3 Fragen an kluge Köpfe aus der Branche

Benedict Rodenstock | ASTUTIA Ventures und Astutia Advisory

Dr. Michael Zoller | Wirsing Hass Zoller Rechtsanwälte

Hendrik Brandis | EARLYBIRD in München und Berlin

Thomas Jäger | LM Audit & Tax München

Matthias Hornberger | Kizoo Technology Capital in Karlsruhe

Friederich von Hurter sowie Stefan Saalfrank | PWC Transactions in München und Frankfurt a.M.

Frank Seehaus | ACTON Capital in München

Daria Saharova | Vito.one in München

Max Flötotto | McKinsey & Company, Inc.

3 Fragen an... kluge Köpfe aus der Branche

Der europäische Tech-Sektor wächst fünfmal schneller als der Rest der Wirtschaft

13. November 2019 - Die Anzahl der mit über einer Milliarde Dollar bewerteten Technologie-Start-ups hat sich in Europa seit 2014 fast verdreifacht. Insgesamt 84 Jungunternehmen zählen inzwischen zu den so genannten Unicorns. Allein im Vorjahr kamen 21 Unternehmen dazu, darunter auch drei deutsche Firmen: der Datenanalyse-Spezialist Celonis, die Onlinebank N26 und der Modehändler AboutYou. (Quelle: Report des auf Technologie-Investitionen, Übernahmen und Fusionen spezialisierten Beratungsunternehmen GP Bullhound zum Wachstum von Europas führenden Technologieunternehmen).

Dazu 3 Fragen an
Matthieu Baret

Matthieu Baret, Managing Partner Idinvest Partners für den Bereich Venture Capital


13. November 2019

1 - Idinvest Partners war in Deutschland bislang eher für Private Debt-Investments bekannt. Sie haben nun Ihren „Digital Fund III“ bei 350 Millionen Euro geschlossen. Können Sie Ihre Venture Capital-Aktivitäten näher vorstellen?

Tatsächlich liegen unsere Wurzeln im Bereich Private Equity mit einem klaren Fokus auf Venture Capital. So haben wir 1997 begonnen, und Venture Capital war immer der Kern unserer DNA. „Erst“ zehn Jahre nach unserer Gründung haben wir das Private Debt-Geschäft und später den Bereich Private Funds (Dachfonds und Secondaries) aufgebaut. Heute verwalten wir 2,9 Milliarden Euro in Venture und Growth Capital und sind damit einer der führenden VC-Fonds in Europa. Insgesamt haben wir in diesem Bereich mehr als 80 Unternehmen in unserem Portfolio. Wir investieren insbesondere in Unternehmen in der Digitalwirtschaft, im Smart-Cities-Sektor und in Digital Health.

Wir sind stolz darauf, als Finanzierungspartner Teil einiger der großen europäischen Erfolgsgeschichten zu sein. Die französische Regierung hat vor Kurzem analog zum CAC 40 die „Next 40“ gekürt, die 40 erfolgversprechendsten französischen Tech-Unternehmen. Fast die Hälfte von ihnen gehört zu unserem Portfolio. Und bislang fünf Unternehmen haben es mit unserer Unterstützung bis zum NASDAQ-Börsengang gebracht.

2 - Wie attraktiv ist der deutsche Markt für Sie?

Wir sind schon seit vielen Jahren in Deutschland aktiv und haben im Bereich Venture Capital bisher zehn Investments getätigt, darunter sehr bekannte und erfolgreiche Namen wie der E-Scooter-Verleiher Circ, das Telemedizin-Unternehmen TeleClinic, das rund um die Uhr Video- und Telefonsprechstunden mit Fach- und Hausärzten anbietet, und Wefox, eines der führenden Insurtechs, das Verbrauchern hilft, ihre Versicherungen online zu verwalten und zu optimieren. Der deutsche Markt bietet sehr attraktive Möglichkeiten. Im Hinblick auf alle wesentlichen Kennzahlen – Summe des investierten Wagniskapitals, neu geschaffener Unicorns und Anzahl der realisierten Exits liegt in Europa nur Großbritannien vor Deutschland.

Das deutsche Startup-Ökosystem ist sehr dynamisch und wird vor allem von drei Faktoren getrieben: der Qualität des Bildungssystems, der Attraktivität Deutschlands für Software-Entwickler aus Mittel- und Osteuropa, und den deutschen Konzernen, von denen viele Startups aktiv unterstützen und ihnen Geschäftsmöglichkeiten bieten. Deutschland beheimatet zahlreiche vielversprechende Unternehmen in zukunftsträchtigen Bereichen wie Software-as-a-Service (SaaS), Fintech und Digital Health. Im Zuge unserer europaweiten Wachstumsstrategie bauen wir daher unser lokales Team kontinuierlich aus. Neben unserem Büro in Frankfurt haben wir auch Mitarbeiterin Berlin.

3 - Wie finden und unterstützten Sie Ihre Portfoliounternehmen?

Wir finden unsere Investmentziele, indem wir so früh wie möglich Beziehungen zu ihren Gründern aufbauen. Am Anfang steht fast immer eine enge inhaltliche Übereinstimmung zwischen uns und den Unternehmern. Die Kontaktaufnahme und Beziehungspflege betreiben wir über die lokalen Ökosysteme, also die Netzwerke von Gründern, Business Angels und Investoren. Wir wählen diejenigen Gründerteams aus, die den Status Quo in Frage stellen und deren Unternehmen das Potenzial haben, sich international und dauerhaft als „Game-Changer“ zu etablieren. Die Frauen und Männer, die wir unterstützen, sind mutig, verfolgen eine klare Vision und sind entschlossen, ihre Ideen unter allem Umständen zu verwirklichen.

Wir selbst verstehen uns als ihre strategischen Partner und helfen unseren mehr als 300 Portfoliounternehmen, indem wir sie mit potenziellen Kunden und Partnern oder, beim Recruiting, mit Talenten aus unserem Netzwerk zusammenbringen. Nicht zuletzt eröffnen wir ihnen den Zugang zu unserem weitreichenden Netzwerk, etwa, wenn sie außerhalb Europas expandieren möchten. Mit unserer Präsenz in neun Ländern – darunter die USA, Brasilien, China und Korea – können wir ihnen viele Möglichkeiten bieten.