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Editorial 2020 | Familienkapital – Vom Wert der Werte

Foto: Florian Schick
FYB 2020

Fami­lienkap­i­tal – Vom Wert der Werte

Der deutsche Mittel­stand wird gern als „Rück­grat der Wirtschaft“ beze­ich­net. Zu Recht, denn vor allem Fami­lienun­ternehmen, darunter viele Hidden Cham­pi­ons, prägen unseren Wirtschafts­stan­dort, der dafür weltweit benei­det wird: 90% der deutschen Unternehmen sind in Fami­lien­hand, sie stehen für knapp 60% der Beschäftigten im privaten Sektor und für mehr als die Hälfte des Gesam­tum­satzes. Und je nach Erhe­bung gibt es in der Bundesre­pub­lik bis zu 1.500 stolze Welt­mark­t­führer. Eines der Erfol­gs­ge­heimnisse deutscher Fami­lienun­ternehmen ist mit Sicher­heit das starke Wertesys­tem, dessen Funda­ment auf Langfristigkeit und Nach­haltigkeit beruht. Dazu gehören Ehrgeiz, weit­sichtiges Wirtschaften und eine vorauss­chauende Planung ebenso wie der Wunsch, das Lebenswerk für die nach­fol­gen­den Gener­a­tio­nen zu bewahren. Nicht kurzfristiges Wach­s­tum und Prof­it­streben, sondern die möglichst lange erfol­gre­iche Exis­tenz des Unternehmens stehen im Vorder­grund. Eng damit verwoben ist die oft feste Verwurzelung in der Heima­tre­gion – Tradi­tions­be­wusst­sein, Mitar­beit­er­wohl und gesellschaftliches Engage­ment spie­len auch in Zeiten glob­aler Expan­sion nach wie vor eine gewichtige Rolle. Zusät­zlich sind es entge­gen landläu­figer Mein­ung gerade Fami­lienun­ternehmen, die beson­ders viel in Inno­va­tion investieren und moderne Arbeitsmod­elle organ­isieren, denn immer­hin müssen Spitzen­re­iter ihrem Anspruch der führen­den Mark­t­po­si­tion immer wieder neu gerecht werden.

Doch wer erfol­gre­ich am Markt und vor allem gegen zahlre­iche neue glob­ale Risiken beste­hen will, braucht Kapi­tal und Know-how. So gut wie alle Fami­lienun­ternehmen müssen heute strate­gis­che Heraus­forderun­gen proak­tiv ange­hen: Digi­tal­isierung, Expan­sion und Inter­na­tion­al­isierung, Talent­man­age­ment und Qual­i­fizierung, Produk­ten­twick­lung, Diver­si­fika­tion und Marke­naus­bau. In dieser Situ­a­tion sind Beteili­gungs­ge­sellschaften als Part­ner des Mittel­stands bei Nach­folge und Wach­s­tum heute gefragter und ange­se­hener als noch vor eini­gen Jahren. Fami­lienun­ternehmen sind aber zu Recht sehr selek­tiv darin, mit wem sie sich zusam­men­tun und verkaufen auch angesichts von Höch­st­stän­den bei der Bewer­tung nicht um jeden Preis. Die Chemie muss stim­men. Ebenso die Perspek­tive und die Wirkung nach innen wie nach außen. Denn für viele Inhaber sind ihre Firmen ein enormer emotionaler Wert für die Fami­lie und die lokale Gemein­schaft, der durch eine vermeintlich gesicht­slose Finanzwelt in Gefahr gebracht werden könnte. Weil oft der Verkauf an einen Strate­gen wegen des Verlusts der Eigen­ständigkeit auch keine Option ist, sind sehr viele Eigen­tümer auf der Suche nach einem Part­ner, der ein ähnliches Verständ­nis von Nach­haltigkeit und Verant­wor­tungs­be­wusst­sein hat und die Zukun­fts­fähigkeit des Unternehmens erre­ichen will.

Dialog und Verständ­nis

Family Offices sind schon lange neben insti­tu­tionellen Inve­storen die wichtig­sten Geldge­ber klas­sis­cher Beteili­gungs­fonds, haben sich entsprechend profes­sion­al­isiert und treten seit eini­gen Jahren vermehrt als auch Direk­t­in­ve­storen am Markt auf. Für sie sind direkte Investi­tio­nen Teil ihres Fami­lienethos, im Sinne des eige­nen Unternehmergeists und einer engen Verbindung zum gemein­samen Vermö­gen.

In Deutsch­land sind mittler­weile gut 25 große Fami­lien aktiv, die in Sachen profes­sioneller Organ­i­sa­tion von der Suche bis zur Begleitung ihrer Port­fo­li­o­gesellschaften und ihrem Grad an Aktiv­ität den herkömm­lichen Fonds­ge­sellschaften in nichts nach­ste­hen. Ihr Fami­lienkap­i­tal hat in der Regel einen sehr unternehmerischen und werte­ori­en­tierten Hinter­grund und kann ohne den sonst üblichen raschen Rendit­e­druck langfristig investiert werden. Der oftmals entschei­dende Plus­punkt bei der Wahl von Unternehmern also: Fami­lien fällt es leichter, die DNA von Fami­lien zu erken­nen. Sie sprechen mit Firmen­grün­dern und Managern auf Augen­höhe und kennen Lust und Last, ein Unternehmen zu lenken.

