Vorwort der Herausgeberin

Tatjana Anderer, Gründerin des FYB-Verlag

    Die Gründerstimmung in Deutschland ist gut. Nur hat sich das leider noch nicht auf die Gründungszahlen niedergeschlagen. Obwohl es zahlreiche Förderprogramme nicht nur sei-tens der Regierung hierzulande gibt, fehlt es an „early adopters“, an Risikobereitschaft auf Seiten der Investoren. Viele Gründer würden lieber in die USA gehen. Der Zugang zu Kapital ist dort unkomplizierter, Geld fließt schneller, die Summen sind wesentlich höher, zudem er-halten die Startups mehr taktische Unterstützung. Vor allem in der Wachstumsphase gibt es in den USA mehr Geld. Die mächtigen Investoren reißen sich dort um junge Talente, für ei-nen Entrepreneur ist das ein ausgezeichnetes Ökosystem. Während in Deutschland in 2015 gute 3,1 Milliarden Euro Risikokapital in 2015 geflossen sind, waren es allein im Silicon Valley 24,6 Milliarden Euro (Quelle Handelsblatt Research Institute). Es bleibt zu wünschen, daß sich deutsche Venture Capital- und Private Equity-Geber etwas mehr von der Leichtigkeit des Seins, des Investierens und der Risiko-Affinität ihrer amerikanischen Kollegen aneignen.

    Geld gibt es genug. Überall. – Riesige Technologiefonds sprießen aus dem Boden: der japa-nische IT-Konzern Softbank gründet jetzt mit saudischem Geld einen sagenhaften 100 Milli-arden-Dollar Technologie-Fonds, der weltweit agieren soll. Siemens legt gerade eine Milliarde in seinen neuen Technologiefonds Next47 mit Büros in München, Berkeley und Shanghai. Immer mehr große Family Offices wollen in Venture Capital und Private Equity investieren. Geld ist also vorhanden, es muss in Deutschland nur unkomplizierter und schneller an Star-tups und Wachstumsunternehmen vergeben werden (können).

    Ein faszinierendes Phänomen sind die sogenannten Unicorns (Einhörner): Tech-Unternehmen, die als innovatives Startup angefangen haben und heute mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertet werden. Insgesamt haben 40 europäische und insgesamt 229 Unternehmen die Milliardengrenze geknackt (Stand Januar 2016). Darunter Uber, Xiaomi, Airbnb, Palantir, Snapchat, Dropbox, Pinterest, Spotify, Deliveryhero oder Hellofresh. – Auf die Frage, wohin der Trend hingeht, welche Technologien das Leben von morgen bestimmen werden, ob es künstliche Intelligenz oder das maschinelle Lernen ist, gibt es eine profane Antwort: es wird nicht nur ein “next big thing” geben, sondern unzählige! Viele deutsche Un-ternehmen, so auch die Autoindustrie, sind gut beraten, eine Partnerschaft mit einem Silicon Valley-Player anzustreben und Kontakte zu den besten Software-Spezialisten suchen, die allerdings häufig aus dem Silicon Valley stammen, um ihre Zunkunft zu sichern. Technisches Knowhow steht hoch im Kurs, gute Software-Ingenieure werden überall gesucht. – In der Finanzwelt sind Fintechs sehr gefragt. Hier geht es darum, Regulatorik und Technik digital zu verbinden. Bemerkenswert ist, dass große Geldhäuser wie die Deutsche Bank erst seit kur-zem einen Chief Technology Officer in den Vorstand befördert haben. Große Namen ver-binden sich auf diesem Sektor immer häufiger mit Startups wie Finleap, um die Banking-Lösungen von morgen zu entwickeln und nicht nur so in der digitalen Wirtschaft bestehen zu können, sondern diese Lösungen auch anderen kommerziell anzubieten. Auf diese Weise erschliessen sich neue Geschäftsfelder.

    Das FYB 2017 bietet Ihnen im MAGAZIN-Teil wieder zahlreiche, prominente Autoren sowie spannende und sehr aktuelle Themen aus der Private Equity- und Corporate Finance-Industrie. Nach der hochaktuellen Novelle im Erbschaftssteuerrecht haben sich Christoph Ludwig und Thomas Unger (BLL Braun Leberfinger Ludwig) ausführlich den “erbschaftsteu-erlichen Aspekten bei der Bewertung von Private Equity-Fonds” gewidmet. – Jan Schinköth und Sebastian Walczak (DLA Piper UK LLP) geben eine hervorragende Einführung in „Le-galtech – die Digitale (R)Evolution“. Sie evaluieren Chancen und Risiken sowie die Heraus-forderungen, die durch die Digitalisierung auf den Anwaltssektor zukommen. Wie sich das Auftreten und Erscheinen von Kredit-Fonds in Europa verändert, erklärt Daniele C. Heine (Patrimonium Asset Management AG) in seinem Beitrag über den „Strukturwandel im euro-päischen Kreditmarkt“. – Im internationalen Fundraising gibt es immer neue Rekorde und ein sehr kompetitives Bemühen der Fondsmanager um institutionelle Investoren. Inwieweit sich der internationale Private Equity Markt dabei auf dem Weg in die Zweiklassen-Gesellschaft befindet, referieren Tarek Mardini und Amos Veith (P+P Pöllath + Partners), indem sie „Ak-tuelle Entwicklungen zu Vertragsbedingungen bei Private Equity Fonds“ beleuchten. – In M&A-Kaufverträgen findet sich standardmäßig eine Bilanzgarantie, wegen der sich häufig langwierige Verhandlungen ergeben. Die aktuellen “Praxisfragen bei der Verletzung von Bi-lanzgarantien” klären Daniel Wied und Christoph von Einem (Arquis Rechtsanwälte). – Wie hoch die Hürden bei Übernahmen von Finanzinstituten und Banken sein können, beschreibt Thomas König (Shearman & Sterling LLP) in seinem Beitrag “Private Equity-Investitionen im Finanzsektor – eine regulatorische Herausforderung”. – Wann sich bei Unternehmen der “Einsatz von Sale & Lease Back als strategischer Finanzierungsbaustein” lohnt, differenziert Carl-Jan von der Goltz (Maturus Finance). – Immer wieder engagieren sich prominente Hochvermögende in spektakulären Wagnissen, die die Grenzen des Gängigen oder gar Möglichen zu verschieben suchen – unter ihnen beispielsweise Elon Musk, der mit SpaceX nicht nur die ISS beliefern, sondern gar den Mars besiedeln möchte. Wie sich die Risiko-wahrnehmung und Diversifikationsstrategien bei Hochvermögenden gestaltet, schildert Yvonne Brückner (ResFutura, Institut für unternehmerische Zukunftsstrategien).

    Das FYB 2017 hat einen Umfang von nahezu 500 Seiten und erfreut sich nachhaltiger Beliebtheit. Sie finden häufiger Einträge ausländischen PE-Unternehmen, die im FYB Finan-cial YearBook und auf dem deutschen Markt präsent sein wollen. In knapp 300 Standardein-trägen: darunter 121 Private Equity-Firmen, an die 40 Anwaltskanzleien, fast 60 Corporate Finance-Spezialisten, rund 20 Unternehmensberater, 8 Personalberater und 30 Netzwerke. – Das FYB 2017 bleibt das führende Nachschlagewerk für alternative Finanzierungen in Deutschland und bietet Ihnen neben der neuen FYB 2017-App regelmäßig interessante Nachrichten auf www.fyb.de.

    Tatjana Anderer, Gründerin des FYB-Verlag



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