Vorjahr länger, um ihre Fonds zu
schließen.

Histo­risch stabile Nettorenditen
Preqin bezif­fert den Median der jähr­li­chen Netto­ren­di­ten von analy­sier­ten Private Equity-Fonds seit 2000 auf 10 % bis 15 %. Dies macht Private Equity nach wie vor zu einer der erfolg­reichs­ten Anla­ge­klas­sen, welche vor allem im derzei­ti­gen Nied­rig­zins­um­feld attrak­tive Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten für Inves­to­ren bietet. So sind die im Bereich Buyout verwal­te­ten Vermö­gen seit 2009 konti­nu­ier­lich ange­stie­gen und haben im Dezem­ber 2019 die Marke von 4,5 Bio. US-Dollar über­schrit­ten. Durch die poten­zi­ell zuneh­mende Diskre­panz zwischen der Rendite unterschiedlicher
Fonds­ma­na­ger wird die Selek­ti­vi­tät im Auswahl­pro­zess der Inves­to­ren an Rele­vanz deut­lich zuneh­men. Zudem sind Inves­to­ren in Zeiten erhöh­ter Unsi­cher­heit gewillt, gerin­gere Risi­ken einzu­ge­hen, was sich bereits in einem verstärk­ten Inter­esse an Secon­da­ries widerspiegelt.

Lehre aus den vergan­ge­nen Krisen
Die vergan­ge­nen Krisen haben uns gelehrt, dass zum einen kurz­fris­tig Neutrans­ak­tio­nen und Abver­käufe durch die Krise verzö­gert werden, so dass sich die Kapitalabrufgeschwindigkeit
verlang­sa­men und die Halte­dau­ern verlän­gern werden. Zum ande­ren haben sich die Jahre nach großen Krisen als sehr gute Inves­ti­ti­ons­jahr­gänge erwie­sen und Private Equity-Tran­s­ak­­ti­o­­nen eine sehr gute Resi­li­enz gegen wirt­schaft­li­che Heraus­for­de­run­gen gezeigt. Beides kann als Indi­ka­tor für die zukünf­tige Entwick­lung dienen. In der Finanz­krise 2008/2009 zeich­ne­ten sich
bereits nach circa 12 bis 18 Mona­ten nach Krisen­ein­tritt signi­fi­kante Erho­lun­gen ab. Die Bewer­tun­gen erreich­ten nach knapp zwei Jahren wieder das Vorkri­­sen-Niveau. Analy­sen bele­gen, dass Fonds, die in wirt­schaft­li­chen Krisen­zei­ten ihre ersten Invest­ments getä­tigt haben, zu denje­ni­gen gehö­ren, die schließ­lich eine beson­ders gute Perfor­mance erwirt­schaf­ten. Mit ande­ren Worten, gerade die in Krisen­zei­ten gezeich­ne­ten Top-Fonds haben von den in der Krise gefal­le­nen Unter­neh­mens­be­wer­tun­gen profi­tiert und damit die Grund­lage für den künf­ti­gen Erfolg ihrer Inves­ti­ti­ons­tä­tig­keit gelegt.

Guter Zeit­punkt für Private Equity
Nach einer anfäng­li­chen Schock­starre stehen die Zeichen gut, dass der Private Equity-Markt gestärkt aus der Krise hervor­geht. Anle­ger, denen an der Rendite ihrer Invest­ments gele­gen ist, soll­ten daher den Aufbau ihrer Private Equity-Allo­­ka­­tion voran­trei­ben, um die Vorzüge der Nach­­­kri­­sen-Vinta­­ges auszu­kos­ten. Hinzu kommt, dass das Nied­rig­zins­um­feld aufgrund der massi­ven Neuver­schul­dung vieler Länder in der COVID-19-Krise voraus­sicht­lich noch einige Jahre vorherr­schen wird. Gleich­zei­tig dürf­ten einige Inves­to­ren jüngst erst wieder schmerz­haft die Vola­ti­li­tät der Akti­en­märkte zu spüren bekom­men haben. All dies dürfte dazu führen, dass sich der Trend zu Alter­na­ti­ven Anla­gen wie Private Equity Invest­ments weiter verste­ti­gen wird.

Golding Capi­tal Part­ners ist seit nunmehr fast 20 Jahren im Private Equity-Markt tätig und hat die vergan­ge­nen Krisen erfolg­reich gemeis­tert. Die COVID-19-Krise stellt auch uns vor beson­dere Heraus­for­de­run­gen. Die letz­ten Wochen mit unzäh­li­gen Gesprä­chen mit unse­ren Fonds­ma­na­gern, Inves­to­ren und ande­ren Markt­teil­neh­mern haben uns aber wieder ganz deut­lich gemacht, worauf es ankommt: lang­jäh­rige Erfah­rung, hohe Kompe­tenz, ein leiden­schaft­li­ches Team sowie gute, lang­fris­tige und vor allem vertrau­ens­volle Beziehungen.

Auch das FYB Finan­cial Year­Book Germany ist seit vielen Jahren eine feste Größe in der Private Equity-Bran­che und stellt eine wert­volle Kommu­ni­ka­ti­ons­platt­form für die Finanz­in­dus­trie dar, die auch im großen Kreis unse­rer insti­tu­tio­nel­len Kunden sehr geschätzt wird. Wir freuen uns, in der aktu­el­len Ausgabe FYB Finan­cial Year­Book Germany 2021 wieder unter­stüt­zend dabei zu sein und wünschen allen eine inter­es­sante Lektüre.

Jeremy P. Golding

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