3 Fragen an kluge Köpfe aus der Branche

Marcus Brans | Triton Partners

Alexander Tewaag | GFEP

Dr. Christof A. Schneider | Arqis Rechtsanwälte

Dr. Christoph Ludwig | BLL Braun Leberfinger Ludwig

Dominique Senequier | ARDIAN

Dr. Benedikt Hohaus | P+P Pöllath + Partners

Christina Johansson | BUCHER Industries

Alexander Weigert | Ecovis

Eric Gallerne | Idinvest Partners

3 Fragen an... kluge Köpfe aus der Branche

Digitaliserung von Portfolio-Unternehmen

13. Februar 2018 - Unternehmen erhoffen sich neue Chancen durch die Digitalisierung. Vorbereitet auf die Techniken der Zukunft sind immer noch die wenigsten. Vielen fällt auch die Orientierung bei den neuen Technologien ebenso schwer, wie die Auswahl geeigneter “digitaler tools”, die im eigenen Unternehmen zur Anwendung kommen können. Der Private Equity-Investor TRITON hat die Lösung und Beratung bei diesen Themen selbst in die Hand genommen und betreibt aktiv die Digitalisierung seiner Portfolio-Unternehmen.

Dazu 3 Fragen an
Marcus Brans

Marcus Brans, Gründungspartner Digitalization Group bei Triton Partners in Frankfurt am Main
brans.wp@triton-partners.com

13. Februar 2018

1 - Triton ist dazu übergegangen, seine Portfolio-Unternehmen auf die eigene, digitale Reise zu schicken. Wie sieht das im einzelnen aus?

Die digitale Reise unserer Investments hat schon vor Jahren begonnen und zwar in allen Sektoren, siehe den weltweiten Einsatz von Sales Konfiguratoren bei AlimakHek, Aventics oder Flokk, den IoT Applikationen der FläktGroup oder beim Drohneneinsatz in der ARVOS Gruppe. Wir sind der Überzeugung, dass alle Geschäfts- und Fachbereiche betroffen sind und die Geschwindigkeit der Disruptionen bestehender Businessmodelle noch stetig zu nimmt, siehe Mehiläinen im Gesundheitswesen. Wir sehen derzeit auch keine Anzeichen für eine Entschleunigung der digitalen Transformation. Unser Ziel ist es, dass der europäische Mittelstand die Möglichkeiten, die sich aus einer nachhaltigen Digitalisierung ergeben, frühzeitig erkennt und bereit ist, schnell zu handeln und sich auf seine Stärke zu besinnen, nämlich der Fähigkeit zur Industrialisierungen von Dienstleistungen und Produkten. Wir lernten schnell, dass die Auswirkungen der Digitalisierung mit klassischen Prognosetechniken und Analysen nicht zu fassen sind.

Die wichtigsten Bausteine unserer Antwort auf die Herausforderungen der Digitalen Transformation sind: 1. Analyse des „Digitalen Reifegrades“ aller Unternehmen in unserem Portfolio, 2. Identifikation von Potentialen, Priorisierung und Umsetzung von konkreten Maßnahmen, 3. aktive Unterstützung des Wandels von starren Wertschöpfungsketten hin zu dynamischen Wertschöpfungsnetzwerken, die in Echtzeit miteinander kommunizieren (Digital Supply Chain, Smart Factory) sowie 4. Verstehen und Anwenden von Analysen der enormen Datenmengen (Big Data Analytics). Hinzukommen 5. Sicherstellen des weltweiten und permanenten Zugang zu diesen Datenquellen, 6. Bereitstellung von grenzenlosem und bezahlbarem Speicherplatz und 7. die Vernetzung von Maschinen in Echtzeit.
So stellte zum Beispiel der „Sales Configurator“ bei einem Börsengang in Schweden einen wesentlichen Werttreiber dar.

2 - Wie gestaltet sich der Digitalisierungsprozess bei Ihnen?

Digitalisierung ist mittlerweile eher ein unscharfer Sammelbegriff für die sich beschleunigende Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft, welche schon seit Jahren rund um den Globus stattfindet. Wir erleben die Vernetzung aller Lebensbereiche und müssen uns als Akteure in der Gesellschaft sowie Wirtschaft jeden Tag aufs Neue hinterfragen, anpassen und die steigende Komplexität und Beschleunigung durch die digitale Transformation als Chance begreifen und annehmen. Triton hat sich als internationale Beteiligungsfirma frühzeitig mit den Möglichkeiten von vernetzten Systemen mit Datenaustausch in Echtzeit, neuartigen Bewertungsoptionen von Wahlmöglichkeiten sowie möglicher Konsequenzen beschäftigt. Dafür haben wir eine Digitalisierungsgruppe aus Experten unterschiedlicher Fachrichtungen gegründet, um strategisch und fundiert die Vorteile der Digitalisierung zu identifizieren und frühzeitig in die jeweilige Geschäftsplanung als wesentlichen Wachstumstreiber einzubauen. Wir investieren Zeit, Knowhow und Kapital in die nachhaltige Digitalisierung unserer Beteiligungsfirmen.

Warum? Die digitalisierte Wirtschaft optimiert nicht nur bestehende Geschäftsmodelle, sie eröffnet vor allem neue Wertschöpfungspotenziale, jedenfalls für den, der hinschauen kann. Aus unserer Sicht sind die vier wichtigsten Treiber der Digitalen Transformation: der digitale Kundenzugang, der Zugang zu Digitale Daten und deren Auswertung in der gesamten Wertschöpfungskette, die Vernetzung in Echtzeit mit zunehmenden Speicherkapazitäten, neuartige Produktionswege sowie die Automatisierung.

Unsere Beteiligungsfirmen durchlaufen einen mehrstufigen und interaktiven Prozess, wobei wir sicherstellen, dass das Wissen, Methoden und Erfolge sowie Softwarelösungen innerhalb der Beteiligungen geteilt werden. Dazu laden wir regelmäßig zu sog. DigiDays und Expertenrunden innerhalb unserer Sektoren ein, bei denen die CEOs über deren Maßnahmen, Erfolge und Erfahrungen berichten.

3 - Welchen Auswirkungen konnten Sie durch Digitalisierung der Portfolio-Unternehmen feststellen? Generell und im Hinblick auf die Wertsteigerung?

Generell können wir feststellen, dass sich die Geschäftsmodelle und Strategien „digitalisiert“ haben, d.h. in allen Businessplänen ist die Digitalisierung voll operativ integriert. Selbst Unternehmen, die noch am Anfang der Umsetzungsphase stehen, geben Antworten auf die richtigen Fragen: Wie kann unser Business disruptiv angegangen werden? Kann ich es aus dem Triton Netzwerk erhalten oder brauche ich Kooperationen mit Dritten? Besonders positiv ist, dass der Austausch zwischen den Unternehmen erheblich zugenommen hat. Wissen und Erfahrungen sowie Kontakte werden über Sektoren und geographischen Grenzen hinweg gerne und aktiv geteilt. Wertsteigerungen erreichen Unternehmen durch die Steigerung von Umsätze durch Gewinnung neuer Märkte und Serviceangebote sowie effektiveren Innovations-/Produktionsmanagement. Zudem benötigen Sie heutzutage beim Exit eine belastbare Digitalstrategie mit belegbaren Erfolgen.