Kapi­tal und Part­ner­schaft

Eine Fami­lie, deren unternehmerische Ursprünge in die Mitte des 19. Jahrhun­derts zurück­re­ichen und die sich bere­its seit fast 20 Jahren auch im Beteili­gungs­geschäft engagiert, ist die Fami­lie Bren­ninkmei­jer. Ihre COFRA Hold­ing umfasst unter anderem das Textil­han­del­sun­ternehmen C&A, den Immo­­bilien-Manager Rede­vco, Anthos Fund & Asset Manage­ment und die Gruppe Bregal Invest­ments – diese bündelt Beteili­gungs­ge­sellschaften in Europa und Nordamerika. Die 2015 gestartete Bregal Unternehmerkap­i­tal konzen­tri­ert sich dabei auf Beteili­gun­gen an Mittel­ständlern im deutschsprachi­gen Raum.

Der deutsche Arm des Fami­lien­in­vestors betreut derzeit rund 2,5 Milliar­den Euro (Assets under Manage­ment), wovon 1,2 Milliar­den Euro für neue Beteili­gun­gen zur Verfü­gung stehen. Mit seinem mittler­weile zweiten Fonds hat sich Bregal Unternehmerkap­i­tal bere­its zu einem der aktivsten Mittel­standsin­ve­storen in der DACH-Region entwick­elt. Rund 80% der bish­eri­gen Beteili­gun­gen von Bregal Unternehmerkap­i­tal waren soge­nan­nte Primaries – also erst­ma­lige bzw. direkte Anteilsverkäufe von Firmenin­hab­ern. Für diese spielte die Kombi­na­tion aus dem tradi­tion­sre­ichen Wertesys­tem eines über Gener­a­tio­nen gewach­se­nen Fami­lienun­ternehmens, der Fähigkeit zu komplexen, langfristi­gen und maßgeschnei­derten Direk­t­beteili­gun­gen sowie strate­gis­chem Know-how die entschei­dende Rolle.

Denn neben geduldigem, von Finanzmärk­ten unab­hängigem Kapi­tal bietet Bregal einen beson­ders hohen kaufmän­nisch-ethis­chen Anspruch, ein erfahrenes Team mit ausgewiesener Wert­steigerungskom­pe­tenz und einen priv­i­legierten Zugang zu einem inter­na­tionalen Netzw­erk aus 1.900 Top-Managern und Unternehmern. In Erst­ge­sprächen geht es daher sehr schnell neben Preis- und Prozessver­hand­lun­gen um einen offe­nen Dialog darüber, wie Bregal Unternehmen helfen kann, diese zu trans­formieren und für zukün­ftige Gener­a­tio­nen zu schützen. Die eigentliche Konstel­la­tion ist dabei fast schon sekundär: Bregals Flex­i­bil­ität bei der Beteili­gungsstruk­tur ermöglicht es, Mehrheits- und Minder­heits­beteili­gun­gen, reine eigenkap­i­­tal- oder banken­fi­nanzierte Anteil­skäufe vorzunehmen. Mitunter kommt es im Prozess auch vor, dass sich aus einem ursprünglich vom Unternehmer angedachten Minder­heitsverkauf mehr entwick­elt.

Gemein­sam zum Ziel

Bregal Unternehmerkap­i­tal geht Beteili­gun­gen nur ein, wenn ein vertrauenswürdi­ger Dialog entste­hen konnte und ein gemein­sames Verständ­nis über ihren Wert­beitrag besteht. Dabei spielt das Manage­ment eine zentrale Rolle – die Führung des Port­fo­lioun­ternehmens investiert auf Augen­höhe mit Bregal in Unternehmen und wird so Anteil­seigner; die Manager von Bregal wiederum sind eben­falls in den Beteili­gungs­fonds engagiert und damit ihren Investi­tio­nen noch einmal beson­ders verbun­den. Mit geduldigem Kapi­tal, unternehmerischem Handeln und part­ner­schaftlichem Denken stehen bei Bregal der Erfolg der Beteili­gun­gen und das Erre­ichen nach­haltiger Werte im Mittelpunkt – ganz im Sinne eines hohen Fami­lienethos.

Privates Beteili­gungskap­i­tal und insbeson­dere geduldiges Fami­lienkap­i­tal können die Erfol­gsaus­sichten also deut­lich erhöhen und den Bestand eines Unternehmens langfristig sich­ern. Profes­sionelle Fami­lien­in­ve­storen sind in diesem Zusam­men­hang gekom­men, um zu bleiben. Mit ihren Werten, Struk­turen und Spiel­regeln werden sie die Beteili­gungs­land­schaft weiter nach­haltig prägen. Ihrer steigen­den Bedeu­tung im deutschen Markt trägt das Finan­cial Year­book mit der vorliegen­den Ausgabe für das Jahr 2020 Rech­nung und führt für sie erst­mals eine neue Mark­t­teil­nehmer-Kate­­gorie ein.

 

Viel Freude beim Lesen und Nach­schla­gen im FYB 2020!

 

Florian Schick

 

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