CFO – der Lord of Big Data

27. Oktober 2017 - Der digitale Wandel verändert den Alltag in immer mehr Unternehmen. Die Umwälzungen sind gravierend, werden jedoch noch viel zu häufig in ihren Auswirkungen unterschätzt. Während gewisse Branchen wie die Telekommunikation oder die Medien bereits grundlegend verändert wurden, stehen andere wie das Finanzressort in den Unternehmen erst am Anfang. Den ausführlichen Autorenbeitrag von Christina Johansson zu diesem hochaktuellen Thema können Sie in der neuen FYB 2018-Ausgabe lesen. Sie erscheint Mitte November.

Dazu 3 Fragen an
Christina Johansson

Chief Financial Officer (CFO) bei BUCHER Industries in Zürich (Schweiz)
Christina.Johansson@bucherindustries.com

27. Oktober 2017

1 - Wie muss man sich die Veränderungen durch den Einzug der Digitalisierung genau vorstellen?

Die Digitalisierung ersetzt ein erfolgreiches Kerngeschäft nicht, sondern unterstützt dieses. Führende Unternehmen verstehen deshalb die digitale Geschäftstransformation als Veränderungsprozess, bei dem unter der Nutzung von innovativen Geschäftsmodellen sowie digitalen Technologien das bestehende (Kern-) Geschäft durch eine Erhöhung des Kundennutzens profitabel weiterentwickelt wird. Das setzt voraus, dass man einerseits die Bedürfnisse der Kunden möglichst genau kennt (Stichwort Big Data) und andererseits die Möglichkeiten der digitalen Technologie richtig einschätzen und nutzen kann. Und genau hier müssen Führungsleute wie der CFO in einem Unternehmen ihre neue Rolle sehen – Digitalisierung heisst aktiv die Transformation vorantreiben, Schwerpunkte setzen, Ressourcen und Prioritäten effizient verteilen.

2 - Was verändert sich für den CFO?

Die herausragenden Merkmale sind die Beschleunigung der Veränderungen, die Virtualisierung der Unternehmen und daß die Geschäftsmodelle immer instabiler werden. Die Position des Unternehmens in der Wertschöpfungskette verändert sich immer schneller und verlangt nach Flexibilität. Das bedeutet, die Revenue Streams sind nur noch kurzfristig stabil. Die Abgrenzung gegen andere wird immer schwieriger, neue Mitbewerber entstehen kurzfristig und Disruptionsstrategien werden zum Alltag.

3 - Wie sieht denn dann die neue Rolle für den CFO konkret aus?

Die fundamentalen Veränderungen der Rahmenbedingungen verlangen vom CFO eine starke Anpassung seiner Denkweise und Orientierung an ein Leben mit zunehmender Unsicherheit und sich immer stärker verkürzenden Zyklen. Die extravertierte (Umfeld) Sichtweise muss gegenüber der introvertierten Sicht (Unternehmen) wesentlich stärker gewichtet werden. Die Suche und Analyse neuer Revenue Streams wird zur Kernaufgabe. Es werden viel stärker proaktives Management der neuen Datenströme verlangt, eine aktive Gestaltung des Digitalisierungsprozesses, hohe Flexibilität und permanente Ressourcenoptimierung.

Nicht zu vergessen, eine hohe Sozialkompetenz im Umgang mit den „Opfern“ der Digitalisierung und Transformation gewinnen stark an Bedeutung. Der CFO positioniert sich neu in der Rolle des „Lord of Big Data“, des proaktiven Gestalters und Nutzers der Datenströme.

 

 

Über Christina Johansson

Geb. 1966, schweizer und schwedische Staatsangehörige, Masters Degree in Business Administration, Zusatzabschluss in Anglistik und Germanistik, Universität Växjö/Lund, Schweden; seit Oktober 2016 CFO.

2014 Technics Group, Zürich, CFO; 2007 Pöyry Energy und Management Consulting Business Group, Zürich, Vice President Finance; 2005 Zeag Gruppe, Spreitenbach, CFO; 1996 Amcor Rentsch & Closures Group, Rickenbach, diverse leitende Finanzfunktionen; 1993 Securitas Group, Frankfurt, Deutschland, Financial Controller und Treasury Manager

Weitere Tätigkeiten:
Mitglied des Verwaltungsrats Optikart AG, Wangen b.O.

 

 

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