Editorial | Florian Schick Vorsitzender der Geschäftsführung bei Bregal Unternehmerkapital

Florian Schick, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Bregal Unternehmerkapital

    Familienkapital – vom Wert der Werte

    Der deutsche Mittelstand wird gern als „Rückgrat der Wirtschaft“ bezeichnet. Zu Recht, denn vor allem Familienunternehmen, darunter viele Hidden Champions, prägen unseren Wirtschaftsstandort, der dafür weltweit beneidet wird: 90% der deutschen Unternehmen sind in Familienhand, sie stehen für knapp 60% der Beschäftigten im privaten Sektor und für mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes. Und je nach Erhebung gibt es in der Bundesrepublik bis zu 1.500 stolze Weltmarktführer. Eines der Erfolgsgeheimnisse deutscher Familienunternehmen ist mit Sicherheit das starke Wertesystem, dessen Fundament auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit beruht. Dazu gehören Ehrgeiz, weitsichtiges Wirtschaften und eine vorausschauende Planung ebenso wie der Wunsch, das Lebenswerk für die nachfolgenden Generationen zu bewahren. Nicht kurzfristiges Wachstum und Profitstreben, sondern die möglichst lange erfolgreiche Existenz des Unternehmens stehen im Vordergrund. Eng damit verwoben ist die oft feste Verwurzelung in der Heimatregion – Traditionsbewusstsein, Mitarbeiterwohl und gesellschaftliches Engagement spielen auch in Zeiten globaler Expansion nach wie vor eine gewichtige Rolle. Zusätzlich sind es entgegen landläufiger Meinung gerade Familienunternehmen, die besonders viel in Innovation investieren und moderne Arbeitsmodelle organisieren, denn immerhin müssen Spitzenreiter ihrem Anspruch der führenden Marktposition immer wieder neu gerecht werden.

    Doch wer erfolgreich am Markt und vor allem gegen zahlreiche neue globale Risiken bestehen will, braucht Kapital und Know-how. So gut wie alle Familienunternehmen müssen heute strategische Herausforderungen proaktiv angehen: Digitalisierung, Expansion und Internationalisierung, Talentmanagement und Qualifizierung, Produktentwicklung, Diversifikation und Markenausbau. In dieser Situation sind Beteiligungsgesellschaften als Partner des Mittelstands bei Nachfolge und Wachstum heute gefragter und angesehener als noch vor einigen Jahren. Familienunternehmen sind aber zu Recht sehr selektiv darin, mit wem sie sich zusammentun und verkaufen auch angesichts von Höchstständen bei der Bewertung nicht um jeden Preis. Die Chemie muss stimmen. Ebenso die Perspektive und die Wirkung nach innen wie nach außen. Denn für viele Inhaber sind ihre Firmen ein enormer emotionaler Wert für die Familie und die lokale Gemeinschaft, der durch eine vermeintlich gesichtslose Finanzwelt in Gefahr gebracht werden könnte. Weil oft der Verkauf an einen Strategen wegen des Verlusts der Eigenständigkeit auch keine Option ist, sind sehr viele Eigentümer auf der Suche nach einem Partner, der ein ähnliches Verständnis von Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein hat und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens erreichen will.

    Dialog und Verständnis

    Family Offices sind schon lange neben institutionellen Investoren die wichtigsten Geldgeber klassischer Beteiligungsfonds, haben sich entsprechend professionalisiert und treten seit einigen Jahren vermehrt als auch Direktinvestoren am Markt auf. Für sie sind direkte Investitionen Teil ihres Familienethos, im Sinne des eigenen Unternehmergeists und einer engen Verbindung zum gemeinsamen Vermögen.

    In Deutschland sind mittlerweile gut 25 große Familien aktiv, die in Sachen professioneller Organisation von der Suche bis zur Begleitung ihrer Portfoliogesellschaften und ihrem Grad an Aktivität den herkömmlichen Fondsgesellschaften in nichts nachstehen. Ihr Familienkapital hat in der Regel einen sehr unternehmerischen und werteorientierten Hintergrund und kann ohne den sonst üblichen raschen Renditedruck langfristig investiert werden. Der oftmals entscheidende Pluspunkt bei der Wahl von Unternehmern also: Familien fällt es leichter, die DNA von Familien zu erkennen. Sie sprechen mit Firmengründern und Managern auf Augenhöhe und kennen Lust und Last, ein Unternehmen zu lenken.

