Wie finanziert sich der deutsche Mittelstand?

31. Januar 2017 - Die Einbettung der Finanzplanung in die gesamte Unternehmensplanung setzt eine quantitativ und qualitativ hochwertige Planung voraus. Hier hat der Mittelstand häufig noch Nachholbedarf. Finanzierungsquellen werden unterschiedlich und oft auch nicht optimal genutzt.

Dazu 3 Fragen an
Rolf Brodbeck

geschäftsführender Partner bei BE Investment-Partners GmbH in Köln
rolf.brodbeck@be-invest.de

31. Januar 2017

1 - Welche Finanzierung bevorzugen deutsche mittelständische Unternehmen aktuell?

Viele Unternehmen im deutschen Mittelstand bevorzugen immer noch die klassische Kreditfinanzierung. Dies hat sich nicht wirklich verändert. Die Entwicklung der einzelnen Unternehmen ist nach den Jahren einer guten konjunkturellen Phase recht unterschiedlich verlaufen. Während die eine Gruppe durch eine positive Entwicklung eher auf der Anlegerseite als auf der Kreditnachfrageseite zu sehen ist und damit weniger auf Fremdfinanzierung angewiesen ist, durchlief die andere Gruppe von Unternehmen eine durchwachsende wirtschaftliche Phase mit verhaltenen Ertragszahlen und sucht sowohl nach Eigen- als auch Fremdkapital. Eine kritische Selbsteinschätzung der eigenen Ertragskraft und Potentiale ist somit wichtig, um die passgenaue Finanzierungsform oder den passgenauen Finanzierungspartner für sein Unternehmen zu identifizieren und die sich bietenden Möglichkeiten optimal auszunutzen.

2 - Wie sieht die Kreditvergabe bei den Banken derzeit aus? Wie sehen die Konditionen aus?

Durch die anhaltende Niedrigzinspolitik und die lockere Geldpolitik der EZB sowie den positiven Konjunkturdaten sind die Banken durchaus auf der Suche nach machbarem Kreditgeschäft. Durch die Zweiteilung des Marktes und den verschärften Regularien wird die Suche nach guten Geschäftsmöglichkeiten jedoch erschwert. Auf der einen Seite gibt es die Unternehmen, die nach einer Kreditfinanzierung suchen, aber nur selten die Anforderungen der Banken erfühlen können und auf der anderen Seite die Unternehmen, die eine gute bis sehr gute Bonität vorweisen können. Besonders um die letztgenannten Unternehmen entbrennt zwischen den Banken ein harter Kampf. Zusätzlich ist die Nachfrage nach Krediten trotz günstigen Bedingungen als relativ verhalten einzustufen. Mittlerweile wird konditionsseitig ein breites Spektrum angeboten, welches sich auf die individuelle Situation des Unternehmens und die Risikoeinstufung durch die jeweilige Bank fokussiert.

3 - Wie sehen Sie die Entwicklung im Crowd-Financing? Wird Crowd-Financing vom deutschen Mittelstand in Anspruch genommen?

Die Entwicklung ist noch am Anfang. Das Crowd-Financing bietet eine Alternative zu den klassischen Finanzierungsmöglichkeiten, ist allerdings klar in einer Nische anzusiedeln. Es wäre aber für die etablierten Marktteilnehmer kurzsichtig zu glauben, der Kelch würde an Ihnen vorübergehen. Bedingt durch die fortschreitende Digitalisierung und die Möglichkeiten des Internets werden auch hier neue innovative Lösungen und Alternativen zu klassischen Finanzierungsformen entstehen. Es wäre zu hoffen, dass den neuen Möglichkeiten nicht zu früh und nachhaltig durch gesetzliche Regulierungen und Verordnungen ein Riegel vorgeschoben wird. Viele Unternehmen messen allerdings heute der Finanzierung über die Crowd noch eine untergeordnete Rolle bei und bevorzugen eine Finanzierung über die klassischen Wege, was möglicherweise an der kritischen Haltung von Mittelständlern liegt Unternehmensdaten offenzulegen. In der Seed- und Start-up Szene hingegen ist das Thema nicht mehr wegzudenken und wer bereits in der frühen Phase seines Unternehmens positive Erfahrungen mit Crowd-Financing gemacht hat, wird diese möglicherweise auch zukünftig fortsetzen.

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