    Kapital und Partnerschaft

    Eine Familie, deren unternehmerische Ursprünge in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen und die sich bereits seit fast 20 Jahren auch im Beteiligungsgeschäft engagiert, ist die Familie Brenninkmeijer. Ihre COFRA Holding umfasst unter anderem das Textilhandelsunternehmen C&A, den Immobilien-Manager Redevco, Anthos Fund & Asset Management und die Gruppe Bregal Investments – diese bündelt Beteiligungsgesellschaften in Europa und Nordamerika. Die 2015 gestartete Bregal Unternehmerkapital konzentriert sich dabei auf Beteiligungen an Mittelständlern im deutschsprachigen Raum.

    Der deutsche Arm des Familieninvestors betreut derzeit rund 2,5 Milliarden Euro (Assets under Management), wovon 1,2 Milliarden Euro für neue Beteiligungen zur Verfügung stehen. Mit seinem mittlerweile zweiten Fonds hat sich Bregal Unternehmerkapital bereits zu einem der aktivsten Mittelstandsinvestoren in der DACH-Region entwickelt. Rund 80% der bisherigen Beteiligungen von Bregal Unternehmerkapital waren sogenannte Primaries – also erstmalige bzw. direkte Anteilsverkäufe von Firmeninhabern. Für diese spielte die Kombination aus dem traditionsreichen Wertesystem eines über Generationen gewachsenen Familienunternehmens, der Fähigkeit zu komplexen, langfristigen und maßgeschneiderten Direktbeteiligungen sowie strategischem Know-how die entscheidende Rolle.

    Denn neben geduldigem, von Finanzmärkten unabhängigem Kapital bietet Bregal einen besonders hohen kaufmännisch-ethischen Anspruch, ein erfahrenes Team mit ausgewiesener Wertsteigerungskompetenz und einen privilegierten Zugang zu einem internationalen Netzwerk aus 1.900 Top-Managern und Unternehmern. In Erstgesprächen geht es daher sehr schnell neben Preis- und Prozessverhandlungen um einen offenen Dialog darüber, wie Bregal Unternehmen helfen kann, diese zu transformieren und für zukünftige Generationen zu schützen. Die eigentliche Konstellation ist dabei fast schon sekundär: Bregals Flexibilität bei der Beteiligungsstruktur ermöglicht es, Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen, reine eigenkapital- oder bankenfinanzierte Anteilskäufe vorzunehmen. Mitunter kommt es im Prozess auch vor, dass sich aus einem ursprünglich vom Unternehmer angedachten Minderheitsverkauf mehr entwickelt.

    Gemeinsam zum Ziel

    Bregal Unternehmerkapital geht Beteiligungen nur ein, wenn ein vertrauenswürdiger Dialog entstehen konnte und ein gemeinsames Verständnis über ihren Wertbeitrag besteht. Dabei spielt das Management eine zentrale Rolle – die Führung des Portfoliounternehmens investiert auf Augenhöhe mit Bregal in Unternehmen und wird so Anteilseigner; die Manager von Bregal wiederum sind ebenfalls in den Beteiligungsfonds engagiert und damit ihren Investitionen noch einmal besonders verbunden. Mit geduldigem Kapital, unternehmerischem Handeln und partnerschaftlichem Denken stehen bei Bregal der Erfolg der Beteiligungen und das Erreichen nachhaltiger Werte im Mittelpunkt – ganz im Sinne eines hohen Familienethos.

    Privates Beteiligungskapital und insbesondere geduldiges Familienkapital können die Erfolgsaussichten also deutlich erhöhen und den Bestand eines Unternehmens langfristig sichern. Professionelle Familieninvestoren sind in diesem Zusammenhang gekommen, um zu bleiben. Mit ihren Werten, Strukturen und Spielregeln werden sie die Beteiligungslandschaft weiter nachhaltig prägen. Ihrer steigenden Bedeutung im deutschen Markt trägt das Financial Yearbook mit der vorliegenden Ausgabe für das Jahr 2020 Rechnung und führt für sie erstmals eine neue Marktteilnehmer-Kategorie ein.

     

    Viel Freude beim Lesen und Nachschlagen im FYB 2020!

     

    Florian Schick

     

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